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Talente stärken – Netzwerktag Berufswahl-SIEGEL 2026

Am 18. September 2026 wurde das Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin erneut zum Treffpunkt für die Berufswahl-SIEGEL-Familie aus ganz Deutschland. Zum 12. Bundesweiten Netzwerktag kamen rund 280 Vertreterinnen und Vertreter von SIEGEL-Schulen, Trägerregionen und Kooperationspartnern zusammen, um sich auszutauschen und neue Impulse für die Berufliche Orientierung mitzunehmen. Darunter waren auch rund 50 Schülerinnen und Schüler. Aus allen Bundesländern wurden zudem Botschafter-Schulen für das Berufswahl-SIEGEL ausgezeichnet.  

Durch den Tag führten die Moderatorinnen Carolin Striewisch von der Medical School Hamburg und Funda Erler, SCHULEWIRTSCHAFT Hamburg,  mit großer Kompetenz und viel Humor. Mit viel Gespür für die Themen begleiteten sie die Teilnehmenden durch ein abwechslungsreiches Programm.

Wie erkennen und fördern wir Talente?

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Talente junger Menschen besser erkannt, gefördert und für ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg genutzt werden können. Schon in der Podiumsrunde zu Beginn wurde deutlich: Es geht um mehr als Leistungen und Ergebnisse, sondern um das frühe Entdecken von Potenzialen – ähnlich wie im Spitzensport. Potenziale liegen oft sogar dort, wo herkömmliche Leistungsbewertungen an ihre Grenzen stoßen.

Entwicklungschancen zu erkennen und junge Menschen individuell zu fördern, war eine der zentralen Botschaften der Gesprächsrunde. Renate Kiszkiel aus dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW führte Erfahrungen aus dem Sport-Programm „Talent-Scouts“ an. Dabei sind nicht nur körperliche Spitzenleistungen gefragt, sondern ebenso Fähigkeiten wie Teamplay. Jochen Nossek, Leiter der Tausschule in Backnang bei Stuttgart, hat mit seinem Kollegium das ganze Schulleben umgestellt auf Talentförderung. Dabei sind auch die besonderen Begabungen der Lehrkräfte gefragt: Sie können mit ihrem Talent jenseits des klassischen Unterrichts ein Lernangebot gestalten. Auch diese Talente gilt es zu entdecken!

Perspektivforen mit viel Praxis

In den weiteren Workshop- und Arbeitsphasen standen wichtige Fragen der Beruflichen Orientierung im Fokus: Wann übersehen wir Talente im Schulalltag? Welche Jugendlichen werden mit bestehenden Angeboten noch nicht ausreichend erreicht? Und wie können Übergänge von der Schule in Ausbildung, Studium oder Beruf gerechter gestaltet werden?

Die Diskussionen in den Perspektivforen waren geprägt von Offenheit, Praxisnähe und dem gemeinsamen Ziel, mehr jungen Menschen erfolgreiche Wege in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Jutta Schneider, Helliwood media & education, Schulleiter Jochen Nossek sowie Claudia Fuchs und Jenny Nikoubashman, Kommunale Koordinierungsstelle Kreis Gütersloh, leiteten die Austauschrunden.

Auch die Schülerinnen und Schüler erkundeten in kreativen Formaten ihre Talente und stellten anschließend im Plenum ihre Produkte vor, unterstützt von den „Jungen Tüftlern“ – gebaute Brücken, Türme u.a. schmückten schließlich die Bühne.

Auszeichnung der Berufswahl-SIEGEL-Botschafterschulen

Höhepunkt des Tages war wie immer die Auszeichnung der Botschafterschulen für das Berufswahl-SIEGEL. Gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern wurden Lehrkräfte geehrt, die sich in besonderer Weise für eine hochwertige Berufliche Orientierung einsetzen und jungen Menschen dabei helfen, ihren individuellen Berufsweg zu finden.

