Digitalisierung in der Berufsorientierung – gerne als Ergänzung und als future skill

  • 9. Mai 2022

Rekordzahl – an der Fachtagung „Wieviel Digitalisierung verträgt und braucht die Berufliche Orientierung?“ am 26. April 2022 nahmen rund 800 Personen teil! SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland und Bundesagentur für Arbeit hatten die Tagung gemeinsam virtuell veranstaltet. Gleich zum Thema passend: Eine solche Größenordnung wäre in einem physischen Präsenzformat nicht machbar gewesen … und es hätten sicherlich weit weniger Gäste die Reise auf sich genommen.

Den Wandel in der digitalisierten Arbeitswelt machten am Start die Zukunftsforscher Max Thinius und Thomas Schmidt in einem unterhaltsamen Dialog anschaulich: Wenn in Zukunft dezentrale Produktion, individuelle Arbeitstaktung und datengesteuertes Farming üblich sind, entstehen als neue Berufe vielleicht der „Auditor für Algorithmen“, die „Beraterin für lokale und urbane Farmen“ oder „Persönliche Datenmanager*in“…

Dabei ist die Digitalisierung in der Beruflichen Orientierung eher notgedrungen eingezogen. In der Pandemie mussten sich die Schulen digital organisieren, auch Praxiserfahrungen im Betrieb waren kaum möglich, so dass virtuelle Angebote schlagartig gefragt waren. Christina Ramb, BDA, lobte die Lehrkräfte, die sich im Lockdown rasch umgestellt hatten. Der Strukturwandel in der Wirtschafts- und Arbeitswelt sei durch eine zunehmende Digitalisierung geprägt – deshalb seien digitale Kompetenzen und future skills grundsätzlich angesagt und gehörten zu einer zeitgemäßen Beruflichen Orientierung. Schulen müssten digital besser ausgestattet werden. Die Erfahrung zeige aber auch, dass Bildung Bindung brauche und die persönliche Begegnung und Begleitung unersetzbar seien. Ohne Praktika im Betrieb werde zudem der „Klebeeffekt“ verfehlt, wenn Jugendliche mit schwächeren Schulleistungen sich im Praktikum bewähren und in Ausbildung übernommen werden.

Dr. Nicole Cujai bestätigte dies für die Bundesagentur für Arbeit; Mit dem digitalen Tool Check-You, Online-Materialien und virtueller Beratung habe man sich digital aufgestellt. „Berufenet“ zeige die Veränderungen von Berufen in der Zukunft. Arbeit werde in Zukunft nicht weniger, sondern anders, digitale Anteile an den Tätigkeiten wachsen, das spiegele sich jetzt schon in der Ausbildung. Daneben bleibe das persönliche Vertrauensverhältnis für die Beratung wichtig, so dass auf Dauer ein kluger Mix der verschiedenen Elemente gefragt sei.

Schülerinnen einer hessischen Gesamtschule sahen – in eingespielten Selfie-Videos – die Digitalisierung sehr positiv, zumal für Informationen, Materialien und Online-Tools, auch den Berufswahlpass und Gespräche; das solle auch so beibehalten werden, sie freuen sich aber auch auf praktische Erfahrungen mit „Anpacken“, „Schnuppern“ und direkten Erlebnissen.

In den Praxisimpulsen wurden unterschiedliche gute Beispiele präsentiert – besonders viele Gäste besuchten die „Berufliche Orientierung im Escape Room“ und die Vorstellung der Future Skills Box.  Gefragt waren auch die Digitale Projektwoche Hamburg, das Azubi-Speed-Dating von KOFA, die Digitale Berufsorientierungsmesse Halle/Saale, das virtuelle Schülerbetriebspraktikum der Telekom und die Checklisten zur Einschätzung von Berufsorientierungsangeboten.

Was die Entwicklung nun für die Berufsberatung bedeutet, erläuterten Prof. Jane Porath und Prof. Thomas Freiling, Hochschule der Bundesagentur für Arbeit. Mehr denn je werde in einer vernetzten und schnelleren Produktion Ideenmanagement gefragt sein, Planung und Kontrolle, menschliche Arbeit sei vor allem Wissensarbeit. Kompetenzen verschieben sich zu Fachwissen und Personalkompetenzen, auch IT-Kompetenzen; die Berufsorientierung verschiebe sich zu weniger Informationen und mehr Erlebnissen. Schließlich fasste Prof. Dr. Thorsten Bührmann die Tagung zusammen: Der Prozess der Orientierung, den junge Menschen durchlaufen, um sich selbst und ihren Weg in die Gesellschaft zu finden, ändere sich im Kern nicht, wenn es auch mehr „Wildwasser“ als „Schleusen“ im Strom gäbe. Insgesamt zeigten die Beiträge, dass digitale Angebote eher eine Ergänzung seien. Das Gesamtkonzept für die Angebote zu finden und die Prozessbegleitung für die Jugendlichen sicherzustellen, sei Aufgabe und Leistung der Schule. Was alle auch noch betonten: Berufsorientierung positiv angehen – und den Spaß nicht vergessen!

