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Berufliche Orientierung – Prozess der Identitätsfindung

Was sind die Merkmale gelingender Beruflicher Orientierung? Wie lautet die „Glücksformel“?

So einfach lässt sich die Frage nicht stellen oder beantworten – denn die Berufliche Orientierung ist eine Lernaufgabe in einem letztlich lebenslangen Entwicklungsprozess, der unterschiedlichste Bereiche umfasst. Dies betonte Prof. Dr. Thorsten Bührmann, Medical School Hamburg und wissenschaftlicher Berater des Netzwerks Berufswahl-SIEGEL, in seinem Vortrag bei der SIEGEL-Veranstaltung für Bayern am 3. Dezember 2020.

Berufliche Orientierung ist in der Schule eine genuin pädagogische Aufgabe – eine individuelle Entwicklungsaufgabe. Junge Menschen sind dabei sich selbst zu positionieren – gegenüber der peer group, der Familie, in ihren eigenen Wertvorstellungen, in ihren Vorstellungen von der eigenen Zukunft, zu der auch die spätere Arbeit und Berufstätigkeit gehören werden. Es geht also um nicht weniger als die Entwicklung der personalen Identität – wer bin ich, was macht mich aus, was unterscheidet mich? – und die Entwicklung der sozialen Identität – was erwartet man von mir, was muss ich tun, was geht? Individuation einerseits und Integration andererseits sind keine punktuellen Ereignisse, sondern eben Prozesse über einen längeren Zeitraum hinweg, mit unterschiedlichen Phasen. Diese Phasen lassen sich allgemein kennzeichnen als Weg von der ersten Verunsicherung und Minimierung des Themas über erlebte Frustrationen bis hin zur schließlichen Anerkennung der Realität, dem Testen und Überprüfen der eigenen Ziele und Möglichkeiten.

Die Schule unterstützt diese Entwicklung vor allem durch handlungsorientierte Erfahrungsräume, durch Reflexions- und Orientierungsmöglichkeiten, durch individuelle Prozessbegleitung und durch Kompetenzförderung der Jugendlichen. Für die schulische Konzeption der Beruflichen Orientierung ergeben sich damit drei Themenkreise: 1) Der individuelle Entwicklungsprozess des Jugendlichen steht im Zentrum des Kreises, 2) Schule und Lehrkräfte verankern das Thema systematisch in Strukturen und Organisation, 3) Ergänzend kommt die Einbettung in außerschulische Netzwerke hinzu. Genau an diesen Themenkreisen entlang baut sich konsequenterweise der Kriterienkatalog für die Zertifizierung mit dem Berufswahl-SIEGEL auf. Damit bietet er auch jenseits der Zertifizierung ein hilfreiches Tool für die Qualitätssicherung und -verbesserung der Beruflichen Orientierung jeder weiterführenden Schule!

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