Daniel Terzenbach, Bundesagentur für Arbeit, Schirmherr des Berufswahl-SIEGELs, wies anschaulich darauf hin, wie sich die Perspektiven in den letzten Jahren geändert haben: Hatten Jugendliche bis 2020 noch eine verheißungsvolle Zukunft mit einer großen Vielfalt an Optionen vor sich, sehen sich junge Menschen nun einer anhaltenden Krisensituation mit neuen Kriegen und Katastrophen gegenüber. Terzenbach warb für mehr Verständnis zwischen den Generationen: Junge Menschen stünden heute vor Herausforderungen, die sie nicht selbst geschaffen hätten. Gleichzeitig verdienten auch die Erfahrungen und Leistungen älterer Generationen Anerkennung. Fortschritt entstehe nicht durch gegenseitige Vorwürfe, sondern durch Austausch, Respekt und Dialog.

In seinem Video-Grußwort bestätigte Arbeitgeberpräsident und Schirmherr Rainer Dulger, dass junge Menschen in den Unternehmen gebraucht werden. Talente sei ein starkes Thema. Staatsministerin Anna Stolz strich als Präsidentin der Kultusministerkonferenz die Bedeutung des Themas für die SIEGEL-Schulen heraus.

Zum Abschluss wurde der Blick nach vorn gerichtet. Unter der Leitfrage „Wenn wir Talent ernst nehmen – was lassen wir hinter uns?“ brachten die Teilnehmenden ein, was man nicht weiter verfolgen sollte. Dazu zählten Diskriminierung, Vorurteile, Ärger u.a.m.

Fazit: Der 12. Bundesweite Netzwerktag hat einmal mehr gezeigt, welche Stärke im Netzwerk Berufswahl-SIEGEL steckt: das gemeinsame Engagement für junge Menschen, ihre Talente und ihre Zukunft. Die vielen Gespräche, Begegnungen und Impulse haben deutlich gemacht, dass gelingende Berufliche Orientierung dort beginnt, wo Potenziale entdeckt, gefördert und ernst genommen werden. Mit diesem Auftrag und zahlreichen neuen Anregungen gingen die Teilnehmenden am Ende eines inspirierenden Tages auseinander.

Großes Lob an Yvonne Kohlmann und ihr Organisationsteam!

Und vielen Dank an die Sponsoren: BDA, BA, Microsoft, Infineon, Siemens, JP MorganChase.

Logo BDA | Die Arbeitgeber 2026
Logo JPMorganChase

Die schönsten Momente des Tages haben wir natürlich auch fotografisch festgehalten. Die Bilder unseres Netzwerktags stellen wir Ihnen und Euch gerne hier zur Verfügung. Bitte geben Sie bei Verwendung der Bilder als Copyright @Christian Kruppa an.

Future Skills Box erhält D-BOP-Preis 2023

Am 31. Oktober prämierte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger zehn hervorragende digitale Berufsorientierungsangebote (Digitales-Berufsorientierungsprogramm = D-BOP).

  • Gut: Neben der Expertenjury war auch ein Beirat mit sechs Jugendlichen aus Klasse 7 und 8 an der Auswahl aus 100 Wettbewerbsbeiträgen beteiligt.
  • Und noch besser: Zu den Gewinnern gehören zwei Projekte, an denen auch SCHULEWIRTSCHAFT und das Netzwerk Berufswahl-SIEGEL beteiligt sind: die Future Skills Box und das Sprungbrett – Virtual Work Experience!

Unter Moderation von Sherif Rizkallah (logo) tauschten sich die Ministerin, Elke Hannack (DGB), Prof. Dr. Katja Driesel-Lange (Universität Münster) und Dr. Achim Dercks (DIHK) aus zu den Themen „Individuelle Potenziale heben“, „Fachkräftemangel beheben“ und „Transformation gestalten“. Thematisch passend lockerten die Preisverleihungen in den drei Kategorien „Erkunden von Fähigkeiten, Stärken und Interessen“, „Erleben von Berufsfeldern und Berufen“ und „Arbeitswelt 4.0“ den Austausch immer wieder auf.

