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29. Juli 2010

Standards für Berufsorientierung

Unverzichtbare Qualitätsmerkmale guter Berufsorientierung nach dem Verständnis des Netzwerkes Berufswahl-SIEGEL

Vorgelegt von der Arbeitsgruppe SIEGEL Standards:

Margareta Brauer-Schröder, Bert Butz, Harald Drescher, Manfred Hübner und Ulrike Lexis

 1.Vorbemerkung

Das Netzwerk Berufswahl-SIEGEL unter der Leitung der Bertelsmann Stiftung entwickelt in diesem Papier ein gemeinsames Verständnis der Ziele und Aufgaben von Berufsorientierung im allgemeinbildenden Schulwesen auf dessen Basis die Zertifizierung der berufsorientierenden Konzepte und Angebote von Schulen vorgenommen werden kann. Das gemeinsame Verständnis des Netzwerkes trägt naturgemäß übergreifende Züge und sollte vor Ort in den Netzwerkregionen diskutiert und konkretisiert werden. Nach einer kurzen Einordnung des Themas wird eine netzwerkweite Definition von Berufsorientierung vorgestellt, anschließend werden die Qualitätsmerkmale, die im Netzwerk gelten sollen, entwickelt und der darauf basierende Auftrag an die Schulen formuliert (anders als in den Standards der Kultusministerkonferenz richten sich die hier formulierten Leitlinien an die Schulen und nicht an die Schüler). Im letzten Teil beschreiben wir die aus unserer Sicht guten Beispiele, die unsere Qualitätsmerkmale erfüllen.

2. Präambel

Der Dualismus von Allgemeinbildung und Berufsvorbereitung ist ein schulpolitischer Dauerbrenner. Obwohl die Vorbereitung auf die Erfordernisse der Arbeitswelt die Schule seit dem Beginn der Einführung der Schulpflicht im Preußen des 18. Jahrhunderts immer begleitet hat, ist sie bis heute schulpolitisch umstritten. Bildung und Qualifikation stehen in der fachöffentlichen Wahrnehmung in einem Spannungsverhältnis, das sich bis auf Wilhelm von Humboldt zurückführen lässt.

Allgemeinbildung hatte bei ihm die Aufgabe, Chancen zu eröffnen, Ein­sicht und Verständnis zu ermöglichen. Humboldt formuliert ganz im Sinne einer modernen Berufsorientierung:

"Ein Hauptzweck der allgemeinen Bildung ist, so vorzubereiten, dass nur für wenige Gewerbe noch unverstandene und also nie auf den Menschen zurück wirkende Fertigkeit übrigbliebe“[1].

Humboldt war also einer der ersten Apologeten von Schlüsselqualifikationen und engagierter Verfechter des lebenslangen Lernens. Er formu­liert weiter:

 „Der junge Mensch soll in Stand gesetzt werden, den Stoff, an welchen sich alles eigene Schaffen immer anschliessen muss, theils schon jetzt wirklich zu sammeln, theils künftig nach Gefallen sammeln zu können, und die intellectuell-mechanischen Kräfte auszubilden“[2].

Das Humboldtsche Bildungsideal steht einer festen Verankerung der Berufsorientierung in die Zielbestimmung der allgemein bildenden Schule also nicht entgegen. Man könnte sogar sagen: Auch nach Humboldt ist es ein wesentlicher Zweck der Allgemein­bildung, Jugendlichen das Bestehen in der Arbeitswelt und dem Beruf zu erleichtern.[3]

„Berufsorientierung und Berufswahl sind zentrale Bestandteile der Jugendphase und Jugendbiographie in modernen Gesellschaften“[4]. Berufs­orientierung als schulischer Lernprozess im allgemeinbildenden Sinne stellt die persönliche Bewältigung des Übergangs Schule-Beruf und die weitere Lebensplanung und Fähigkeit zur Lebensbewältigung des Jugendlichen in den Vordergrund, klammert jedoch auch die weitgehende Ökonomisierung der Gesellschaft und damit die Ansprüche der Arbeitswelt[5] nicht aus. Praxisnahe Berufsorientierung ist nicht faktische Bildungsbegrenzung, sondern ergänzt andere fachliche Inhalte und liegt im Interesse der Jugendlichen, indem sie ihnen Chancen eröffnet.