„Gute und kurzweilige Veranstaltung, super Redner, klasse, tolle Aufbereitung, auf den Punkt gebracht“ – danke für dieses Feedback der Teilnehmenden!

Ein paar Schnappschüsse …

Hessen: Kultusminister ehrt SIEGEL-Botschafterschulen

  • 4. Mai 2022

Die Auszeichnung der SIEGEL-Botschafterschulen konnte beim Netzwerktag 2020 und 2021 nur virtuell stattfinden – aber viele Träger haben die persönliche Übergabe der Plaketten an die Schulen im kleinen Rahmen vor Ort vorgenommen. In Hessen übernahm nun sogar Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz die Übergabe und Auszeichnung der SIEGEL-Botschafterschulen in der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Lorz unterstrich dabei ausdrücklich die Bedeutung der Beruflichen Orientierung: „Bei der Fülle an Möglichkeiten, die Schülern auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht, ist eine frühzeitige berufliche Orientierung wichtiger denn je.“ Dafür stehe das Berufswahl-SIEGEL, das in Hessen auch Gütesiegel heißt: „Unser Gütesiegel macht ausgezeichnete Berufs- und Studienorientierung an Schulen sichtbar und steht für eine flächendeckend hohe Qualität der Beratung“, so der Minister. Dies sei auch ein Beitrag zur Fachkräftesicherung der Zukunft.

SIEGEL-Schulen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Berufs- und Studienorientierung als wesentlichen Bestandteil im Unterricht verankert haben und über ein umfangreiches Netzwerk aus Kooperationspartnern wie Unternehmen, Berufsberatung und anderen verfügen, so dass Schülerinnen und Schüler berufliche Erfahrungen sammeln. In Hessen tragen zurzeit 117 Schulen das Berufswahl-SIEGEL.

Botschafterschulen 2020 und 2021 sind:

Herzlichen Glückwunsch!

Internatsschule Schloss Hansenberg
Kultusminister Lorz zeichnet die Schule für erstklassige berufliche Orientierung aus.

Internatsschule Schloss Hansenberg (© HKM)

Gallus Schule Gruenberg Foes
Kultusminister Lorz zeichnet die Schule für erstklassige berufliche Orientierung aus.

Gallus-Schule Grünberg (© HKM)

Goetheschule Gross Gerau Foes
Kultusminister Lorz zeichnet die Schule für erstklassige berufliche Orientierung aus.

Goethe-Schule Groß-Gerau (© HKM)

Schule Am Mainbogen Frankfurt Fechenheim
Kultusminister Lorz zeichnet die Schule für erstklassige berufliche Orientierung aus.

Schule am Mainbogen Frankfurt a.M. (© HKM)

Schulleitungen setzen auf mehr Lebenskompetenzen Schulleitungsstudie 2022

  • 20. April 2022

Schulleitungen möchten sich liebend gerne mit den zentralen Aufgaben an ihrer Schule beschäftigen – mit der Schulentwicklung, mit der Förderung der Lehrkräfte, mit dem Ziel, die Schülerinnen und Schüler gut vorbereitet ins eigene Leben zu entlassen. Stattdessen sind sie im permanenten Kampf um kleinteilige Aufgaben der Verwaltung, der baulichen Ausstattung ihrer Schule und der Digitalisierung. Das ist von fast allen Schulleitungen im Gespräch zu hören – die neue Schulleitungsstudie des Cornelsen-Verlags unter Leitung des bekannten Professors Klaus Hurrelmann hat diese Sicht von Schulleitungen jetzt einmal zusammengetragen. Schulleitungen sollen Brücken schlagen, sitzen dann aber oft zwischen allen Stühlen, sie fühlen sich eher gebremst als unterstützt.

Mehr Verwaltung als Entwicklung
Die Schulleiterinnen und Schulleiter verbringen mit administrativen Tätigkeiten einen Großteil ihrer Arbeitszeit – bei 54 Prozent gehen damit wöchentlich sogar mehr als 10 Stunden drauf. Aktuell befassen sich Schulleitungen vor allem mit Fragen der digitalen Ausstattung (67 Prozent), mit Sanierungen, Um- oder Neubauten (62 Prozent), mit der Digitalisierung des Unterrichts (58 Prozent) und der Suche nach Lehrpersonal (54 Prozent). Zumal angesichts der herausfordernden Pandemie ist es nicht erstaunlich, dass zum Befragungszeitpunkt im Herbst 2021 72 Prozent der Schulleitungen unzufrieden auf das Jahr zurückblickten. Dennoch sehen 52 Prozent optimistisch in die weitere Zukunft!

