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29. Juli 2010

für Projektträger

Sie sind gefragt worden, ob Sie sich eine Trägerschaft des Siegelprojektes Ihrer Institution vorstellen können und überlegen:

  1. Was müssen wir tun?
  2. Wie viel Aufwand wird das?
  3. Was bringt uns das Siegelprojekt?
  4. Wie lange wird uns das Projekt beschäftigen?
  5. Wie fügt sich das Siegel-Projekt in unsere anderen Aktivitäten ein?  

Das Siegelprojekt kann auf sehr unterschiedlichen „Intensitäts-Niveaus“ durchgeführt werden. Wenn Sie sich entscheiden, als einer von 4 – 6 Trägern das Projekt in Ihrer Region umzusetzen, kommen folgende Überlegungen auf Sie zu:  

1. Was müssen wir tun?

  • Sie sind konzeptionell maßgeblich an der Einführung der Zertifizierung und mehrfachen Wiederholungen beteiligt, d. h. im Idealfall tragen Sie das Projekt langfristig und bemühen sich auch um Ersatz, wenn ein Träger aussteigt.
  • Sie werden Teilnehmer des Netzwerks Berufswahl-SIEGEL.
  • Sie werden sich an der Arbeit der Jury beteiligen, ggf. als Vorsitzender.
  • Sie werden Jury und Vorsitzenden aussuchen und berufen (der Vorsitzende sollte eine führende Rolle in Schule und/oder Schulverwaltung oder -aufsicht spielen).
  • Sie werden an der Vorbereitung und Durchführung der Auftakt- und der Abschlussveran­staltung beteiligt sein.
  • Das Projekt erzeugt bei einem Einzugsgebiet von etwa 150 bis 250 Schulen ein Arbeitsvolumen, das personell von einer halben Stelle abgedeckt werden kann. Wenn eine Geschäftsstelle eingerichtet werden soll, was empfohlen wird, sind Sie entweder an der Finanzierung der Geschäftsstelle beteiligt, oder Sie entsenden einen Mitarbeiter, bzw. Sie finden einen anderen Träger, der einen Mitarbeiter zur Verfügung stellt. Eine Geschäftsstelle reduziert den Aufwand für die Träger erheblich.
  • Bei Projektaufhängung an bereits vorhandenen Stellen ist der Aufwand entsprechend geringer.
  • Sie werden Sponsoren ansprechen müssen oder selbst Geld zur Verfügung stellen müssen.
  • Sie werden Pressearbeit, Repräsentation und Kommunikationsarbeit für das Projekt leisten. Auch die Verbindung mit anderen Aktivitäten gehört dazu.

Das Netzwerk können Sie unter www.netzwerk-berufswahl-siegel.de kennen lernen. Dort finden Sie auch auf der linken Leiste des Internetauftritts das Handbuch. Sie werden zu Netzwerksitzungen eingeladen. Dort können Sie sich mit anderen Trägern austauschen und die Siegelidee weiter verbreiten.  

Die Geschäftsstelle kann folgende Aufgaben erledigen:

  • Korrespondenz für Träger und Jury (Einladungen, Veranstaltungen, Sponsoren, Bewerbungen, Feed-backs) ggf. für zusätzliche Aktivitäten an Schulen oder mit Lehrern
  • Terminabsprachen für Jury, Träger und Audits
  • Audit-Begleitung der wechselnden Teams
  • Dokumentation
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Sitzungs- und Veranstaltungsvorbereitung
  • Literaturbeschaffung  

Eine Besetzung mit einer akademischen Kraft als „Projektleitung“ hat sich als sinnvoll erwiesen.  
Sie müssen sich um die Besetzung der Jury und die Benennung des Vorsitzenden kümmern. Wichtig ist eine multifunktionale Besetzung der Jury, die alle Anspruchsgruppen abbildet.

  • Unverzichtbar in der Jury sind: Ein Schüler, Elternvertreter, Schulaufsicht, Wirtschaftsvertreter (sowie Vertreter aus Verbänden und Kammern)
  • Hilfreich sind weiterhin: Lehrer, Schulleiter, Kreis/Kommunaler Vertreter als Schulträger, Azubi, Regionale Player – auch hinsichtlich einer Projektübergabe nach einer gewissen Laufzeit

2. Wie viel Aufwand wird das?
Kalkulieren Sie 2 – 3 Trägersitzungen vor Projektstart, 3 – 5 Jurysitzungen, die Audits, eine Auftakt- und eine Abschlussveranstaltung sowie den Lese- und Dokumentationsaufwand für die Bewerbungen und Audits. Vgl. Jury. Kalkulieren Sie auch die Teilnahme am Siegel-Netzwerk. Hierzu werden Sie etwa zwei Mal jährlich durch die Bertelsmann Stiftung eingeladen.

