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29. Juli 2010

Vorwort

Oder: was aus einer guten Projektidee werden kann.
Von Clemens Wieland

Das Projekt „Siegel berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule“ wurde im Jahr 2000 sehr spontan auf einer Sitzung der Initiative für Beschäftigung, Regionalnetzwerk Ostwestfalen-Lippe geboren, als Projektideen zum Thema Übergang Schule-Beruf gesucht wurden, das als zentrales Element für die Bewältigung der Jugendarbeitslosigkeit angesehen wurde. Die Umsetzung des Gedankens, alle Elemente des Berufs- und Studienwahlunterrichts in der Schule kriteriengestützt zu evaluieren und die besten Schulen zu prämieren, gelang schnell und binnen eines Jahres waren die ersten Schulen zertifiziert.  

Zugrunde lag der ursprünglichen Idee ein am EFQM Modell orientierter Qualitätsbegriff und ein entsprechender Prozess der Qualitätsmessung, zu dem auch ein „Audit“ in der Schule gehörte. Zunächst wurden also Kriterien gefunden (die später vor allem in ihrer Anzahl verringert wurden) und in Gruppen wie „Lernortwechsel“, „Praktikum“, „Kommunikation“ gebündelt. Eine Jury wurde zusammengestellt und die Schulen wurden aufgerufen, sich zu bewerben, was sie in überraschend großer Zahl – allerdings in sehr unterschiedlicher Qualität – quer durch alle Schulformen taten. Nächster Schritt war ein vor Ort Audit durch Vertreter der Jury (immer mindestens zwei, jeder Besuch begleitet von der Projektmanagerin, die in der Jury kein Stimmrecht hatte), das je ein Gespräch mit einer Schülerklasse und mit einer Lehrergruppe vorsah. Zum Schluss wurden auf einem Festakt die metallenen Güte-Siegel verteilt, die heute Ostwestfalens Schulen zieren. Ein Siegel gilt zwei Jahre.  

In OWL wurde der Zertifizierungsvorgang in den Jahren 2000 bis 2002 dreimal angeboten. Beteiligt hat sich die Hälfte aller weiterführenden Schulen, kumuliert 64 von 131 Schulen aus allen Schulformen. Erfolgreich waren 34, also ein Viertel. Die Jury – bestehend aus Lehrern, Schülern, Kammern, Schulberatung, Arbeitsamt, Bertelsmann Stiftung und Unternehmensvertretern ist nahezu konstant besetzt geblieben. In der Region war eine Diskussion angestoßen worden, die weitere Schulen zum Mitmachen bewogen hat. Die Kriterien und der Audit-Prozess wurden stückweise verbessert, der letzte noch ausstehende Schritt, der 2005 gegangen werden soll, ist die konsequente Digitalisierung des Verfahrens. Sehr bald fanden sich weitere interessierte Städte und Regionen, die das Modell übernehmen wollten und die Zahl der Interessenten steigt noch. In Düsseldorf haben drei Runden mit knapp 50 Bewerbungen statt gefunden, die Erfolgsquote lag bei 30 %.  

In OWL wurde das Projekt in eine neue Trägerschaft unter Leitung der Weidmüller Stiftung überführt, die die Einbindung des Projektansatzes in andere, bestehende Initiativen zum Ziel hat. In der Region hat sich gezeigt, dass zertifizierte Schulen mit dem Siegel werben, dass sie die Re-Zertifizierung wünschen und dass das Siegel das schulische Äußere ziert. Auch aus anderen beteiligten Regionen ist bekannt geworden, dass beispielsweise die dortige Handwerkskammer Bewerber aus be-„siegelten“ Schulen bevorzugt im Bewerbungsverfahren berücksichtigt.  

Die Bertelsmann Stiftung verfolgte dann ab Mitte 2004 das Ziel, mit den interessierten Regionen – es nehmen sogar ganze Länder (wie Thüringen), aber auch einzelne Städte oder Städteverbünde (wie die Region Düsseldorf oder die Stadt Hamburg) teil – ein Netzwerk zu bilden, das das Siegelprojekt als Modell für eine kriteriengestützte Qualitätsentwicklung in Schulen weiter verbreitet und das auch Standards setzt, die für ein Funktionieren des Projektes wesentlich sind. Das „Netzwerk Berufswahl-SIEGEL“ war geboren. Die Entwicklung von „Standards„ gilt in doppeltem Wortsinn: es sollen Projektstandards ebenso entwickelt werden wie „Bildungsstandards für die Berufsorientierung“. Die seit Anfang des Jahres 2005 laufende zweijährige Projektphase soll das Projekt endgültig von seinen „Erschaffern“ unabhängig machen. In Ostwestfalen beispielsweise konnte dies durch das Engagement der Kammern sowie der Weidmüller Stiftung erreicht werden, die das Siegelprojekt in ihr Projektportfolio, das sich auf Jugendliche und Berufswahl konzentriert, aufgenommen hat.  

Die interessierten Partner bekommen mit diesem Handbuch ein Roll-Out-Paket von der Bertelsmann Stiftung. Die Handreichung soll interessierten Regionen die selbständige Durchführung ermöglichen, die auf regionale Bedingungen hin adaptiert werden muss. Sie soll andererseits aber auch den Kern des Projektes schützen mit dem Ziel die grundlegende Idee nicht zu verwässern. Das Handbuch weist auf mögliche Umsetzungsschwierigkeiten hin und soll ein für alle Beteiligten pragmatischer Leitfaden sein. Es ist so konzipiert, dass die einzelnen Kapitel für die jeweiligen Interessenten ausgekoppelt und beispielsweise zu Hinweis- oder Info-Flyern vervielfältigt werden können.