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Wie klappt’s mit virtuellen SIEGEL-Audits?
Ein Interview mit Verena Zelger

Verena Zelger betreut das Berufswahl-SIEGEL in Bayern. Die Jury arbeitet hier schon seit letztem Herbst mit virtuellen Audits, andere Bundesländer starten jetzt damit. Deshalb haben wir nach ihren Erfahrungen und auch konkreten Tipps gefragt.

Verena, wie sehen virtuelle Audits aus?
Virtuelle Audits sind genauso wie Audits vor Ort sehr unterschiedlich – je nachdem wie die Schule es plant. Früher war die Jury es gewohnt, in der Schule vor Ort aufeinander zu treffen. Zunächst  entstanden daher Barrieren; man konnte sich das digitale Audit so nicht vorstellen. Mit einem sehr gezielten Informationspapier für die Juroren haben wir diese Barrieren überwunden. Der Ablauf des Audits selbst hat sich nicht verändert, es sind auch dieselben Teilnehmer*innen da wie bislang. Die Schulfamilie, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, auch Eltern und Kooperationspartner zogen es teilweise vor, beim Audit selbst in der Schule zu sitzen. Ein Unterschied zum Audit vor Ort ist, dass man sich nicht mehr in der großen Runde bespricht, sondern in Kleingruppen nacheinander mit maximal zwei bis fünf  Personen pro Gespräch.

Bei unseren digitalen Audits gibt es immer Pausen, das ist sogar sehr wichtig, ca. 10 Minuten zwischen den Gesprächen, in denen sich die neuen Interviewpartner digital dazu schalten können. Technische Probleme sprengen sonst den zeitlichen Rahmen. Außerdem sind Videokonferenzen anstrengend, dann ist es nicht schlecht, zwischendrin „durchzuschnaufen“. Der eine oder andere Kooperationspartner kommt schon einmal direkt in die Schule und stößt dazu; die meisten wählen sich aber nach unseren Erfahrungen lieber in das digitale Tool ein.

Wenn Schulen das Audit nicht umsetzen konnten, lag es an Corona, nicht an der Technik. Die technischen Probleme ließen sich alle lösen. Bei einer Schule gab es kein W-Lan – das Audit wurde daher telefonisch durchgeführt, das war aber die einzige Ausnahme.

Wie fühlt es sich im digitalen Audit an?
Nicht viel anders als in Präsenzaudits! Selbst das kleine Geplänkel zwischendurch gibt es. Die Juroren sitzen allerdings jeder und jede in ihrem eigenen Raum, sie können sich nicht zwischendrin kurz absprechen und sich etwas zuflüstern – deshalb ist die Absprache im Vorfeld sehr wichtig. Man kann sich nebenbei in WhatsApp schreiben, die Abstimmung findet aber besser in der Vor- und Nachbesprechung statt, gerade für kritische Punkte. Mit den Schulen war es eigentlich wie vorher, man hatte das Gefühl nah dran zu sein – was ich schön fand!

Haben die Schulen gut mitgezogen?
Ja, sehr gut! Wir hatten im Herbst 33 Schulen, die für das Audit zugelassen waren, von denen 29 Schulen das Audit auch durchgeführt haben. Meistens haben die Schulen selbst das Tool angeboten – es macht es für die Schule leichter, ein Tool zu verwenden, das sie schon kennt. Wenn das nicht geht, stellt die Jury oder das Projektteam das Tool. Einige Schulen fanden es zunächst nicht toll, machten aber mit. Schulen, die erst meinten, „da können wir gar nicht alles zeigen“, sahen, dass auch das gut funktioniert. Was wir noch nicht ausgetestet haben, ist ein Rundgang durch das Schulgebäude z. B. mit dem Tablet. Vielleicht probieren wir es aus, dann sollte ein Schüler oder eine Schülerin die Schule vorstellen und virtuell durchführen, damit es erlebbar ist.

Wie sind die Jurys klargekommen?
Nun, bei Veränderungsprozessen gibt es immer ein paar – wenige – Prozent, die nicht mitmachen, einige machen begeistert mit und viele schauen sich das Ganze offen an. Wir haben drei Austauschtermine für Juroren vorab angeboten, aus jedem Juryteam nahm mindestens ein Mitglied teil, da gab es die Möglichkeit Fragen zu stellen, dieser Austausch war sehr wichtig.

