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Junge Menschen wünschen sich mehr Praxis im Betrieb

Jugendliche wünschen sich vor allem viel mehr Praxiserfahrung, wenn es um die Berufliche Orientierung in der Schulzeit geht. Ob Schülerinnen und Schüler, ob Auszubildende oder Studierende – in diesem Punkt waren sie sich absolut einig beim SCHULEWIRTSCHAFT-Festival am 18. November 2021. Es fand als Online-Event zum Thema „Berufliche Orientierung neu denken und machen“ statt. Dabei standen bewusst die Zielgruppen im Vordergrund: Schülerinnen & Schüler, Studierende und Auszubildende kamen so ausführlich zu Wort wie sonst selten! Und es war für alle Festival-Gäste spannend, viel von den jungen Menschen zu erfahren.

  • Die Auszubildenden wünschten sich ein breiteres Spektrum an Berufsfeldern bei den Praktika, biete ein Praktikum doch die beste Chance, in Tätigkeiten hineinzuschnuppern. Sie wünschten sich vor allem eine intensivere Vorbereitung und Begleitung durch die Lehrkräfte. Auch mit Absagen umzugehen wäre wichtig zu lernen. Es sollte noch mehr Kooperationen von Schulen und Betrieben geben, damit eine Vielfalt von Branchen kennengelernt werden kann. Themenwochen zu verschiedenen Ausbildungsberufen durchzuführen, war ein konkreter Vorschlag der Azubis, ein weiterer Vorschlag, bei Ausbildungsmessen nicht nach Unternehmen, sondern nach Berufen zu sortieren, damit sich nicht alles bei den „großen Namen“ drängele, sondern auch kleine Betriebe Chancen haben.
  • Bei den Schülerinnen war die Berufsorientierung durch die Pandemie erschwert; sie empfinden die Berufswahl auch als „Druck“, selbst wenn die Schule hilft. Den Girls‘ & Boys‘ Day fanden sie gut, auch den direkten Kontakt zu Auszubildenden z.B. bei der Berufsbörse ihrer Schule. Sie recherchieren selbst zu Berufsperspektiven in der Region und schreiben Unternehmen für Infos und Praktika an. Oft war ein gelungenes Praktikum der Durchbruch zum Berufswunsch.Praktisches zu tun verbinden die Schülerinnen mit glücklichen Momenten! Die Berufsberatung der Arbeitsagenturen ist nachrangig gegenüber Freunden und Familie; die Lehrkräfte empfinden das Wirken der Berufsberatung eindeutig als Entlastung. Die Mädchen wünschten sich noch mehr reale Einblicke in Ausbildungsberufe und mehr Vielfalt und schlugen eine „Woche der Berufe“ mit 10 Unternehmen aus der Region vor, mit unterschiedlichen und mit weniger bekannten Berufen. Auch Besuche von Betrieben in der Schule finden sie hilfreich, am besten wenn Azubis dabei sind.
  • Am Gymnasium hatten die Studierenden allgemein den Praxisbezug vermisst, auch im Unterricht, besonders gravierend aber in der Berufs- und Studienorientierung. Die Vorbereitung aufs Abitur stehe sehr im Vordergrund, dabei würden sie ein Praktikum in der Abiturzeit vorziehen, denn danach wird es wirklich ernst. Bewerbungsschreiben und Praktika aus Klasse 9 und 10 sind schon lange her. Die duale Ausbildung war kaum eine Perspektive, aber auch ein Hineinschnuppern in Vorlesungen an der Universität wünschten sie sich. In der Schulzeit seien Potenzial- und Stärkenanalysen wichtiger als jede Berufskunde. Auch Angebote von Externen sollte die Schule passgenau vermitteln oder auch zu weniger gängigen Wegen ermutigen. Praktika sollten aktives Mitmachen ermöglichen z.B. mit Bearbeiten einer Aufgabe, und viele Bereiche des Unternehmens zeigen.Die Berufsorientierung ziele oft auf „Angestelltenverhältnisse“ und solle mehr auch auf Selbstständigkeit hinweisen.
  • Die Rolle der Eltern bei der Beruflichen Orientierung nahmen die jungen Leute überwiegend positiv wahr, vor allem im Sinne einer Unterstützung im Hintergrund – nicht im Sinne eines Lenkens oder Drängens in eine bestimmte Richtung. Der berufliche Bereich, in dem die Eltern tätig sind, kann erste Orientierung bieten, man müsse aber auch Mut zur ganz anderen Entscheidung haben. Wenn Eltern in der Schule ihre Berufe vorstellen, könne ein einseitiges Bild entstehen, sind doch oft ähnliche Berufe vertreten. Eltern sollten Interesse zeigen, auch Tipps geben, aber keinen Druck aufbauen, sondern ihre Kinder selbst entscheiden lassen. Sie sollten seine Interessen akzeptieren, auch wenn sie diese nicht verstehen. Für nicht-akademische Eltern sind akademische Berufswünsche oft nicht nachvollziehbar. Gespräche nützen allerdings nur bei einem guten Verhältnis zueinander.
  • Auch die „Peer Group“ der Jugendlichen hat Einfluss auf ihre Berufswahl. Die Auszubildenden wie die Studierenden beim Festival fanden es hilfreich, sich in der Gruppe besprechen und reflektieren zu können, auch Wünsche zu überprüfen. Auch wenn man sich anders entscheide, blieben Freunde dennoch Freunde. Man müsse auch über die „peer group“ hinaus schauen. Für Abiturienten sei die Berufsberatung der Arbeitsagenturen oft nicht die Anlaufstelle, die Studienberatung an den Hochschulen wird eher genutzt, aber als distanziert und unpersönlich empfunden.

Unter der Überschrift SCHULEWIRTSCHAFT innovativ wurden neu gestartete Beispiele aus dem Netzwerk vorgestellt: Young Teachers‘ Network aus Baden-Württemberg, thinkTECH aus Thüringen und Next Step Hochfranken aus Bayern.

Der bekannte Experte für Berufs­­orientie­rung Prof. Dr. Tim Brüggemann lobte aus Forschungsperspektive die neuen Projekte. Besonders wirksam seien Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, die sich immer lohnten, ein Follow-up sei dabei wertvoll. Praxiserfahrung erhöhe die Wirksamkeit der Berufsorientierung enorm, dabei vor allem individuelle und vorbereitete Praktika. Auch für Eltern sei eine Fortbildung zur Berufsorientierung sinnvoll.

Am Schluss entstand aus den vielen gesammelten Ideen der Gäste ein Feuerwerk, das dem Thema Berufliche Orientierung neue Dynamik mitgeben wird!

Zu Beginn des Festivals hatten Christina Ramb für die BDA und Kerstin Vorberg für IW Junior die Bedeutung von SCHULEWIRTSCHAFT für die Fachkräftesicherung betont. Aus Nord, Süd, Ost und West waren Alfred Lumpe (Hamburg), Josef Schelchshorn (Bayern), Angela Papenburg (Sachsen-Anhalt) sowie Nils Grützner und Stephanie Vogel (Saarland) zugeschaltet.

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