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Berufliche Orientierung – ein Leben lang

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Die Pandemie wirkt wie ein Katalysator, der bereits vorhandene Entwicklungen sichtbar verstärkt – so wirkt sich die Corona-Krise auch auf die Berufswahl aus. Jugendliche treffen lieber keine als eine falsche Entscheidung, zumal angesichts der Fülle von Möglichkeiten.

Auf der Bundestagung des Berufswahl-SIEGELs stellte Prof. Dr. Thorsten Bührmann die jüngsten Jugendstudien in ihrer Bedeutung für die Berufliche Orientierung vor.

Auf der Bundestagung des Berufswahl-SIEGELs

Ausbildung als Zwischenstation
Mehr als ein Drittel münden nach der Schule nicht direkt in Ausbildung und Studium ein, Jugendliche setzen vielmehr bewusst auf längere Suchphasen (Auslandsaufenthalt, Freiwilligendienste u. ä.). Um Wahloptionen zu aufrecht zu erhalten, machen sie Mehrfachausbildungen z.B. eine zweite Ausbildung oder ein Studium nach der ersten Ausbildung. Das Interesse an Ausbildung sei groß, so stellt es z.B. die Bertelsmann-Studie heraus – aber als Zwischenstation. Jugendliche haben eine eher pessimistische Einstellung zu den Realisierungschancen, so sind 55% unsicher einen Ausbildungsplatz zu finden. Sie überbrücken mit Jobs, verdienen Geld, nehmen sich aber nicht als Erwachsene wahr.

Lange Orientierungsphase
Mit 18 Jahren sehen sich 50% trotz Volljährigkeit weiterhin als Jugendliche, als Erwachsene empfinden sie sich erst langsam ansteigend mit ca. 21/22 Jahren. Die Zeit nach der Schule wird als eine lange Orientierungsphase wahrgenommen, auch eine Ausbildung gehört für sie zu dieser Phase und nicht zur Erwachsenen- und Erwerbstätigenwelt. Es mangelt ihnen nicht an Informationen, sondern an individueller Orientierung: 54% fällt es schwer sich zurecht zu finden. Eltern, Lehrkräfte und andere Unterstützer sind hilfreich. Die Berufsberater:innen sind genauso bedeutend wie die Peergruppe, wenn sie in der Schule sind und beraten. Bezugspunkt für junge Menschen ist die Frage, ob ein Beruf zum eigenen Ich passt – nicht umgekehrt, ob sie zum Berufsbild „passen“.

Konsequenzen für die Berufliche Orientierung
Was heißen diese Wahrnehmungen für die Berufliche Orientierung? Eine individuelle Begleitung in einem verlässlichen Rahmen ist gefordert. Es geht nicht um die „eine“ Entscheidung, sondern um die Kompetenz, Übergangsprozesse zu gestalten. Die Schule sollte daher z. B. den Berufsorientierungsprozess und seine Struktur für die Schüler:innen darstellen sowie Selbstständigkeit stärken, so dass sie mit kommenden Friktionen umgehen können, fordert Bührmann.

Das Berufswahl-SIEGEL bietet mit seinem Kriterienkatalog genau eine solche Struktur, schafft Verantwortungsgemeinschaften und kann auch dazu beitragen, dass sich Jugendliche zunehmend als Erwachsene erleben – BO endet nicht mehr mit dem Schulabschluss.

Jugendstudien

  • AID:A = Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten 2019
  • SINUS Jugendstudie 2020: „Wie ticken Jugendliche?“
  • SINUS-Elternstudie: Berufsorientierung und „Future Readiness“ Jugendlicher 2020
  • Bertelsmann Jugendstudie: Ausbildungsperspektiven im zweiten Corona-Jahr

Auf der Bundestagung des Berufswahl-SIEGELs

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