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Didacta-Diskussionsrunde zur Lehrerfortbildung

Schon die erste Welle der Pandemie hatte sichtbar gemacht, dass Schulen und Lehrkräfte auf digitales Lehren und Lernen überhaupt nicht vorbereitet waren. Seither haben sie unglaublich viel gelernt und neue Kompetenzen bei digitalen Tools gewonnen. Lehrkräfte vermissen aber oft wirksame Unterstützung und Begleitung. Die Lehrerfortbildung steht ohnedies schon länger in der Kritik. Dies machte die Diskussionsrunde der BDA „Lehrerfortbildung in und nach Corona“ deutlich, die am Nachmittag des 11. Mai im Rahmen der „didacta digital“ stattfand, moderiert von Jan-Martin Wiarda.

Schulleiterin Christine Georg hat einen Neustart ihrer Schule am Mainbogen in Frankfurt a. M. hinter sich – die üblichen Fortbildungsangebote waren dabei keine Hilfe, sondern erst der Austausch mit den Betrieben vor Ort und die eigenen Ideen. Fortbildung frage zu wenig nach dem aktuellen Bedarf der Schule. Zurzeit seien die Lehrerinnen und Lehrer derart unter Druck, dass kein Spielraum für Fortbildungen bestehe.

Professorin Anne Sliwka von der Universität Heidelberg hob hervor, dass erfolgreiche PISA-Staaten der Lehrerfortbildung einen deutlich höheren Stellenwert einräumen, als es in Deutschland üblich ist. Im Zentrum müsse die Arbeit vor Ort stehen, den höchsten Effekt erziele das gemeinsame Lernen des Lehrerkollegiums; verbindliche Kooperationszeiten des Kollegiums sollten verbindlich sein. Außerdem könne Fortbildung gut in die Karriereentwicklung einbezogen werden.

Die Berufliche Orientierung an den Schulen hat spürbar gelitten. Nicole Cujai betonte seitens der Bundesagentur für Arbeit, dass Berufliche Orientierung nicht alleine Aufgabe der zuständigen Lehrkräfte sein könne, sondern erst als Querschnittsaufgabe in der Schule funktioniere. Sie wirksam zu verankern, auch mit Fortbildungen, sei Aufgabe der Schulleitung. Für Schulen sind zudem außerschulische Partner wichtig, mit denen sie gemeinsam vorgehen können, so etwas das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT.

Schulentwicklung braucht Lehrkräfte, und Fortbildungsangebote müssen dabei helfen, damit die Schule ihre Ziele erreichen kann, führte Stefan Küpper aus, Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft. Fortbildung sei als Teil des Qualifizierungsprozesses und der Personalentwicklung zu verstehen. Küpper wies auf qualitätsgesicherte Fortbildungsangebote aus der Wirtschaft für Lehrkräfte hin, wobei das Primat stets bei den pädagogischen Profis liege. Lehrkräfte hätten zuletzt eine hohe Lernkurve erreicht, generell sei aber ein höherer Verpflichtungsgrad sinnvoll.

Auf der nachgefragten Lernplattform „sofatutor“ suchen nicht nur Schüler und Eltern Hilfe, sondern eine halbe Million Lehrkräfte nach Inhalten für den Unterricht. Stephan Bayer von „sofatutor“ plädierte für ein Creditpoint-System, das z.B. Fortbildungen mit Freistunden belohne. Außerschulische Anbieter könnten sehr gut mit Projekten in Schulen kommen, etwa mit einem 3-Tage-Projekt als Kick-off für digitale Kompetenzentwicklung oder auch zur Berufsorientierung. In anderen Berufe sei die Lizenz von Fortbildungen abhängig. Das Interesse an digitalen Tools sei grundsätzlich auch bei älteren Lehrern groß.

Für die Kultusministerkonferenz verdeutlichte Staatssekretärin Dorit Stenke, Vorsitzende der KMK-Kommission Lehrerbildung, dass die Landesinstitute für Lehrerfortbildung schneller als üblich auf den Bedarf der Schulen reagiert haben. Insgesamt sei eine Vernetzung der Schulen, Institute und weiterer Partner zielführend, neue Aufgabe der Landesinstitute sei es Kooperationen zu koordinieren. Der schulische Bedarf müsse erfragt und Angebote gemacht werden. Richtig sei aber auch, dass der Fortbildungsprozess besser gesteuert werden müsse, auch wenn es viele Formate gebe.

> Die BDA hat 2020 eine Positionierung zur Lehrerbildung vorgelegt: „Lehrerbildung verbessern!“

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