3.Auf dem Weg zu einer Definition  

3.1. Formale Bildung als aktiv gestalteter individueller Entwicklungsprozess enthält drei große Zieldimensionen. Das Forum Bildung hat sie begrifflich gefasst als:

  • Persönlichkeitsentwicklung,
  • Teilhabe an der Gesellschaft und
  • Beschäftigungsfähigkeit[6].

Dabei ist der Begriff „Beschäftigungsfähigkeit“ – neudeutsch employability - ein umstrittener Terminus, da er suggeriert, von den Bedürfnissen und Erwartungen des Arbeits­marktes und nicht vom Jugendlichen auszugehen. Da andererseits unterstellt werden darf, dass Jugendliche ein großes eigenes Interesse daran haben, eine Beschäftigung aufnehmen zu können, darf man hier von einer Interessenkongruenz ausgehen, zumal jenseits semantischer Schwierigkeiten die Berührungsängste zwischen Schule und Arbeitswelt schwinden. So hat die Kultusministerkonferenz mit der Wirtschaftsministerkonferenz die „Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit“ Ende der 90’er Jahre als zentrales Anliegen für das allgemeinbildende Schulwesen festgelegt[7]. Das Netzwerk Berufswahl-SIEGEL kann sich also hinter dieser Zielstellung versammeln.

Beschäftigungsfähigkeit kann in diesem Zusammenhang nicht NUR heißen, die intellektuell-motorisch-sozialen Anforderungen der Arbeitswelt zu erfüllen, sondern umfasst eben auch die Fähigkeiten und die Bereitschaft, sich selbst aktiv in die Gestaltung der Arbeitswelt einzubringen und Ansprüche aus Arbeits- und Privatleben zu vereinbaren. In unserem Verständnis wird auch berücksichtigt, dass Arbeit zwei Funktionen für das Individuum erfüllt: zum einen die materiell-finanziellen Grundlagen für das eigene Leben zu schaffen, zum anderen aber auch die psychisch-mentalen Grundlagen wie Sinnstiftung und gesellschaftlichen Status. Beschäftigungsfähigkeit heißt unter heutigen Wirtschaftsbedingungen auch „Sich-Selbst-Beschäftigungsfähigkeit“ im Sinne von Umgang mit Arbeitslosigkeit, Selbständigkeit, Zeitarbeit und Bürgerarbeit bzw. Ehrenamt.

3.2. Berufsorientierung nach unserer Vorstellung folgt folgenden Maximen

Der Anspruch, den wir an eine gute Berufsorientierung anlegen, ist hoch. Gelungene Berufsorientierung ist ein strukturierter Prozess, der möglichst früh beginnen sollte. Nach unseren Beobachtungen wächst zudem die Verantwortung der Schule, da die Eltern immer häufiger ihrer Rolle als Berater im Berufsorientierungsprozess nicht mehr nachkommen (können). Da für uns der Schüler im Zentrum des Interesses steht und besonders bei der Berufs- und noch stärker bei der Studienwahl „Massenbewegungen und Schweinezyklen“ schon immer zu Problemen auf dem Arbeitsmarkt geführt haben, soll sie der Individualisierung von Lernen besonders entsprechen und den einzelnen Schüler individuell ansprechen. Sie soll flexibel auf individuelle Neigungen und Förderbedarfe eingehen – vielleicht braucht ein Schüler ein Praktikum mehr als ein anderer, nicht jeder Schüler will denselben Vortrag hören, manche haben bestimmte Angebote vielleicht schon über eine schulexterne Quelle genutzt.  

