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Jugendbefragung der Bertelsmann Stiftung: Infos und Perspektiven fallen auseinander

Vor allem Jugendliche mit hoher Schulbildung wünschen sich mehr Beratung für den Übergang von der Schule in den Beruf. Junge Menschen mit niedriger Schulbildung fühlen sich im Vergleich zwar besser informiert, schätzen aber ihre Chancen am Ausbildungsmarkt noch immer deutlich ungünstiger ein. Das sind die zentralen Ergebnisse der aktuellen Jugendbefragung der Bertelsmann Stiftung „Ausbildungsperspektiven 2024“.

Ausbildung im Blick:
45 % der Schülerinnen & Schüler streben eine Ausbildung an, weitere 33 % sind noch unentschieden. Insofern ist für fast vier Fünftel die Ausbildung zumindest eine Option, 2023 waren dies noch 41 % bzw. 34 %. Die große Mehrheit der Jugendlichen mit niedriger und mittlerer Schulbildung (80 % bzw. 71 %) tendiert zur Ausbildung, Jugendliche mit hoher Schulbildung nur zu 22 %, andererseits ist hier der Anteil der Unentschlossenen mit 44% am höchsten. Für 63 % der Schülerinnen und Schüler mit hoher Schulbildung ist und bleibt ein Studium erste Wahl. Diejenigen mit niedriger Schulbildung sehen dies nur zu 19 % als Perspektive.

Im Großen und Ganzen sehen die Jugendlichen ihre Ausbildungschancen optimistisch, allerdings gilt leider auch – je niedriger die Schulbildung, desto stärker die pessimistische Sicht. Fast drei Viertel aller Befragten sehen für sich auf dem Ausbildungsmarkt derzeit gute bis sehr gute Chancen (27 % „sehr gut“, 46 % „eher gut“), nur 16 % halten die Chancen eher für schlecht (14 % „eher schlecht“, 2 % „schlecht“). Aber: junge Menschen mit niedriger Schulbildung schätzen ihre Chancen geringer ein als die mit höherer Bildung.

Viele Information gibt noch nicht viel Orientierung
Mit 56 % beklagt über die Hälfte aller Befragten, dass es zwar ausreichend Informationen zur Berufsorientierung gibt, es aber schwierig ist, sich darin zurechtzufinden. Dies sagen vor allem junge Menschen mit höherer Schulbildung zu 62 %. Beim Thema Ausbildung fühlen sich Jugendliche mit niedriger Schulbildung besser informiert (51 % „eher gut“ oder „sehr gut“) als junge Menschen mit mittlerer oder hoher Schulbildung (33 % bzw. 23 %). 43 % der Befragten mit hoher Schulbildung fühlten sich „eher nicht so gut“ oder „gar nicht gut“ zur Option Ausbildung informiert. 62 % der befragten Jugendlichen sehen Praktika als sehr wichtige Infoquelle für die Berufliche Orientierung an.

Eltern und Internet wichtiger als BA und Schule
Hauptinformations- und Unterstützungsquelle bei der Beruflichen Orientierung sind zu drei Vierteln die Eltern. An zweiter Stelle folgt – das Internet mit 39 %, das im Vorjahr erst bei 27 % lag. Dann erst folgen die Berufsberatung der Arbeitsagenturen mit 35 % und die Schule mit 33 %. Auch hier zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht nach Bildungsabschluss: Während über die Hälfte der Jugendlichen mit niedrigem Bildungsabschluss starke Unterstützung durch Arbeitsagentur du Schule angibt (56 % bzw. 50 %), ist es mit hohem Bildungsabschluss gerade mal ein knappes Viertel (23 % bzw. 19 %).

Ein gutes Drittel  derjenigen, die bereits Erfahrungen mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz gemacht haben, wünscht sich dabei mehr Unterstützung. Auch dies gilt zumal für junge Menschen mit hoher Schulbildung (41 %). Sie wünschen sich zudem mehr digitale Angebote zur Beruflichen Orientierung weit weniger als mit niedriger Schulbildung (45 % gegenüber 15 %).

Fazit:
Die Berufliche Orientierung hat noch Luft nach oben und kann nicht als erledigt abgehakt werden, auch wenn sich viel bereits entwickelt hat. Während am Gymnasium ein deutlicherer „roter Faden“ gefragt ist, braucht es an Schulen der Sekundarstufe 1 offenbar mehr Zutrauen in die eigenen Stärken und Chancen.

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