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Digitalisierung in der Berufsorientierung – gerne als Ergänzung und als future skill

Rekordzahl – an der Fachtagung „Wieviel Digitalisierung verträgt und braucht die Berufliche Orientierung?“ am 26. April 2022 nahmen rund 800 Personen teil! SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland und Bundesagentur für Arbeit hatten die Tagung gemeinsam virtuell veranstaltet. Gleich zum Thema passend: Eine solche Größenordnung wäre in einem physischen Präsenzformat nicht machbar gewesen … und es hätten sicherlich weit weniger Gäste die Reise auf sich genommen.

Den Wandel in der digitalisierten Arbeitswelt machten am Start die Zukunftsforscher Max Thinius und Thomas Schmidt in einem unterhaltsamen Dialog anschaulich: Wenn in Zukunft dezentrale Produktion, individuelle Arbeitstaktung und datengesteuertes Farming üblich sind, entstehen als neue Berufe vielleicht der „Auditor für Algorithmen“, die „Beraterin für lokale und urbane Farmen“ oder „Persönliche Datenmanager*in“…

Dabei ist die Digitalisierung in der Beruflichen Orientierung eher notgedrungen eingezogen. In der Pandemie mussten sich die Schulen digital organisieren, auch Praxiserfahrungen im Betrieb waren kaum möglich, so dass virtuelle Angebote schlagartig gefragt waren. Christina Ramb, BDA, lobte die Lehrkräfte, die sich im Lockdown rasch umgestellt hatten. Der Strukturwandel in der Wirtschafts- und Arbeitswelt sei durch eine zunehmende Digitalisierung geprägt – deshalb seien digitale Kompetenzen und future skills grundsätzlich angesagt und gehörten zu einer zeitgemäßen Beruflichen Orientierung. Schulen müssten digital besser ausgestattet werden. Die Erfahrung zeige aber auch, dass Bildung Bindung brauche und die persönliche Begegnung und Begleitung unersetzbar seien. Ohne Praktika im Betrieb werde zudem der „Klebeeffekt“ verfehlt, wenn Jugendliche mit schwächeren Schulleistungen sich im Praktikum bewähren und in Ausbildung übernommen werden.

Dr. Nicole Cujai bestätigte dies für die Bundesagentur für Arbeit; Mit dem digitalen Tool Check-You, Online-Materialien und virtueller Beratung habe man sich digital aufgestellt. „Berufenet“ zeige die Veränderungen von Berufen in der Zukunft. Arbeit werde in Zukunft nicht weniger, sondern anders, digitale Anteile an den Tätigkeiten wachsen, das spiegele sich jetzt schon in der Ausbildung. Daneben bleibe das persönliche Vertrauensverhältnis für die Beratung wichtig, so dass auf Dauer ein kluger Mix der verschiedenen Elemente gefragt sei.

Schülerinnen einer hessischen Gesamtschule sahen – in eingespielten Selfie-Videos – die Digitalisierung sehr positiv, zumal für Informationen, Materialien und Online-Tools, auch den Berufswahlpass und Gespräche; das solle auch so beibehalten werden, sie freuen sich aber auch auf praktische Erfahrungen mit „Anpacken“, „Schnuppern“ und direkten Erlebnissen.

In den Praxisimpulsen wurden unterschiedliche gute Beispiele präsentiert – besonders viele Gäste besuchten die „Berufliche Orientierung im Escape Room“ und die Vorstellung der Future Skills Box.  Gefragt waren auch die Digitale Projektwoche Hamburg, das Azubi-Speed-Dating von KOFA, die Digitale Berufsorientierungsmesse Halle/Saale, das virtuelle Schülerbetriebspraktikum der Telekom und die Checklisten zur Einschätzung von Berufsorientierungsangeboten.

Was die Entwicklung nun für die Berufsberatung bedeutet, erläuterten Prof. Jane Porath und Prof. Thomas Freiling, Hochschule der Bundesagentur für Arbeit. Mehr denn je werde in einer vernetzten und schnelleren Produktion Ideenmanagement gefragt sein, Planung und Kontrolle, menschliche Arbeit sei vor allem Wissensarbeit. Kompetenzen verschieben sich zu Fachwissen und Personalkompetenzen, auch IT-Kompetenzen; die Berufsorientierung verschiebe sich zu weniger Informationen und mehr Erlebnissen. Schließlich fasste Prof. Dr. Thorsten Bührmann die Tagung zusammen: Der Prozess der Orientierung, den junge Menschen durchlaufen, um sich selbst und ihren Weg in die Gesellschaft zu finden, ändere sich im Kern nicht, wenn es auch mehr „Wildwasser“ als „Schleusen“ im Strom gäbe. Insgesamt zeigten die Beiträge, dass digitale Angebote eher eine Ergänzung seien. Das Gesamtkonzept für die Angebote zu finden und die Prozessbegleitung für die Jugendlichen sicherzustellen, sei Aufgabe und Leistung der Schule. Was alle auch noch betonten: Berufsorientierung positiv angehen – und den Spaß nicht vergessen!

„Gute und kurzweilige Veranstaltung, super Redner, klasse, tolle Aufbereitung, auf den Punkt gebracht“ – danke für dieses Feedback der Teilnehmenden!

Ein paar Schnappschüsse …

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