 Berufsorientierung braucht Evaluation. Eine Schule muss beobachten, was aus ihren Schülern – Alumni – wird und sie muss sich über akademische Entwicklungen sowie Trends auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt informieren. All dies gelingt nur mit externen Partnern, die für die Berufsorientierung noch wichtiger sind als für die klassischen Schulfächer. Je vernetzter die Schule mit externen Akteuren aus Wirtschaft, Agentur für Arbeit, Jugendhilfe etc. zusammen arbeitet, desto besser ist es für die Orientierung der Schüler – erste Schritte, wie die Zusammenlegung dieser Themen im NRW Schulministerium weisen in die richtige Richtung. Schule muss sich im Bereich der Berufsorientierung sehr anstrengen und gerät sicher an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit – aber sie muss auch die Jugendlichen stärker dazu anhalten und dabei unterstützen, sich selbst besser „zu managen“, sich stärker aktiv einzuschalten und die Zukunft in die eigene Hand zu nehmen.  

Berufsorientierung muss auch empirische Befunde beachten, so z. B. die Tatsache, dass Jugendliche nicht selten ihr Anspruchsniveau im Hinblick auf erreichbare Berufe zu hoch schrauben und dass eine realistische Einschätzung der „Erstberufswahlchancen“ sie vor Frustrationen schützt. Hilfreich wäre in diesem Zusammenhang, dass die Jugendlichen die Fähigkeit zur Kompromissbildung entwickeln, also für sich einen Ausgleich zwischen eigenem Anspruch und externen Anforderung schaffen – sowohl im Hinblick auf eine Senkung als auch auf eine Steigerung des Anspruchsniveaus. Die Fähigkeit zur Kompromissbildung ist eine der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewältigung des Übergangs aus dem Bildungs- in das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem. Letztendlich geht es um das Selbstkonzept von Jugendlichen, in dem ihre Berufsvorstellungen ein wichtiger Bestandteil sind. Wenn lebenslanges Lernen nicht nur eine Floskel ist, dann muss dies auch unter dem geschilderten Aspekt als Möglichkeit der Weiterentwicklung im Rahmen der beruflichen Entwicklung Gegenstand der Berufsorientierung sein.  

Um all diesen Anforderungen entsprechen zu können, muss jede einzelne Schule das für sie passende, regional eingebundene und mit den Anspruchsgruppen der Schule auf Umsetzbarkeit und Wünschbarkeit abgeklopfte Berufsorientierungskonzept aufstellen. Berufsorientierung ist hierbei Aufgabe der ganzen Schule. Das bedeutet, dass sich die Fächer mit der Frage auseinandersetzen müssen, inwieweit die von Ihnen vermittelten Qualifikationen auch berufs- bzw. berufswahlrelevant sind, d. h. es muss von den Fächern und nicht nur von der ökonomischen Bildung so etwas wie ein (neues) Theorie-Praxis-Verständnis, hin zur Praxis der Berufs- und Arbeitswelt und der Berufswahl entwickelt werden. Natürlich soll und kann das nicht der einzige didaktische Referenzrahmen für die Bestimmung von Zielen und Inhalten für die Fächer sein, es sollte aber ein Element eines Referenzrahmens sein. Es geht also in letzter Konsequenz darum, so etwas wie ein schulisches Curriculum Berufsorientierung auch aus den Fächern heraus zu entwickeln. Die Forderung ist nur zu erfüllen, wenn die notwendigen Kompetenzen bei den Lehrkräften auch vorhanden sind (Qualifikationen und Qualifikationsmaßnahmen sowohl aus der Berufstätigkeit der Lehrkräfte (3. Phase) als auch durch Weiterbildung (2. Phase) und in Ausbildung (1. Phase).

Die Vorstellungen einer Schule in einem Problemstadtteil sehen anders aus als die Ziele eines altsprachlichen oder konfessionellen Gymnasiums. Ausgangspunkt, Ziel und der Weg dorthin unterscheiden sich. Die schulischen Berufsorientierungskonzepte bedürfen einer regelmäßigen Reflexion, Evaluation durch alle Beteiligten und damit auch einer permanenten Weiterentwicklung.  