Einig war man sich, dass man die duale Ausbildung stärken und „sexy“ machen müsse – z.B. mit digitalen Tools in allen Schulformen. Die Vielfalt der Berufe müsse bekannter werden, auch bei Eltern, Lehrkräften und insgesamt in der Gesellschaft. Bei der Berufswahl sei es wie in einem Restaurant, in dem das Menü 100 Seiten hat, zitierte Rizkallah treffend.

Professorin Katja Driesel-Lange von der Universität Münster betonte, dass gute Berufsorientierung mehr leisten müsse, als lediglich kognitiv die Entscheidung für einen Beruf zu begleiten. Sie müsse auch Emotionen ansprechen und Jugendliche abholen, um erfolgreich zu sein.

Eine Schülerin hat es zum digitalen Angebot an Schule auf den Punkt gebracht: „Es gibt viel mit Technik an der Schule, aber nicht gut viel.“

Die gestern ausgezeichneten Projekte greifen dagegen die diskutierten Anforderungen mit Qualität auf.

Preisträger 2023:

Thema „Individuelle Potenziale heben“
Kategorie 1 „Erkunden von Fähigkeiten, Stärken und Interessen“

Thema „Fachkräftemangel beheben“
Kategorie2: „Erleben von Berufsfeldern und Berufen“

Thema „Arbeitswelt 4.0“
Kategorie 3 „Arbeitswelt 4.0“

Zum Schluss gab es noch einen Sonderpreis für die besondere Umsetzung des Aspekts der Gamification für die Digitale Akademie der Phase Be Bildung. Schade allerdings, dass die Berufsberatung der Arbeitsagenturen so gar nicht erwähnt wurde.

@SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland
@SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland

Digital Insights: Schülerinnen und Schüler zu Gast bei SAP

Am 25. Juni 2025 war es so weit: 35 Schülerinnen und Schüler aus vier Bundesländern reisten zum Präsenztag bei SAP in Walldorf an – nicht nur aus Baden-Württemberg, sondern auch aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Besonders weite Wege nahmen die Neunt- und Zehntklässler aus Kassel, Landshut und Bad Kreuznach auf sich.

Trotz der Entfernung ließen sich die Jugendlichen nicht davon abhalten, Einblicke in eines der weltweit führenden Softwareunternehmen zu gewinnen. Bei über 30 Grad Außentemperatur war der angenehm klimatisierte Raum im Internationalen SAP-Schulungszentrum ein willkommener Startpunkt.

Der Präsenztag bei SAP ist Teil des Programms Digital Insights, das vom den Schulnetzwerken MINT-EC, SCHULEWIRTSCHAFT und Berufswahl-Siegel gemeinsam mit Microsoft, SAP, Siemens, Allianz, BMW und Infineon organisiert wird. Den Tag am 25. Juni 2025 hatten Sophia und Pamela von SAP umsichtig vorbereitet.

Junge SAP-Mitarbeitende berichten aus erster Hand

Die Präsentationen wurden von jungen SAP-Mitarbeitenden gehalten, die selbst erst vor wenigen Jahren ins Unternehmen eingestiegen sind. So berichtete Elena, die seit 2023 bei SAP ist, wie sie über ein Trainingsprogramm ins Unternehmen kam und heute im Bereich Künstliche Intelligenz arbeitet. Sie erklärte anschaulich, was ein Softwarekonzern wie SAP anbietet und welche Rolle KI dabei spielt.

Einstiegsmöglichkeiten und persönliche Erfolgsgeschichten

Besonders spannend für die Jugendlichen war die Frage, wie sie selbst bei SAP – oder einem ähnlichen Großunternehmen – einsteigen könnten. Raphael und Robin, beide dual Studierende der Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Software Engineering, zeigten konkrete Wege auf.

Das Highlight: Raphael selbst war vor zwei Jahren als Schüler aus Bonn beim Präsenztag von Digital Insights dabei – und bewarb sich direkt am nächsten Tag erfolgreich für einen Studienplatz. Heute ist er sehr zufrieden mit seinem dualen Studium und begeisterte die Teilnehmenden mit den Vorteilen dieser Ausbildungsform, insbesondere dem hohen Praxisanteil und der Teamarbeit.

