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Nationaler Bildungsbericht: Übergang Schule – Beruf instabil

Wohin gehen die Schulabgängerinnen und -abgänger nach dem Abschluss? Der nationale Bildungsbericht 2022 hat die Zahlen und Erhebungen zusammengestellt und leitet daraus Trends und Perspektiven ab. Rund ein Drittel beginnt unmittelbar nach dem Schulbesuch eine – duale oder schulische – Ausbildung oder ein Studium; etwa die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler geht diesen Schritt allerdings erst später.

Mit der NEPS-Studie („National Educational Panel Study“ – „Bildungsverläufe in Deutschland“), die seit 2010 durchgeführt wird, liegt inzwischen eine Längsschnittuntersuchung vor, die Auskunft über Bildungsverläufe bei jungen Menschen gibt. Begleitet wurden seit 2010 Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe, die nicht auf ein Gymnasium und nicht auf eine Förderschule gingen. Sie wollten zu 67 % weiter die Schule besuchen, knapp 21 % hatten Interesse an einer betrieblichen Ausbildung, vor allem die Hauptschülerinnen und -schüler mit 27 % gegenüber Realschülerinnen und -schülern mit 22 %.

Der Blick auf die bisherigen Bildungsverläufe zeigt für die Neuntklässler/innen von 2010, dass sich insgesamt 8 Typen mit spezifischen Verlaufsmustern zwischen Schule, Ausbildung und Beruf zeigen:

  1. Instabiler Verlauf mit unterschiedlichen kurzen Phasen nach Verlassen der Schule mit sehr unterschiedlichen Zuständen (z. B. abgebrochene Ausbildungen, Erwerbslosigkeit, Berufsvorbereitungsmaßnahmen)
  2. Aufstieg im schulischen Bildungsverlauf (Schulabschluss wird nach Unterbrechung nachgeholt)
  3. Ausbildungsverlauf mit Zwischenepisoden zwischen Schule und Ausbildung (z. B. wegen FSJ, freiwilligem Wehrdienst)
  4. Ausbildungsverlauf ohne Zwischenepisoden mit einem direkten Übergang von der Schule in duale oder schulische Ausbildung
  5. Akademischer Verlauf mit Zwischenepisoden zwischen Schule und Studium (z. B. kurze Erwerbsphase, FSJ)
  6. Akademischer Verlauf ohne Zwischenepisoden
  7. (Fach-)Hochschulreife mit Ausbildungsverlauf (nach Hochschulreife erfolgt z. B. duale Ausbildung)
  8. (Fach-)Hochschulreife mit heterogenen weiteren Verläufen, bei denen die Hochschulreife erworben wird, sich zunächst aber keine weitere Bildungs- oder längere Erwerbsepisode anschließt.

Der Bildungsbericht spricht bewusst von „Episoden“, denn jenseits des akademischen oder Ausbildungsverlaufs ohne Zwischenetappen besteht inzwischen „ein nennenswerter Anteil nicht geradliniger Übergangsverläufe nach der Schulzeit“. Die Einmündung in den Beruf ist nicht vorhersehbar oder erwartbar, sondern instabil und zeitlich verschoben. Der Ausbildungsverlauf wie der akademische Verlauf mit Zwischenepisoden sind am häufigsten mit 50 %. Bei 3,6 % folgten auf die Hochschulreife heterogene weitere Verläufe, bei 16% eine Ausbildung, bei 26 % ein Studium „mit Zwischenepisoden“ – ein indirekter Übergang ins Studium ist somit fast zum Regelfall geworden.

Der Übergang von der Schule in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zieht sich hin – „Übergang“ scheint inzwischen eine längere Phase zu sein, in der noch viele Optionen offen sind. Der Trend zum längeren Schulverbleib hat sich durch Corona eindeutig verstärkt – ein Problem allerdings für die Betriebe, die zu wenig junge Menschen als Auszubildende für sich finden können.

> www.bildungsbericht.de/de/startseite

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