„Uns geht’s gut!?“ – Psychische Gesundheit trifft Berufsorientierung
Die Bundesschülerkonferenz (BSK) hat eine Kampagne gestartet, die den Nerv der Zeit trifft: Unter dem Titel „Uns geht’s gut!?“ stellte Generalsekretär Quentin Gärtner kürzlich diese neue Initiative vor. Sie will auf die psychischen Probleme von Schülerinnen und Schülern aufmerksam machen und Handlungsempfehlungen an die Politik ableiten.
Seit der Corona-Pandemie hat sich die mentale Verfassung junger Menschen nicht mehr wirklich erholt – im Gegenteil ist sie nachhaltig gefährdet, wie zahlreiche Studien belegen. Gemeinschaftserlebnisse fehlen, die Lebensqualität leidet: 27 % der Jugendlichen geben an, sich schlecht zu fühlen, Einsamkeit ist ein zentrales Thema. Auch die globale Lage belastet die jungen Menschen: 39 % sorgen sich vor Kriegen. Die direkten Kosten psychischer Störungen beliefen sich laut dem Institut der deutschen Wirtschaft allein im Jahr 2023 auf 63 Mrd. Euro.
Dabei mangelt es nicht an Leistungsbereitschaft. Die sogenannte „Schaffer“-Generation will gestalten – sie will anpacken. Sie braucht dafür aber auch Unterstützung. Lehrkräfte sind gefragt, sie brauchen aber ihrerseits Konzepte, um mit den Herausforderungen auf Schülerseite umzugehen.
Quentin Gärtner war mit der Kampagne zu Gast bei der Herbsttagung des Netzwerks SCHULEWIRTSCHAFT in Berlin. Denn auch die Berufliche Orientierung muss sich dem Thema stellen – mit der Berufsorientierung wird es genau dann ernst, wenn Jugendliche mit sich selbst ringen und eher skeptisch in die Zukunft schauen. Was heißt das für die schulische Berufsorientierung, wie muss sie reagieren? So waren die Meinungen:
- Mehr Praktika in der Schulzeit: Praxiserfahrungen sind für junge Menschen entscheidend. Es sollten mehr Praktika in der Schulzeit vorgesehen sein, um diese Erfahrungen zu ermöglichen.
- Netzwerke statt Einzelprogramme: Es geht nicht um neue Maßnahmen, sondern darum, bestehende Strukturen zu stärken und Akteure sinnvoll zu vernetzen.
- Projekte kritisch prüfen: Nicht alles, was gut klingt, wirkt auch nachhaltig. Skalierung erfolgreicher Ansätze und das Streichen ineffektiver Maßnahmen sind notwendig.
- Schüler:innen als Expert:innen: Ihre Kompetenzen im digitalen Raum, ihre Selbstregulationsfähigkeiten und ihr Umgang mit sozialen Medien sind wertvolle Ressourcen.
- Zuständigkeiten neu denken: Statt sich in der Frage „Wer ist verantwortlich?“ zu verlieren, sollte der Fokus auf „Was kann ich tun?“ liegen.
- Kooperation mit der Wirtschaft: Erfahrungen aus Niedersachsen zeigen, dass Schülervertretungen teils skeptisch gegenüber wirtschaftlichen Akteuren sind. Dennoch gibt es Interesse an verbindlichen Kooperationsvereinbarungen – vielleicht auch zwischen BSK und SCHULEWIRTSCHAFT?!
- Gute Beispiele: In Stuttgart wird bereits eine Schulgesundheitsfachkraft in der Schule eingesetzt – ein Modell, das Schule als Lebensraum ernst nimmt.
Die Diskussion zeigt: Bildung ist eine Standortfrage. Wenn junge Menschen psychisch stabil und beruflich orientiert ins Leben starten sollen, müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die neue Kampagne der BSK ist ein wichtiger Impuls – und hoffentlich der Beginn einer breiten Bewegung.
Zur Kampagne „Uns geht`s gut!?“
Zur Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zur ökonmomischen Bedeutung der psychischen Gesundheit:














