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Zentralabitur – Sommerloch oder Dauerbrenner?

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Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann forderte kürzlich ein „Zentralabitur“ – und seither melden sich täglich neue Stimmen zu diesem Thema zu Wort. Eisenmann, bekannt als leidenschaftliche Verfechterin des Föderalismus, fordert genau genommen ein bundesweites Abitur mit gemeinsamen Prüfungsaufgaben, auf das sich alle Länder in der Kultusministerkonferenz einigen (sollen). Dazu passt es, dass die Länder in der KMK zurzeit dabei sind, einen Staatsvertrag untereinander auszuhandeln, in dem es eben auch um die weitere Handhabung des Abiturs geht. Eisenmann will offenbar Druck erzeugen, dass es vorangeht …

Ein solches bundesweites Abitur mit einheitlichen Prüfungsaufgaben ist aber nicht ein Zentralabitur aus „Berlin“ oder vom „Bund“, wie es die CSU strikt zurückweist. Das ist nicht gemeint. Die zentralen Aufgaben und Vorgaben kämen aus der Kultusministerkonferenz, sprich aus dem Zusammenschluss der Länder. Der Bund, Bundesregierung, Bundesbildungsministerium haben gar keine Expertise in diesem Thema, es gibt keine Stabsstelle, Einrichtung, Behörde mit dem notwendigen Know-how. Auch der geplante „Nationale Bildungsrat“ wäre weder in der Lage noch gedacht. Befürchtungen aus Bayern schießen daher ebenso am Ziel von Ministerin Eisenmann vorbei wie Forderungen von Bundespolitikern nach einer Grundgesetzänderung.

Richtig ist allerdings, dass das Abitur vergleichbarer werden muss. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, wenn eine 1 in Baden-Württemberg wesentlich schwieriger zu erreichen als in Bremen, aber zulassungsbeschränkte Studiengänge auf Basis der Abiturnote – bis aufs Komma – über die Aufnahme entscheiden. Es ist auch eine Frage der Qualität – das Abitur beinhaltet in leistungsschwächeren Ländern einen geringeren Leistungsstand als in den stärkeren Ländern.

Andererseits hat die KMK die jetzt geforderten Bildungsstandards für das Abiturbereits 2012 beschlossen. Sie werden seit 2017 mit einem Aufgabenpool unterlegt. Die Länder können für ihre Abiturprüfungen aus dem Pool Prüfungsaufgaben nehmen, müssen es aber nicht – daher wird der Pool als unverbindlich kritisiert. Immerhin haben am 3. Mai 2019 alle Länder – außer Rheinland-Pfalz – die Abiturprüfung in Mathematik geschrieben. Ziel der KMK ist es, dass ab 2020 die Hälfte der Aufgaben aus dem gemeinsamen Pool genommen werden MUSS.

In der Debatte werden leider einige Dinge vergessen: Die Abiturprüfung macht nur ein Drittel der Abiturnote aus (1 Drittel Grundkurse – 1 Drittel Leistungskurse aus der gymnasialen Oberstufe). Je nach Land sind 4 oder 5 Fächer vorgesehen. Auch die Rahmenbedingungen sind unterschiedlich (Taschenrechner, Wörterbücher). Außerdem muss man sich auch einmal auf die Maßstäbe für die Benotung einigen. Liegen überall dieselben Kriterien zugrunde, dieselben Anteile an der Gesamtnote? Leistungsschwache Länder müssen die Unterrichtsqualität von Anfang an angehen und verbessern – nicht erst bei der Abschlussprüfung.

Für den Übergang von der Schule in den Beruf – sei es über Ausbildung oder Studium – sind aussagekräftige Abschlusszeugnisse auf hohem Niveau notwendig. Das muss auch für das Abitur gelten, und zwar bundesweit. In Deutschland braucht es eine bessere Sicherung von Qualität, Vergleichbarkeit und Mobilität. Im Interesse der Kinder, Eltern und Lehrkräfte – und auch der Betriebe.

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