Sicher ist aber, dass der Erfolg der Berufsorientierung mit dem Grad ihrer Verbindlichkeit steigt. Es gibt einen geborenen Ort innerhalb einer Schule, der die Verantwortung für eine gute Berufsorientierung hat: die Schulleitung. Sie muss die Qualität der Berufsorientierung garantieren. Ob sie sie verbindlich einem Team, einer Person, einer Funktion oder einem Ankerfach oder mehreren dieser Orte zuordnet, soll hier nicht diskutiert werden. Es gibt für jede Form der Verantwortlichkeit gute Beispiele. Eine curriculare Verankerung der Berufsorientierung ist jedenfalls notwendig, um ihren Platz in der Schule zu festigen. Sie führt auch dazu, dass die für die Berufsorientierung notwendige Kompetenzentwicklung anhand geeigneter Inhalte stattfinden und systematisch mit anderen berufsorientierenden Inhalten, Personen und Institutionen verknüpft werden kann.  

Daraus folgt, dass es für die gesamte Schule so etwas wie eine „Kultur des Übergangs“ geben muss. Schule ist ein Prozess, eine Station vor dem nächsten Übergang, allerdings ein für junge Menschen eminent wichtiger Übergang. Die Vorstellung, den Auftrag der „Berufsorientierung“ als Bestandteil des Beratungsauftrags der Lehrerrolle zu begreifen, ist weit verbreitet, wird aber häufig nicht konkretisiert.  

All dies zeigt, dass Berufsorientierung ein Prozess der Annäherung und Abstimmung zwischen Interessen, Wünschen, Wissen und Können des Individuums auf der einen und Möglichkeiten, Bedarf und Anforderungen der Arbeits- und Berufswelt auf der anderen Seite ist, der über die Schulzeit hinausgeht. Beide Seiten, und damit auch der Prozess der Berufsorientierung, sind dabei von gesellschaftlichen Werten, Normen und Ansprüchen geprägt, die wiederum einem ständigen Wandel unterliegen. (in Anlehnung an  Famulla/Butz 2005: SWA-Glossar – Berufsorientierung. www.swa-programm.de/texte_material/glossar (Stand September 2005)  

Berufsorientierung als Bestandteil von Allgemeinbildung in der Schule ist besonders gefragt, den Auftrag der Herstellung der Beschäftigungsfähigkeit junger Leute zu erfüllen.

4.Qualitätsmerkmale von Berufsorientierung

Die hier aufgelisteten Qualitätsmerkmale sollen vor dem Hintergrund des in der Präambel beschriebenen Verständnisses von Berufsorientierung als Bestandteil von Allgemeinbildung die Qualität, die eine Schule ihren Schülern für ihre berufliche Orientierung bietet, beschreiben.  

Die besondere Herausforderung für die Berufsorientierung besteht darin, dass sie kein selbständiges Fach ist, sondern als Querschnittsaufgabe der gesamten Schule obliegt. Wobei nicht einmal die Frage darüber, ob ein Ankerfach - wie die ökonomische Bildung oder Arbeitslehre – nützlich und förderlich für die Berufsorientierung ist, einvernehmlich zu beantworten ist.

Die Qualitätsmerkmale der Berufsorientierung sollten Kompetenzen und Bildungsziele benennen, die Schüler in Klasse 9/10 bzw. 12 erreicht haben müssen. Sie beziehen sich auf die Schule und nicht auf die Schüler. Ein Qualitätsmerkmal besteht darin, dass sich die Schulen in Absprache mit anderen Akteuren selbst solche Ziele setzen, die über die ohnehin vorgeschriebenen schulfachbezogenen Bildungsstandards hinausgehen. Welche das sind, wird sich weder „objektiv“ ermitteln noch im Hinblick auf das Erreichen dieser Lernziele wissenschaftlich abgesichert überprüfen lassen.

5. Berufsorientierender Unterricht: Kompetenzen, Wissen und Persönlichkeitsentwicklung

Kern der Berufsorientierung ist, Schüler in einem umfassenden Sinne zur Arbeits,- Berufs- und Studienwahl zu befähigen. Sie soll aber darüber hinaus Lebenschancen eröffnen und erweitern, Verständnis und Einsicht, auch im Zusammenleben mit anderen fördern, Handlungsoptionen verdeutlichen sowie Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit steigern sowie Eigenverantwortung und Selbstständigkeit stärken.  

