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ICILS-Studie 2018: Digitale Kompetenzen stagnieren

Migrantenkinder sehen sich beruflich eher im digitalen Bereich

Die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen der Achtklässler/innen in Deutschland unterscheiden sich im Schnitt nicht wesentlich von der ersten Erhebung 2013, zeigt die gerade erschienene Studie ICILS 2018. Die Schülerinnen und Schüler liegen nach wie vor im mittleren Bereich der Länderrangreihe, oberhalb des internationalen Durchschnittswerts. Die höchsten mittleren Kompetenzen sind beim Nachbarn Dänemark zu finden, das zudem die geringste Leistungsstreuung aufweist.

33,2 % der Achtklässler/innen lässt sich auf den unteren beiden Kompetenzstufen verorten und verfügt damit über nur basale, rudimentäre Kompetenzen (2013: 29,2 %).
42,9 % sind auf Kompetenzstufe III und können unter Anleitung Informationen ermitteln, Dokumente mit Hilfestellung bearbeiten und einfache Informationsprodukte erstellen.
22 % der Schüler/innen auf Kompetenzstufe IV und – nur – 1,9 % auf der höchsten Kompetenzstufe V sind in der Lage, selbstständig und reflektiert digitale Medien in unterschiedlichen Bereichen zu nutzen.

Wie schon 2013 erreichen Mädchen in Deutschland im Mittel mehr Leistungspunkte als Jungen, Jugendliche aus sozioökonomisch besser gestellten Familien mehr als weniger gut gestellte, Jugendliche ohne Migrationshintergrund mehr als Jugendliche mit im Ausland geborenen Eltern, Schüler/innen am Gymnasium mehr als an anderen weiterführenden Schulen.

Auch die Ausstattung der Schulen mit IT hat sich seit 2013 nicht verbessert. 17 % der befragten IT-Koordinatoren der Schulen klagen über mangelnden technischen, 23 % über fehlenden pädagogischen Support. Beim Spitzenreiter Dänemark ist die Ausstattung mit über 90% hervorragend. Da gibt es sicherlich Zusammenhänge … !

Immerhin geben knapp 60 % der Schulleitungen an, Prioritäten bei der Digitalisierung zu setzen. Die Studie betont, wie sehr Schulen sich hier gut aufstellen wollen. Allerdings haben nur 26,9 % der Lehrpersonen in Deutschland in der eigenen Lehrerausbildung erfahren, wie man digitale Medien im Unterricht verwendet (international: 41,6 %). Lehrkräfte nutzen deutlich stärker als 2013 digitale Medien, mindestens wöchentlich (2018: 60,2 %; 2013: 34,4 %); international sind dies jedoch im Schnitt 47,9 %. Die in Deutschland mit Abstand häufigste Form ist allerdings das Präsentieren von Informationen im Frontalunterricht. Nur 22,8 % der Achtklässler/innen gibt an, dass wöchentlich digitale Medien in der Schule genutzt werden. Insbesondere in Mathematik werden die Medien wenig eingesetzt.

Digitale Jobs in der Berufswahl

Die Schülerinnen und Schüler wurden auch nach dem Thema Digitalisierung-Berufswahl gefragt: Meinen sie, dass IT-Anwendungskenntnisse hilfreich sind, später eine interessante Arbeit auszuüben, oder wünschen sie sich einen Arbeitsplatz mit fortschrittlichen Technologien oder hoffen sie, ein Fach mit IT- oder Technologiebezug studieren zu können?

Hier stimmen in Deutschland die Jungen in der 8. Jahrgangsstufe deutlich mehr zu als die gleichaltrigen Mädchen. Das mag damit  zu tun haben, dass Mädchen die Relevanz digitaler Medien für die Gesellschaft geringer einschätzen. Ein erheblicher Unterschied zeigt sich hier zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund: Auf die Frage, ob man nach der Schule gerne Fächer mit IT- bzw. Technologiebezug studieren wolle, stimmten Jugendliche ohne im Ausland geborene Eltern zu 30,9 % zu, aber  Jugendliche, von denen beide Elternteile im Ausland geboren wurden, zu 38,5 % – also deutlich mehr.

Die International Computer and Information Literacy Study” (ICILS) wurde in 14 Ländern durchgeführt, in Deutschland unter Leitung von Prof. Dr. Birgit Eickelmann, Universität Paderborn. 3.655 Schüler/innen und 2.386 Lehrpersonen der 8. Klasse wurden im Frühsommer 2018 befragt.

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