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Berufliche Orientierung der Zukunft – Was junge Menschen jetzt brauchen

Die berufliche Orientierung befindet sich im Wandel – und mit ihr die Anforderungen an Schulen, Lehrkräfte, Eltern und alle, die junge Menschen auf ihrem Weg begleiten. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Transformation der Arbeitswelt und ein wachsendes Bedürfnis nach Sinn und Selbstbestimmung verändern, wie Jugendliche heute über ihre Zukunft nachdenken. Doch bei aller Dynamik bleibt eines gleich: Berufliche Orientierung ist ein persönlicher, oft intimer Prozess.

Wer spricht schon gern über Stärken und Schwächen, über Träume, Unsicherheiten oder Schulnoten? Umso wichtiger ist eine Atmosphäre, in der junge Menschen Vertrauen fassen können. Erst wenn sie sich sicher und wertgeschätzt fühlen, sind sie bereit, offen und kreativ über ihren Lebensweg zu sprechen. Diese Grundhaltung bildet den Rahmen für jede gute berufliche Orientierung – heute und in Zukunft.

Im Folgenden fünf zentrale Impulse, wie eine zeitgemäße und zukunftsfähige Berufsorientierung gelingen kann:

1. Digitale Kompetenzen frühzeitig fördern

Die Digitalisierung verändert nicht nur Berufe – sie ist längst selbst ein Berufsfeld. Jugendliche sind in der Regel offen und neugierig gegenüber allem Digitalen. Statt die Smartphone-Affinität kritisch zu problematisieren, können Schulen diese Neigung produktiv nutzen:

  • Grundlagen in IT und Medienkompetenz vermitteln
  • kreative Projekte mit digitalen Tools fördern
  • erste Einblicke in Programmiersprachen ermöglichen

So werden digitale Endgeräte nicht nur konsumiert, sondern aktiv gestaltet. Wer im jungen Alter erlebt, dass Technologie ein Werkzeug und keine Hürde ist, geht selbstbewusster in eine digital geprägte Arbeitswelt.

2. Zukunftsbranchen sichtbar machen

Viele Berufsbilder befinden sich aktuell im Wandel, neue entstehen – andere verschwinden. Gerade deshalb ist Orientierung wichtig. Zukunftssektoren wie:

  • erneuerbare Energien und Green Jobs
  • Technologie, KI und Cybersecurity
  • Gesundheit, Pflege und Bildungsberufe
  • Biotechnologie und nachhaltige Produktion

bieten enorme Chancen. Gleichzeitig bleibt auch das klassische Handwerk ein Bereich mit hoher Nachfrage und guten Perspektiven.

Hier können Berufsberaterinnen und Berufsberater der Arbeitsagenturen wichtige Expertise einbringen. Ebenso lässt sich Künstliche Intelligenz bereits heute sehr gezielt als Rechercheinstrument nutzen, um Jugendlichen aktuelle Einblicke in Berufstrends zu ermöglichen.

3. Soft Skills als Schlüsselkompetenzen stärken

Während Fachwissen schneller veraltet, bleiben Soft Skills beständig wertvoll. Kommunikation, Teamfähigkeit, Problemlösungskompetenz und Kreativität entscheiden immer häufiger über beruflichen Erfolg.

Jugendliche verfügen über weit mehr dieser Fähigkeiten, als ihnen bewusst ist. Projekte, Präsentationen oder praktische Übungen helfen dabei, diese Kompetenzen sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln. Eine moderne Berufsorientierung sollte daher nicht nur fachliche Leistungen betrachten, sondern auch persönliche Stärken anerkennen und fördern.

4. Praxiserfahrungen ermöglichen und begleiten

Nichts ersetzt echte Erfahrungen. Praktika, Ferienjobs, kurze Werkstatt-Tage oder Projektarbeiten bieten Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Interessen zu konkretisieren und erste berufliche Netzwerke aufzubauen. Sie lernen Arbeitsrealitäten kennen, können ausprobieren und besser entscheiden, was zu ihnen passt – und was nicht.

Begleitung ist dabei wichtig: Lehrkräfte und Beratende sollten bei der Suche nach passenden Angeboten unterstützen und die Erfahrungen der Jugendlichen reflektieren.

5. Flexibilität und lebenslanges Lernen positiv besetzen

Berufliche Orientierung endet nicht mit dem Schulabschluss. Die Arbeitswelt verändert sich rasant – und wer bereit ist, Neues zu lernen, bleibt anpassungsfähig und zukunftsfähig.

Viele Jugendliche fürchten jedoch nicht die Veränderung, sondern die Vorstellung, ein Leben lang „festgelegt“ zu sein. Hier braucht es eine neue Erzählweise: Lebenslanges Lernen ist keine Bedrohung, sondern eine Chance. Es eröffnet Gestaltungsspielräume, ermöglicht berufliche Entwicklung und schafft Sicherheit in einer Welt, die ständig im Wandel ist.