Der Aufwand für die Einrichtung einer Geschäftsstelle hängt von der vorhandenen Ausstattung ab. Das Projekt erzeugt bei einem Einzugsgebiet von etwa 150 bis 250 Schulen ein Arbeitsvolumen, das personell von einer halben Stelle abgedeckt werden kann, wobei kalkuliert werden muss, dass der Arbeitsanfall sich stark auf das Bearbeiten der eingehenden Bewerbungen, also auf die Zeit von etwa 2 Monaten nach Projektstart bis zu den Audits, etwa 6 Monate nach Start konzentriert. Andere Aufgaben, wie die Pressearbeit, die Veranstaltungen, Korrespondenz und Dokumentation etc. können auf unterschiedlichem Niveau gehandhabt werden. Ideal ist eine fachlich einschlägig qualifizierte Halbtagskraft, die z. B. eine erste Grobauswertung der Bewerbungen vornimmt und auch die Feed-Backs aus Bewerbungen und Audits an die Schule zurückmelden kann – so sinkt das Arbeitsvolumen für die Jury.

3. Was bringt uns das Siegelprojekt?
Das Siegelprojekt bringt Ihnen einen besseren Dialog mit den für Berufsorientierung verantwortlichen Institutionen Ihrer Region. Sie bekommen Kontakt zu den Personen, die Berufsorientierung in Schulen umsetzen und können diese direkt zu Maßnahmen befragen, die Ihre Institution durchführt. Sie lernen Schüler und Schulformen kennen, die Ihnen helfen, den Fokus Ihrer Arbeit genau zu bestimmen. Sie selbst erhalten einen besseren Überblick über die Breite des berufsorientierenden Angebots und Verbesserungsmöglichkeiten Ihrer Service- und Projektangebote. Sie beteiligen sich an einem Projekt, das den Schülern und den Unternehmen hilft und die Qualität des berufsorientierenden Angebots verbessert. Sie können Ihr Engagement öffentlichkeitswirksam darstellen. Das Projekt kann ein Baustein einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Schulen, Unternehmen und Institutionen in Ihrer Region sein. Sollte es in Ihrer Region Bestrebungen in Richtung Einführung eines Qualitätsmanagementsystems geben, könnte das Siegelprojekt in methodischer Sicht einen Einstieg darstellen.

4. Wie lange wird uns das Projekt beschäftigen?:
Je nach Größe Ihrer Region werden Sie 2 – 6 Jahre mit dem Siegelprojekt beschäftigt sein. Nur ein Durchlauf (2 Jahre) ist nicht empfehlenswert, mindestens zwei Verleihungsrunden sollten durchgeführt werden, idealer Weise sollte der Prozess in einen kontinuierlichen Verbes­serungsprozess mit Re-Zertifizierungen münden, der von den Trägern vorbereitet werden sollte. Auch die Überleitung des Projektes in andere Hände sollten Sie vorbereiten.

Denken Sie von Anfang an an die Nachhaltigkeit – das Projekt sollte mehrmals durchlaufen und auch mindestens eine Re-Zertifizierungsrunde in der Original-Trägerschaft erleben. Suchen Sie für die Zeit danach Initiativen, Zusammenschlüsse oder Projekte, die die Nacharbeit und weitere Re-Zertifizierungsrunden durchführen können. Überlegen Sie von Anfang an, ob es weitere Vorschläge gibt, was mit Siegel-Schulen nach der Verleihung getan werden kann. Projektruinen sind sehr schädlich für alle weiteren Aktivitäten der Träger.

5. Wie fügt sich das Siegelprojekt in unsere anderen Aktivitäten ein?
Das Siegelprojekt lässt sich unter vielen Dächern anbringen und in viele Programme integrieren zumal es von den wichtigen Arbeitgeberorganisationen wie der Arbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft anerkannt ist. Einige Träger haben es in bestehende Aktivitäten des Programms Schule-Wirtschaft-Arbeitsleben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eingeordnet. Es hat ebenfalls Anknüpfungspunkte zu EU-Projekten wie EQUAL, Bildungsregionen (Lernende Regionen) oder der Initiative für Beschäftigung, unter deren Dach es in einigen Regionen läuft. Teilweise passt es zu den Aktivitäten länderspezifischer Einrichtungen wie „Zentrum Schule & Wirtschaft“ im Landesinstitut für Lehrerbildung in Hamburg oder zu regionalen Stiftungsaktivitäten.

Zu bedenken ist allerdings von Anfang an, wie das Projekt fortgeführt werden soll, wenn der Projektförderzeitraum ausläuft. Das Siegelprojekt eignet sich nicht für eine einmalige Durchführung, es sollte auf eine längere Projektlaufzeit hin geplant werden.