Kompetenzen fürs Leben – auch für die Arbeitswelt
Die überwältigende Mehrheit von 93 Prozent der Schulleitungen wünschen sich, dass im Unterricht mehr Lebenskompetenzen vermittelt werden, um die jungen Menschen auf das Erwachsensein und die Arbeitswelt vorzubereiten. Eine der weiteren Aufgaben von Schule sehen Schulleitungen in der Berufsorientierung – sie steht wie die Lebenskompetenzen für ein erweitertes Verständnis von Bildung und Lernen in der Schule.

88% der Befragten bejahen die Frage, ob Schule eine Berufs- und Arbeitsmarktorientierung bieten solle. Einige Schulleitungen meinen, es sei nicht das Ziel, spätere Abbrüche in der Berufs- und Studienwahl zu vermeiden, und setzen ganz auf Persönlichkeitsentwicklung. „Festzuhalten ist, dass eine an Berufsorientierung ausgerichtete Schule andere Vorstellungen über das Curriculum von Schule entwickelt“ (S. 46).

Bei den gesellschaftlichen Themen sind den Leitungsverantwortlichen insbesondere „Digitale Bildung und Mündigkeit“ (92 Prozent), „Gesundheit und Ernährung“ (90 Prozent) und „Demokratie“ (88 Prozent) wichtig. Die Chancengleichheit aller Schülerinnen und Schüler verstehen 97 Prozent der Schulleitungen als eine elementare Aufgabe und setzen zu 92 Prozent dabei auf individuelle Förderung.

Schule der Zukunft
Für die Zukunft wünschen sich die befragten Schulleitungen vor allem eine stärkere fächerübergreifende Verflechtung von Unterrichtsinhalten, auch mehr projektorientiertes Lernen. 82 Prozent setzen auf die Ganztagsschule als Leitmodell, insbesondere als Faktor für Bildungschancen. Schulleitungen wollen mehr Autonomie und Gestaltungsfreiheit – eine umfassendere Entscheidungsbefugnis bei Personalauswahl, Mitteleinsatz und Schulentwicklung bei klaren, einheitlichen und verlässlichen Rahmensetzungen durch die Bildungspolitik.

Deutscher Lehrkräftepreis – SIEGEL-Schulen sind gut vertreten

  • 4. April 2022

Die Gewinner des Deutschen Lehrkräftepreis stehen fest – dabei wurden auch Lehrkräfte aus Schulen mit Berufswahl-SIEGEL ausgezeichnet.

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Innovative digitale Berufsorientierung

Für besonders innovativen Unterricht gewannen Konrad Schaller und Anne Zeng vom Carl-von-Ossietzky-Gymnasium in Berlin den ersten Preis für das Projekt „Digitale Berufsorientierung“. Den äußeren Anstoß hatten die Zwänge der Schul­schließung im Lockdown gegeben: Die beiden Lehrkräfte an dieser SIEGEL-Schule entwickelten digitale Umsetzungen für die Kurs-Inhalte von „Studium & Beruf.“ Dabei gefiel der Jury besonders gut, dass eine hohe Aktivierung der Schülerinnen und Schüler erreicht werden konnte. Zum Projekt gehören zudem ein „Berufeblog“ mit Interviews von Expertinnen und Experten, der Podcast „Ausbildungsberuf“, Lernspiele zum Studien-ABC oder auch die Online-Veranstaltung „Schüler:innen fragen Studierende“.

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Vorbildliche Schulleitung

In dieser Kategorie wurden Micha Pallesche und Dominik König-Kurowski, Rektor und Konrektor der Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe in Baden-Württemberg mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Beide sind im Netzwerk Berufswahl-SIEGEL keine Unbekannten und haben schon bei Netzwerktagen – mit großem Zuspruch – referiert. Sie verstehen vor allem die Schulentwicklung als ihre Aufgabe und setzen dabei auf die Partizipation aller Beteiligten, auch des Quartiers und der Kooperationspartner. Auch in der Kategorie „Ausgezeichnete Lehrkräfte“ sind SIEGEL-Schulen vertreten.

Wettbewerb 2022 startet

Elf Lehrkräfte, vier Teams und vier Schulleitungen aus zehn Bundesländern wurden in der Wettbewerbsrunde 2021 ausgezeichnet. Wichtig: Es sind die Schülerinnen und Schüler, die eine Lehrkraft für den Preis „Ausgezeichnete Lehrkräfte“ vorschlagen, Lehrkräfte einer Schule können ihre Schulleiter oder Schulleiterin für „Vorbildliche Schulleitung“ nominieren, während für „Unterricht innovativ“ Lehrkräfte selbst ihre eigene Unterrichtsidee einreichen. Die neue Runde ist soeben gestartet: https://lehrkraeftepreis.de/

Träger des Wettbewerbs sind die Heraeus Bildungsstiftung und der Deutsche Philologenverband. Sie wollen mit der Auszeichnung die Leistungen von Lehrkräften und Schulleitungen würdigen und in den Vorder­grund der öffentlichen Wahrnehmung rücken. Als Schirmherrin konnte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger gewonnen werden.