Fazit: Orientierung braucht Raum, Vertrauen – und Zukunftsblick

Berufliche Orientierung der Zukunft bedeutet nicht, Jugendliche möglichst früh auf einen Weg festzulegen. Sie bedeutet, ihnen den Raum zu geben, sich auszuprobieren, ihre Stärken zu erkennen und mutig eigene Entscheidungen zu treffen.

Mit digitaler Kompetenz, Kenntnis über Zukunftsbranchen, gestärkten Soft Skills, echten Praxiserfahrungen und einem positiven Verständnis von lebenslangem Lernen sind junge Menschen gut gerüstet für eine Arbeitswelt, die sich ständig weiterentwickelt.

Text: André Kamphaus

Future Skills Box erhält D-BOP-Preis 2023

Am 31. Oktober prämierte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger zehn hervorragende digitale Berufsorientierungsangebote (Digitales-Berufsorientierungsprogramm = D-BOP).

  • Gut: Neben der Expertenjury war auch ein Beirat mit sechs Jugendlichen aus Klasse 7 und 8 an der Auswahl aus 100 Wettbewerbsbeiträgen beteiligt.
  • Und noch besser: Zu den Gewinnern gehören zwei Projekte, an denen auch SCHULEWIRTSCHAFT und das Netzwerk Berufswahl-SIEGEL beteiligt sind: die Future Skills Box und das Sprungbrett – Virtual Work Experience!

Unter Moderation von Sherif Rizkallah (logo) tauschten sich die Ministerin, Elke Hannack (DGB), Prof. Dr. Katja Driesel-Lange (Universität Münster) und Dr. Achim Dercks (DIHK) aus zu den Themen „Individuelle Potenziale heben“, „Fachkräftemangel beheben“ und „Transformation gestalten“. Thematisch passend lockerten die Preisverleihungen in den drei Kategorien „Erkunden von Fähigkeiten, Stärken und Interessen“, „Erleben von Berufsfeldern und Berufen“ und „Arbeitswelt 4.0“ den Austausch immer wieder auf.

Einig war man sich, dass man die duale Ausbildung stärken und „sexy“ machen müsse – z.B. mit digitalen Tools in allen Schulformen. Die Vielfalt der Berufe müsse bekannter werden, auch bei Eltern, Lehrkräften und insgesamt in der Gesellschaft. Bei der Berufswahl sei es wie in einem Restaurant, in dem das Menü 100 Seiten hat, zitierte Rizkallah treffend.

Professorin Katja Driesel-Lange von der Universität Münster betonte, dass gute Berufsorientierung mehr leisten müsse, als lediglich kognitiv die Entscheidung für einen Beruf zu begleiten. Sie müsse auch Emotionen ansprechen und Jugendliche abholen, um erfolgreich zu sein.

Eine Schülerin hat es zum digitalen Angebot an Schule auf den Punkt gebracht: „Es gibt viel mit Technik an der Schule, aber nicht gut viel.“

Die gestern ausgezeichneten Projekte greifen dagegen die diskutierten Anforderungen mit Qualität auf.

Preisträger 2023:

Thema „Individuelle Potenziale heben“
Kategorie 1 „Erkunden von Fähigkeiten, Stärken und Interessen“

Thema „Fachkräftemangel beheben“
Kategorie2: „Erleben von Berufsfeldern und Berufen“

Thema „Arbeitswelt 4.0“
Kategorie 3 „Arbeitswelt 4.0“

Zum Schluss gab es noch einen Sonderpreis für die besondere Umsetzung des Aspekts der Gamification für die Digitale Akademie der Phase Be Bildung. Schade allerdings, dass die Berufsberatung der Arbeitsagenturen so gar nicht erwähnt wurde.

@SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland
@SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland

Digital Insights: Schülerinnen und Schüler zu Gast bei SAP

Am 25. Juni 2025 war es so weit: 35 Schülerinnen und Schüler aus vier Bundesländern reisten zum Präsenztag bei SAP in Walldorf an – nicht nur aus Baden-Württemberg, sondern auch aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Besonders weite Wege nahmen die Neunt- und Zehntklässler aus Kassel, Landshut und Bad Kreuznach auf sich.

Trotz der Entfernung ließen sich die Jugendlichen nicht davon abhalten, Einblicke in eines der weltweit führenden Softwareunternehmen zu gewinnen. Bei über 30 Grad Außentemperatur war der angenehm klimatisierte Raum im Internationalen SAP-Schulungszentrum ein willkommener Startpunkt.

Der Präsenztag bei SAP ist Teil des Programms Digital Insights, das vom den Schulnetzwerken MINT-EC, SCHULEWIRTSCHAFT und Berufswahl-Siegel gemeinsam mit Microsoft, SAP, Siemens, Allianz, BMW und Infineon organisiert wird. Den Tag am 25. Juni 2025 hatten Sophia und Pamela von SAP umsichtig vorbereitet.

Junge SAP-Mitarbeitende berichten aus erster Hand

Die Präsentationen wurden von jungen SAP-Mitarbeitenden gehalten, die selbst erst vor wenigen Jahren ins Unternehmen eingestiegen sind. So berichtete Elena, die seit 2023 bei SAP ist, wie sie über ein Trainingsprogramm ins Unternehmen kam und heute im Bereich Künstliche Intelligenz arbeitet. Sie erklärte anschaulich, was ein Softwarekonzern wie SAP anbietet und welche Rolle KI dabei spielt.