Berufsorientierender Unterricht umfasst daher alle zielgerichteten Aktivitäten, die dazu beitragen, die Fähigkeiten und Möglichkeiten der Jugendlichen zur Berufswahl, zur Bewältigung der Anforderungen der Arbeitswelt und zur Mitgestaltung derselben verbessern. Dazu gehören insbesondere  

5.1. Kenntnisse

Der Beitrag zu Bildung und Erziehung besteht in der Bildung von Orientierungswissen. Notwendig für eine gute Berufsorientierung ist die Kenntnis des relevanten Wirtschaftsraumes, der beruflichen Möglichkeiten, die Kenntnis des Arbeits- und Wirtschaftssystems und ihrer relevanten Institutionen und Multiplikatoren und die sichere Navigation im Dschungel der berufsorientierenden Angebote (Informationsverarbeitungsfähigkeit) von Infobroschüren über Internetangebote bis hin zu Projekten.  

5.2..Kompetenzen

Nach unserem umfassenden Verständnis besteht der Beitrag der Berufsorientierung zu Bildung und Erziehung in der Entwicklung personaler, fachlicher, methodischer, interkultureller und sozialer arbeits- und berufsweltrelevanter Kompetenzen, sowie in der Förderung ihrer Urteils-, Entscheidungs- und Handlungskompetenz. Auch die Einschätzung der eigenen Entwicklungs- und Leistungspotenziale ist eine unabdingbare Kompetenz für eine erfolgreiche Berufswahl. Dieser Aspekt der „Konzeptionellen Desillusionierung“ ist umso stärker, je niedriger der angestrebte Schulabschluss und je schwächer die regionale Wirtschaftsstruktur sind.[8]  

5.3. Persönlichkeit

Der Beitrag zu Bildung und Erziehung liegt außerdem in der Stärkung der Persönlichkeit Jugendlicher, soll sie gleichzeitig aber auch ermutigen, das Leben nach der Schule mit der heute notwendigen Offenheit, Zielstrebigkeit und Frustrations- und Ambiguitätstoleranz anzugehen.    

6. Der Auftrag an die Schulen

Die Berufsorientierung einer Schule muss also so gestaltet sein, dass Schüler  

  • Sich über die Arbeitswelt informieren
  • Sich in der Arbeitswelt orientieren
  • Medien finden, auswerten, interpretieren und selektieren
  • Inhalte strukturieren und aufbereiten
  • Sich präsentieren, bewerben und „vermarkten“
  • Berufe, wirtschaftliche Zusammenhänge und den relevanten Wirtschaftsraum kennen
  • die Struktur des weiterführenden Bildungswesens (Studienangebote, Abschlüsse, Akademien, Fachhochschulen, private und öffentliche Universitäten) kennen
  • Gelernte Arbeitstechniken auch bei der Berufswahl einsetzen
  • Die soziale Situation des Berufswahlprozesses bewältigen
  • Soziale Anforderungen von Unternehmen und Institutionen kennen
  • Verhalten in arbeitsbezogenen Konfliktsituationen üben und Lösungswege entwickeln
  • Eigeninitiative entwickeln
  • Weitgehend selbständig Gesprächspartner und Experten finden und für die Berufswahl ansprechen
  • Verschiedene Formen der Erwerbsarbeit (von Praktikum über Teilzeit bis zu staatlich geförderten Beschäftigungsformen sowie unternehmerische Selbständigkeit) als Möglichkeit der individuellen Existenzsicherung kennen und reflektieren lernen
  • strukturelle Gründe und persönliche Konsequenzen von Erwerbslosigkeit kennen und sich damit auseinandersetzen / umgehen
  • Interessensvertretungen kennen

Um von einer berufsorientierenden Schule sprechen zu können, setzt außerdem – also neben der Vermittlung von Kompetenzen und Kenntnissen im Unterricht - voraus ,

  • dass Berufsorientierung als didaktisches Grundprinzip im Schulleitbild und bei den Schulmitgliedern – insbesondere der Schulleitung – fest verankert ist,
  • sich diese Denkhaltung in einer Fächer- und Jahrgangsstufen übergreifenden Konzeption manifestiert und die Schule in ein kooperatives Netzwerk mit externen Partnern aus der Arbeits- und Berufswelt sowie weiterführenden Bildungseinrichtungen und anderen außerschulischen Akteuren eingebunden ist und
  • die Konzeption in einem lebendigen Dialog der Schule mit ihrer Umwelt und ihren Mitgliedern fortlaufend kritisch reflektiert und angepasst wird.

