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Kriterien-Synopse
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Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei SIEGEL-Kriterienkatalogen Im folgenden Text geben wir eine Übersicht über Gemeinsamkeiten und Unterschiede von acht vorliegenden Kriterienkatalogen für eine SIEGEL-Vergabe. Die Auswahl der SIEGEL-Projekte erfolgte auf dem Stand Februar/März 2005. Die Übersicht beinhaltet Projekte aus Ostwestfalen-Lippe (2004), Düsseldorf (2004), Weser-Ems (2002), Hannover (2004), Wuppertal (2004), Mönchengladbach (2004), Hamburg (2004) und Thüringen (2004). Hinsichtlich der Zielgruppe wenden sich die meisten vorliegenden Kriterienkatalogen an allgemein bildende Schulen. Unter den untersuchten Katalogen gibt es jedoch zwei Ausnahmen. Der Kriterienkatalog aus Hannover enthält spezielle Fragen zur Sekundarstufe II und der Kriterienkatalog Weser-Ems beschränkt sich auf Haupt- und Förderschulen. Der Umfang der Kriterienkataloge ist sehr unterschiedlich. Sie schwanken in ihrem Umfang in der Regel zwischen 10 bis 22 Kriterien, die in drei bis fünf Themenblöcken gegliedert sind. Diese Kriterien bilden die Bewertungsgrundlage für die SIEGEL-Verleihung. Teilweise werden diese Kriterien durch Unterfragen weiter spezifiziert, die zwar nicht direkt in die Bewertung eingehen, den Schulen jedoch Hinweise darauf geben, was bei den einzelnen Kriterien inhaltlich erwartet wird. Eine Ausnahme bildet hier Hamburg. Dort werden 45 bewertungsrelevante Kriterien aufgelistet. Die Schwerpunktsetzungen in den Kriterienkatalogen sind: Praktika/Lernortwechsel; (interne und externe) Kooperationen; Vermittlung von Kenntnissen über Wirtschaft, Arbeit und Beruf; Nachhaltigkeit, Feedback und Reflexion. Innerhalb dieser Themenblöcke gibt es einen Kernbestand an Kriterien, der in fast allen SIEGEL-Katalogen anzutreffen ist. Dies betrifft den Aspekt der Integration ökonomischer Themen in das Unterrichtsangebot, die Existenz von Projektangeboten zum Thema Ökonomie, die Beschreibung der Praktikumskonzeption, die Einbindung von externen Akteuren bzw. Experten und die Nutzung außerschulischer Informationsangebote und die Qualifikation der Lehrkräfte. Ein Kriterium, das sich ebenfalls bei fast allen Projekten findet, ist die Beteiligung „Interner und Externer“ im Kontext der Praktika. Manche Fragen tauchen bei vielen Projekten auf, ohne dass sich deren Notwendigkeit gleich erschließt. So wird oft nach der Praktikumsgestaltung, der Praktikumskonzeption und dann, wie schon erwähnt, nach dem Beteiligungsumfang von Internen und Externen im Zusammenhang mit Praktika gefragt. Hier scheint das Gewicht der Praxiserfahrung durch die Ausweitung der Fragen etwas künstlich angehoben worden zu sein. Unter der eher allgemeinen Frage nach der Gestaltung von Praktika bzw. Angeboten zu Praxiserfahrungen hätten alle Angaben gemacht werden können. Mindestens ebenso interessant wie die Kriterien, die bei allen vorhanden sind, ist die Frage danach, welche Kriterien nicht bei allen vorkommen. So ist zwar bei fast allen die Bedeutung ökonomischer Themen hervorgehoben, die anderen Bestandteile des klassischen Arbeitslehreunterrichts, die technische Bildung und die Hauswirtschaftslehre finden sich dagegen kaum. Lediglich zwei der untersuchten SIEGEL-Projekte beziehen die technische Bildung ein (Hannover und Thüringen), lediglich ein Projekt die Hauswirtschaft (Hannover). Es stellt sich die Frage, ob diese Bereiche im Bewusstsein der SIEGEL-Verantwortlichen für die Vorbereitung auf das Arbeitsleben ausgedient haben oder sie nie so recht in dieser Funktion wahrgenommen wurden. Nur gut die Hälfte der untersuchten SIEGEL-Projekte führt die Teilnahme an ökonomisch orientierten Wettbewerben als eigenständiges Kriterium an (Düsseldorf, Hannover, Wuppertal, Mönchengladbach, Hamburg). Offenkundig ist der berufsorientierende Wert einer Wettbewerbsteilnahme nicht für alle gleich überzeugend. Bei keinem SIEGEL im Kriterienkatalog zu finden, waren die Themen Arbeitslosigkeit und Jobben, obgleich diese „Perspektive“ für einen großen Teil der Jugendlichen zumindest zeitweise zu ihrer Erwerbsbiografie dazu gehören wird. Ebenso wenig wird die Frage des Übergangs zwischen den Bildungssystemen (Übergangsmanagement) angesprochen. Der ganze Bereich der weiteren Bildungs- und Berufsvorbereitungsmöglichkeiten, falls es mit der Ausbildungsstelle nicht sofort klappt, ist nicht erkennbar Gegenstand der Kataloge. Einer der wichtigsten Akteure bei der Berufsfindung von Jugendlichen sind deren eigene Eltern. Somit kommt auch der Einbindung des Elternhauses in den schulischen Berufsorientierungsunterricht eine hohe Bedeutung zu. Da erstaunt es schon, die Eltern nur in der Hälfte der untersuchten Kriterienlisten als eigenen Punkt zu entdecken (Düsseldorf, Hannover, Wuppertal und in abgeschwächter Form in Mönchengladbach). Interessant festzustellen ist zudem, dass nur in der Hälfte der Jurys Eltern mitarbeiten (OWL, Düsseldorf, Hannover, Hamburg). Hier ist eventuell noch mehr Aktivierungs- und Aufklärungsarbeit für mehr Beteilung zu leisten. Es gibt weitere Themen, die in den Fragekatalogen fast völlig außen vor gelassen worden sind, für ein gutes Berufsorientierungsangebot jedoch durchaus von Bedeutung sein dürften. Die Integration der Berufsorientierung in den Schulalltag, also in das gesamte unterrichtliche Geschehen bzw. fachliche Angebot wurde zumeist auf die Frage nach der Integration ökonomischer Themen in das gesamte Unterrichtsangebot reduziert. Auch Aspekte des Work-Life-Balance, also der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit, Familie und Freizeit, werden nur sehr schwach ausgeleuchtet – bis auf eine Ausnahme (Hamburg) wird das Thema lediglich als Unterfrage entweder in einem großen Fragenblock zur Berücksichtigung der Interessen und Lebenssituation der Jugendlichen erfasst oder unter dem Kriterium des Gender Mainstreaming behandelt. Ebenso kommt die Migrantenproblematik nur bei zwei untersuchten Katalogen (Wuppertal und Düsseldorf) vor. Ohnehin drohen die Jugendlichen als die eigentlichen Akteure und Zielgruppe der Berufsorientierung in den Kriterienkatalogen etwas kurz zu kommen. Inhaltlich sind die Kriterienlisten fast durchgängig auf Schulangebote konzentriert. Nach der aktiven Einbindung der Jugendlichen bei der Gestaltung der Berufsorientierungskonzeption und nach den erwünschten Zielen der Lernprozesse bei den Jugendlichen wird kaum gefragt. Der Output, also die Ergebnisse der schulischen Berufsorientierung, kann jedoch bei der Beurteilung eines schulischen Angebots ebenso wenig ignoriert werden, wie die Ziele, die mit den berufsorientierenden Maßnahmen verfolgt werden sollen. In den meisten Projekten wird der Output im Bewertungsverfahren berücksichtigt, in dem die Ergebniskontrolle als Bewertungsdimension integriert ist. Dadurch läuft man jedoch Gefahr, lediglich zu prüfen, ob die Maßnahme richtig durchgeführt wurde, nicht jedoch, ob es die richtige Maßnahme ist. Eine große Ausnahme in dieser Hinsicht bildet der Kriterienkatalog des SIEGELs „Startklar für den Beruf“ aus der Region Weser-Ems. Er stellt im Unterschied zu allen anderen betrachteten SIEGEL-Projekten weniger auf schulische Unterrichtsangebote und Maßnahmen als vielmehr auf die Zielsetzung schulischen Handelns als Kriteriengrundlage ab. Im dortigen SIEGEL-Projekt werden kompromisslos die Schüler bzw. die Lernfortschritte der Schüler in den Mittelpunkt gestellt. So werden dort die Themenblöcke nicht nach Maßnahmen, sondern nach den Aspekten: Persönlichkeitsstärkung, Leistungsqualifizierung und Eignungsorientierung gebildet. |