Einstiegsmöglichkeiten und persönliche Erfolgsgeschichten

Besonders spannend für die Jugendlichen war die Frage, wie sie selbst bei SAP – oder einem ähnlichen Großunternehmen – einsteigen könnten. Raphael und Robin, beide dual Studierende der Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Software Engineering, zeigten konkrete Wege auf.

Das Highlight: Raphael selbst war vor zwei Jahren als Schüler aus Bonn beim Präsenztag von Digital Insights dabei – und bewarb sich direkt am nächsten Tag erfolgreich für einen Studienplatz. Heute ist er sehr zufrieden mit seinem dualen Studium und begeisterte die Teilnehmenden mit den Vorteilen dieser Ausbildungsform, insbesondere dem hohen Praxisanteil und der Teamarbeit.

Campus-Rallye und Workshops

Nach dem Mittagessen ging es weiter mit einer Rallye über den SAP-Campus. Am Nachmittag gab es für die Jugendlichen praktische Workshops zum Programmieren mit Snap für Anfänger/innen wie Fortgeschrittene.

Einige Jugendliche nutzten auch die Gelegenheit zu Einzelgesprächen mit den SAP-lern „zwischen Tür und Angel“, bei denen sie offen und ehrlich Antworten auf ihre Fragen bekamen. Mit einem Schüler wurde sogar ein spontanes Bewerbungsgespräch geführt.

Fazit: Ein gelungener Tag mit vielen Eindrücken

Der Präsenztag bot den 35 Schülerinnen und Schülern einen intensiven Einblick in die Welt eines globalen Softwareunternehmens. Rund 15 SAP-Mitarbeitende waren im Einsatz – ein großer Aufwand, der nicht in jedem Unternehmen möglich ist.

Doch auch wer nicht vor Ort sein kann, profitiert vom Programm: Digital Insights bietet zahlreiche digitale Veranstaltungen, die von zuhause aus besucht werden können – inklusive echter Einblicke und persönlicher Gespräche mit jungen Beschäftigten aus allen beteiligten Unternehmen.

Bildungsmonitor 2025: Berufsorientierung hat Potenzial

Die Berufsorientierung in Deutschland ist vielfältig und stark ausgebaut, insbesondere auf Landesebene. Trotz dieser Breite zeigt sich, dass eine stärkere empirische Fundierung notwendig ist, um Jugendliche gezielter und wirksamer auf ihren Übergang von der Schule in die Berufswelt vorzubereiten. So beobachtet der „Bildungsmonitor 2025“ des Institut der deutschen Wirtschaft Köln die Lage im Blick auf die Länder.

Die zentralen Ergebnisse:

Status Quo der Berufsorientierung

  • Deutschland verfügt über ein umfangreiches System zur Berufsorientierung mit vielen Angeboten wie Praktika, Berufsfelderkundungen und Beratung.
  • Die KMK dokumentiert diese Maßnahmen detailliert, jedoch ist die Vielfalt schwer überschaubar.

Potenzial durch Datenerhebung

  • Eine bessere Datengrundlage (z. B. durch Schüler-ID) kann helfen, individuelle Bildungsprofile zu erstellen.
  • Dies ermöglicht passgenaue Beratung und frühzeitige Förderung fehlender Kompetenzen.

Gegen stereotype Selbstbilder

  • Mädchen unterschätzen ihre Fähigkeiten in MINT-Fächern häufiger.
  • Empirische Daten können helfen, solche Verzerrungen zu erkennen und zu korrigieren.

Internationaler Vergleich (PISA 2022)

  • Deutschland schneidet bei der festen Verankerung der Berufsberatung im Unterricht besser ab als Kanada und Schweden, aber schlechter als Dänemark und UK.
  • Berufsberatung erfolgt meist durch Fachlehrkräfte, die Berufsberatung ergänzt.

Orientierung der Schülerinnen und Schüler

  • Viele Jugendliche fühlen sich zu wenig vorbereitet auf das Berufsleben.
  • Internetrecherche ist verbreiteter als persönliche Beratung.
  • Fehlorientierung ist nicht selten, besonders bei Jugendlichen mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund.

Empfehlungen des Bildungsmonitor 2025

  • Frühzeitige Risikoerkennung und systematischer Datenaustausch mit der Bundesagentur für Arbeit.
  • Nutzung der Schüler-ID zur Verfolgung von Bildungswegen und zur Entwicklung besserer Konzepte.
Diagramm iW
Jugendliche bei Gartenarbeit ©Foto: IStock
Foto: iStock

Die Studie zeigt deutlich: Berufsorientierung ist ein zentraler Bestandteil der Bildungsbiografie, wird aber noch nicht ausreichend datenbasiert und individuell gestaltet. Eine stärkere empirische Fundierung kann helfen, Fehlorientierungen zu vermeiden, Potenziale besser zu nutzen und Chancengleichheit zu fördern.

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