Campus-Rallye und Workshops

Nach dem Mittagessen ging es weiter mit einer Rallye über den SAP-Campus. Am Nachmittag gab es für die Jugendlichen praktische Workshops zum Programmieren mit Snap für Anfänger/innen wie Fortgeschrittene.

Einige Jugendliche nutzten auch die Gelegenheit zu Einzelgesprächen mit den SAP-lern „zwischen Tür und Angel“, bei denen sie offen und ehrlich Antworten auf ihre Fragen bekamen. Mit einem Schüler wurde sogar ein spontanes Bewerbungsgespräch geführt.

Fazit: Ein gelungener Tag mit vielen Eindrücken

Der Präsenztag bot den 35 Schülerinnen und Schülern einen intensiven Einblick in die Welt eines globalen Softwareunternehmens. Rund 15 SAP-Mitarbeitende waren im Einsatz – ein großer Aufwand, der nicht in jedem Unternehmen möglich ist.

Doch auch wer nicht vor Ort sein kann, profitiert vom Programm: Digital Insights bietet zahlreiche digitale Veranstaltungen, die von zuhause aus besucht werden können – inklusive echter Einblicke und persönlicher Gespräche mit jungen Beschäftigten aus allen beteiligten Unternehmen.

Bildungsmonitor 2025: Berufsorientierung hat Potenzial

Die Berufsorientierung in Deutschland ist vielfältig und stark ausgebaut, insbesondere auf Landesebene. Trotz dieser Breite zeigt sich, dass eine stärkere empirische Fundierung notwendig ist, um Jugendliche gezielter und wirksamer auf ihren Übergang von der Schule in die Berufswelt vorzubereiten. So beobachtet der „Bildungsmonitor 2025“ des Institut der deutschen Wirtschaft Köln die Lage im Blick auf die Länder.

Die zentralen Ergebnisse:

Status Quo der Berufsorientierung

  • Deutschland verfügt über ein umfangreiches System zur Berufsorientierung mit vielen Angeboten wie Praktika, Berufsfelderkundungen und Beratung.
  • Die KMK dokumentiert diese Maßnahmen detailliert, jedoch ist die Vielfalt schwer überschaubar.

Potenzial durch Datenerhebung

  • Eine bessere Datengrundlage (z. B. durch Schüler-ID) kann helfen, individuelle Bildungsprofile zu erstellen.
  • Dies ermöglicht passgenaue Beratung und frühzeitige Förderung fehlender Kompetenzen.

Gegen stereotype Selbstbilder

  • Mädchen unterschätzen ihre Fähigkeiten in MINT-Fächern häufiger.
  • Empirische Daten können helfen, solche Verzerrungen zu erkennen und zu korrigieren.

Internationaler Vergleich (PISA 2022)

  • Deutschland schneidet bei der festen Verankerung der Berufsberatung im Unterricht besser ab als Kanada und Schweden, aber schlechter als Dänemark und UK.
  • Berufsberatung erfolgt meist durch Fachlehrkräfte, die Berufsberatung ergänzt.

Orientierung der Schülerinnen und Schüler

  • Viele Jugendliche fühlen sich zu wenig vorbereitet auf das Berufsleben.
  • Internetrecherche ist verbreiteter als persönliche Beratung.
  • Fehlorientierung ist nicht selten, besonders bei Jugendlichen mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund.

Empfehlungen des Bildungsmonitor 2025

  • Frühzeitige Risikoerkennung und systematischer Datenaustausch mit der Bundesagentur für Arbeit.
  • Nutzung der Schüler-ID zur Verfolgung von Bildungswegen und zur Entwicklung besserer Konzepte.
Diagramm iW
Jugendliche bei Gartenarbeit ©Foto: IStock
Foto: iStock

Die Studie zeigt deutlich: Berufsorientierung ist ein zentraler Bestandteil der Bildungsbiografie, wird aber noch nicht ausreichend datenbasiert und individuell gestaltet. Eine stärkere empirische Fundierung kann helfen, Fehlorientierungen zu vermeiden, Potenziale besser zu nutzen und Chancengleichheit zu fördern.

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