Die berufliche Orientierung befindet…
Berufliche Orientierung der Zukunft Einblicke aus gemeinsamen Webinar von DPhV BDA SCHULEWIRTSCHAFT
Wie können Schulen Jugendliche auf eine Zukunft vorbereiten, die sich schneller wandelt als je zuvor? Was bedeutet zeitgemäße Berufliche Orientierung (BO) im Jahr 2026 – und wie sieht sie in den kommenden Jahren idealerweise aus?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt des gemeinsamen Webinars von Deutschem Philologenverband (DPhV), BDA und SCHULEWIRTSCHAFT am 4. März. Rund 300 Teilnehmende folgten den Impulsen aus Schule, Wirtschaft und Berufsberatung und erhielten vielseitige Einblicke in innovative Praxisansätze.
Ein neuer Blick auf die Berufliche Orientierung
Die Arbeitswelt der Zukunft stellt Jugendliche vor große Herausforderungen. Sie müssen sich in komplexen Zusammenhängen orientieren, digitale Werkzeuge sicher einsetzen und selbstbewusste Entscheidungen treffen. Gerade Gymnasien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie begleiten junge Menschen auf einem anspruchsvollen Weg, fördern ihre individuellen Talente und eröffnen ihnen ein breites Spektrum an Studien- und Berufswegen.
Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands, begrüßte die Teilnehmenden und hob die engagierte Arbeit der Lehrkräfte in der BO hervor. Durch das Programm führte Yvonne Kohlmann, Geschäftsführerin von SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland, und griff die Fragen der Teilnehmenden geschickt auf.
Zukunftsorientierte BO: Was Gymnasien heute schon tun können
Konrad Schaller und Anne-Christin Zeng, sind BO-Lehrkräfte am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium Berlin (Preisträger des „Deutschen Lehrkräftepreises – Unterricht innovativ“ 2021). Sie stellten ihr eindrucksvolles Konzept dar. In Jahrgang 12 gibt es z.B. eine eigene Projektwoche zur Beruflichen Orientierung für die baldigen Abiturienten. Auch ein eigener BO-Kurs ist wählbar. Das Programm KLUGentscheiden stärkt die Entscheidungskompetenz.
Statt eine Klausur zu schreiben, erstellen die Jugendlichen ein Portfolio, wobei KI einbezogen werden darf. Im Berufe-Blog interviewen die Jugendlichen ihre „Traumberufe“ und gewinnen so authentische Einblicke, inklusive der Bewertung durch ihre Peers. Unternehmen kommen gerne in die Schule – so die Erfahrung der beiden Lehrkräfte – und unterstützen z.B. beim Vorbereiten eines Bewerbungsgesprächs.
Großen Wert legt das Gymnasium darauf, die Ausbildung als berufliche Option zu verdeutlichen: Studium und Ausbildung seien gleichberechtigte Zukunftschancen. Aus gutem Grund wurde die Schule wederholt mit dem Berufswahl-SIEGEL ausgezeichnet.
Ein virtueller Escape Room als Tür zur Arbeitswelt
Josephine Krüger und Christina Schöne von NTT DATA Business Solutions zeigten, wie ein virtueller Escape Room Jugendliche auf spielerische Weise an Berufsbilder und Unternehmensprozesse heranführen kann. In der Simulation bewegen sich die Jugendlichen durch digitale Abbildungen der echten Unternehmensräume und lösen Rätsel, um ein Lösungswort zu finden.
Dieses Format sei wesentlich motivierender als jeder Vortrag: Die Jugendlichen erleben sich aktiv als Gruppe, entwickeln gemeinsame Strategien und erkennen, wie wertvoll Zusammenarbeit und logisches Denken sind. Gleichzeitig kann das Unternehmen beobachten, wie die Teilnehmenden vorgehen, kommunizieren und Probleme lösen – ganz ohne den Druck, „zu gewinnen“. Trotz des hohen Aufwands bei der Erstellung der Rätsel ist die Begeisterung der Jugendlichen ein deutlicher Beleg für die Wirksamkeit des Formats.
KI-Kompetenzen als Schlüssel für zukünftige Berufswelten
Jutta Schneider von Helliwood media & education betonte, wie entscheidend der kompetente Umgang mit Künstlicher Intelligenz für die Arbeitswelt der Zukunft sei. Es werde nicht die KI die Jobs übernehmen, sondern der Kollege und Kollegin, die KI gut einsetzen kann und kompetent ist. KI-Kompetenzen sind daher absolut wichtig.
KI kann helfen und unterstützen, macht das Arbeiten zügiger und effizienter. Dabei kommt es stets darauf an, dass Mensch und Maschine gut zusammenwirken – genau das muss gelernt werden. Jugendliche nutzen bereits intensiv KI – mehr als ihrer Lehrerinnen und Lehrer – , die Frage ist aber wie: Wird das gesamte Referat von der KI geschrieben oder lässt sich der Schüler von der KI Ideen für die erste Strukturierung geben? Gerade deswegen sei es notwendig, jungen Menschen Kompetenzen wie Prompt Engineering und kritische Mediennutzung beizubringen.
Über die Plattform www.it-fitness.de stehen Selbstlernangebote zur Verfügung, mit denen Jugendliche und Lehrkräfte sich eigenständig weiterbilden können.
Praxistipps für eine BO, die Jugendliche wirklich erreicht
Der Berufsberater Dr. André Kamphaus lenkte den Blick auf die Perspektive der Jugendlichen. Viele junge Menschen fürchten heute weniger Unsicherheit oder Veränderungen, sondern vielmehr die Vorstellung, sich ein Leben lang an einen einzigen Beruf zu binden. Ihre Bereitschaft, Neues auszuprobieren, sei hingegen groß.
Berufsorientierung sei etwas sehr Persönliches, geht es doch um Einblicke in die Persönlichkeit und was sie bewegt. Deshalb sei eine wertschätzende Atmosphäre wichtig. Jeder junge Mensch trage die Schlüsselkompetenzen in sich, es gelte nur sie ans Licht zu heben.
Besonders wichtig bleibe das schulische Praktikum, das Jugendlichen echte Einblicke in Arbeitswelten bietet. Für die Vor- und Nachbereitung empfiehlt er die gemeinsamen Checklisten von SCHULEWIRTSCHAFT und der Bundesagentur für Arbeit, die sowohl Schülern als auch Lehrkräften, Betrieben und Eltern Orientierung bieten.
Fazit
Das Webinar hat eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig und inspirierend moderne Berufsorientierung sein kann. Von projektorientiertem Lernen über spielerische digitale Formate bis hin zu KI-Kompetenzen und individueller Beratung – all diese Elemente tragen dazu bei, Jugendliche selbstbewusst und zukunftsfähig zu machen.
Für Schule und Berufsberatung bedeutet das vor allem, Mut zur Innovation zu haben und Jugendlichen zuzutrauen, ihren eigenen Weg aktiv und reflektiert zu gestalten.