Wenige Jurymitglieder hatten sich also aus den Audits zurück gezogen, die große Mehrheit war aber bereit dazu und ist gut klar gekommen, auch nicht so technisch Affine. Dabei standen wir als technischer Support immer zur Verfügung und halfen bei Unsicherheiten. Wir haben alle viel gelernt, inzwischen sind wir recht versiert und können Tipps bei technischen Herausforderungen geben. Man muss gelassen bleiben und darf nicht zu ernst nehmen, wenn etwas Technisches nicht oder nicht sofort klappt. Wir kennen unser Netzwerk und wissen, wie der Stand ist. Jeder soll sich gerne melden, man findet Lösungen. Die Akzeptanz für digitale Audits und Termine im Allgemeinen ist gestiegen, und die Jury sieht auch eine Vorteil darin, dass die Anfahrtszeiten wegfallen. Im September fanden die Jury-Austauschtermine statt und im Oktober die Audits. Mittlerweile gibt es kaum noch Schwierigkeiten. Z.B.: Alle wissen inzwischen, dass sie sich anfangs stumm schalten, um Rückkoppelungen zu vermeiden – das muss man gar nicht mehr erwähnen.

Was muss man bei einem virtuellen Audit beachten?
Man braucht Zeit für einen technischen Einstieg und die Pausen – man sollte zumindest 15 Minuten früher anfangen, 10-Minuten-Pausen zwischen den Gesprächen einlegen. Es ist schöner, mit einem Video zu sprechen als mit einem Standbild, man hat eher das Gefühl, dass man wirklich mit einer Person spricht. Es ist menschlicher, als wenn man nur ein kleines graues Feld sieht.

Inhaltlich kann man alles querbeet fragen. Dokumente können eingesehen werden, indem die Schule ihren Bildschirm teilt oder sie im Vorfeld zur Verfügung stellt, z. B. hochlädt, man kann sie vor oder während des Audits anschauen. Natürlich geht es auch per Email, dabei muss die Schule auf den Datenschutz achten, oder sie hält die Dokumente beim Audit in die Kamera – als letzte Option. Wichtig ist, dass man Dokumente anschauen kann. Das Durchblättern geht nicht so wie gewohnt.

Klarmachen muss man sich, dass der Vertrauensvorschuss der Jury gegenüber der Schule beim virtuellen Audit größer ist als beim normalen Audit. Manchmal muss man annehmen, dass es diese oder jene Maßnahme tatsächlich in der Praxis gibt, wie beschrieben. Man merkt aber, ob etwas wirklich so umgesetzt wird, wenn man nachfragt und konkretere Informationen erfahren will.

Was in einem virtuellen Audit nicht möglich ist, ist jemanden einfach so zu befragen, wie einen Schüler auf dem Schulhof – man kann man nur die befragen, die von der Schule fürs Audit ausgesucht werden. Dies sind meistens Schülerinnen und Schüler, die sprachlich eher versiert oder reifer sind.

Hast du noch mehr Hinweise?
Die Planung ist genauso aufwendig wie beim Audit vor Ort, für die Schule wie für die Jury. Vorbereitung, Planung, Einladung, Programm, Durchführung fordern denselben Aufwand. Es ist auch nicht kürzer als das Vor-Ort-Audit, wie wir erst gedacht hatten, und die Gespräche sind genauso intensiv. Die beteiligten Personen sind ja auch dieselben. Der Zeitaufwand beträgt gut und gerne 3 Stunden. Mit Vor- und Nachbereitung kommt man auf etwa 6 Stunden.

Wir haben ein Infoblatt für Schulen zur Organisation des Audits erarbeitet, das auch die Jury erhält. Dabei sind auch Beispielprogramme vom letzten Jahre enthalten. Die Nachbesprechung der Jury ist genauso wichtig. Normalerweise wurde der Schule ein Raum von der Schule zur Verfügung gestellt, in dem sie sich im Vorfeld und im Nachgang des Audits besprechen kann. Jetzt sind es virtuelle Räume, sei es von der Schule zur Verfügung gestellt, oder man verabredete sich zu einem anderen Termin für eine Nachbesprechung, diese Besonderheit findet bei Vor-Ort-Audits nicht statt.

Das Ausfüllen des Feedback-Bogens findet direkt am Computer statt – früher wurden meistens handschriftliche Notizen gemacht. Da ist es mein Tipp mitzuschreiben, am besten direkt im Feedback-Dokument , das man parallel auf dem Bildschirm offen hat. Es erst handschriftlich zu machen und dann nachzutragen ist mühsam. Optimal schreibt man mit zwei Bildschirmen beim Audit mit, das ist einfacher und schneller. Und: Digitale Audits machen Spaß!

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