Die Schule hat konkret dafür zu sorgen, dass Schüler

  • die eigenen Interessen kennen
  • Feed-back über Stärken und Schwächen bekommen, reflektieren und im Prozess der Berufswahl berücksichtigen
  • Ansprechpartner in der Schule und darüber hinaus finden
  • schulintern beraten werden und Zugang zu externen Beratungsangeboten bekommen
  • Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln und bewerten
  • bei ihrer Berufsorientierung unterstützt und begleitet werden
  • Informationen und Erfahrungen zielgerichtet in Entscheidungen umsetzen können.

Darüber hinaus soll Schule

  • andere berufsbiographisch relevante Instanzen einbinden und informieren (Schüler, Eltern, Wirtschaft, Kommune und soweit möglich die berufsorientierende Jugendbildung)
  • organisatorisch sicherstellen, dass externe Angebote von Schülern wahr genommen werden können
  • berufsorientierende Elemente in den Unterricht integrieren
  • Berufsorientierung zum Bestandteil schulinterner Fortbildung machen
  • aus ihren spezifischen Bedingungen ein eigenes Berufsorientierungskonzept ableiten, dokumentieren, regelmäßig evaluieren/reflektieren und weiter entwickeln
  • und in ihrem Curriculum Berufsorientierung auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Theoriebildung (u. a. Berufswahltheorien) zurückgreifen
  • ihre Anstrengungen, Erfolge und erreichte Meilensteine nach innen und außen kommunizieren.

Gute Beispiele

7.1.: Aus dem SIEGEL berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule Ostwestfalen

Konrad Adenauer Hauptschule Langenberg: vorbildliches Konzept, das in jeder Jahrgangsstufe altersadäquate berufsorientierende Angebote macht. Geschlechterhomogene Gruppen. Elternpraktika. Gute Vor- und Nachbereitung der zwei Praktika, Sprechstunden zum Praktikum (sozial und betrieblich). Individuelle Beratung der Schüler. Gute Betriebsdatei. Laufende Selbstevaluation. Schülerfirma, Probierwerkstatt. Integration berufswahlrelevanter Lerninhalte in mehrere Fächer und jede Jahrgangstufe. Langfristig angelegte Projektwochen. Schulsozialarbeit. Branchenspezifisch betriebene Betriebserkundungen.

Konrad-Adenauer-Schule

Gemeinschaftshauptschule

Bentelerstrasse 104

33449 Langenberg

 Tel.: 0 52 48 / 76 75

Fax: 0 52 48 / 16 79

 E-Mail: 147242@schule.nrw.de

 

Rolf-Dircksen Hauptschule, Enger: Die selbständige Schule bietet sowohl Schüler- wie Lehrerpraktika, kooperiert eng mit den Alligator Farbenwerken Enger. Elemente: Berufsinformationstag,

Rolf-Dircksen-Schule

Ringstr. 75

32130 Enger

Tel.: 0 52 24 / 20 48

Fax: 0 52 24 / 71 75

E-Mail: rolf-dircksenschule-enger@t-online.de

7.2 Aus dem SIEGEL berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule Hamburg

Gymnasium Finkenwerder. Das Konzept in Finkenwerder setzt auf eine Verbindung von Information, Beratung und eigenständige Erkundung der Schüler. Bausteine sind das Betriebspraktikum in 10, ein Sozialpraktikum, das zweistündig in der Schule vertieft wird, themenzentrierter Unterricht mit einem wirtschaftsmathematischen Projekt in der 11, sowie ein Unternehmensplanspiel und ein weiteres Berufsfindungspraktikum in Klasse 12.. Nähere Infos über

Adolf Stolze

Gymnasium Finkenwerder

Norderschulweg 18

21129 Hamburg

Telefon: 74 21 50-0´

E-Mail: a.stolze@gymfi.de