Junge Menschen wünschen sich mehr Praxis im Betrieb

  • 24. November 2021

Jugendliche wünschen sich vor allem viel mehr Praxiserfahrung, wenn es um die Berufliche Orientierung in der Schulzeit geht. Ob Schülerinnen und Schüler, ob Auszubildende oder Studierende – in diesem Punkt waren sie sich absolut einig beim SCHULEWIRTSCHAFT-Festival am 18. November 2021. Es fand als Online-Event zum Thema „Berufliche Orientierung neu denken und machen“ statt. Dabei standen bewusst die Zielgruppen im Vordergrund: Schülerinnen & Schüler, Studierende und Auszubildende kamen so ausführlich zu Wort wie sonst selten! Und es war für alle Festival-Gäste spannend, viel von den jungen Menschen zu erfahren.

  • Die Auszubildenden wünschten sich ein breiteres Spektrum an Berufsfeldern bei den Praktika, biete ein Praktikum doch die beste Chance, in Tätigkeiten hineinzuschnuppern. Sie wünschten sich vor allem eine intensivere Vorbereitung und Begleitung durch die Lehrkräfte. Auch mit Absagen umzugehen wäre wichtig zu lernen. Es sollte noch mehr Kooperationen von Schulen und Betrieben geben, damit eine Vielfalt von Branchen kennengelernt werden kann. Themenwochen zu verschiedenen Ausbildungsberufen durchzuführen, war ein konkreter Vorschlag der Azubis, ein weiterer Vorschlag, bei Ausbildungsmessen nicht nach Unternehmen, sondern nach Berufen zu sortieren, damit sich nicht alles bei den „großen Namen“ drängele, sondern auch kleine Betriebe Chancen haben.
  • Bei den Schülerinnen war die Berufsorientierung durch die Pandemie erschwert; sie empfinden die Berufswahl auch als „Druck“, selbst wenn die Schule hilft. Den Girls‘ & Boys‘ Day fanden sie gut, auch den direkten Kontakt zu Auszubildenden z.B. bei der Berufsbörse ihrer Schule. Sie recherchieren selbst zu Berufsperspektiven in der Region und schreiben Unternehmen für Infos und Praktika an. Oft war ein gelungenes Praktikum der Durchbruch zum Berufswunsch.Praktisches zu tun verbinden die Schülerinnen mit glücklichen Momenten! Die Berufsberatung der Arbeitsagenturen ist nachrangig gegenüber Freunden und Familie; die Lehrkräfte empfinden das Wirken der Berufsberatung eindeutig als Entlastung. Die Mädchen wünschten sich noch mehr reale Einblicke in Ausbildungsberufe und mehr Vielfalt und schlugen eine „Woche der Berufe“ mit 10 Unternehmen aus der Region vor, mit unterschiedlichen und mit weniger bekannten Berufen. Auch Besuche von Betrieben in der Schule finden sie hilfreich, am besten wenn Azubis dabei sind.
  • Am Gymnasium hatten die Studierenden allgemein den Praxisbezug vermisst, auch im Unterricht, besonders gravierend aber in der Berufs- und Studienorientierung. Die Vorbereitung aufs Abitur stehe sehr im Vordergrund, dabei würden sie ein Praktikum in der Abiturzeit vorziehen, denn danach wird es wirklich ernst. Bewerbungsschreiben und Praktika aus Klasse 9 und 10 sind schon lange her. Die duale Ausbildung war kaum eine Perspektive, aber auch ein Hineinschnuppern in Vorlesungen an der Universität wünschten sie sich. In der Schulzeit seien Potenzial- und Stärkenanalysen wichtiger als jede Berufskunde. Auch Angebote von Externen sollte die Schule passgenau vermitteln oder auch zu weniger gängigen Wegen ermutigen. Praktika sollten aktives Mitmachen ermöglichen z.B. mit Bearbeiten einer Aufgabe, und viele Bereiche des Unternehmens zeigen.Die Berufsorientierung ziele oft auf „Angestelltenverhältnisse“ und solle mehr auch auf Selbstständigkeit hinweisen.
  • Die Rolle der Eltern bei der Beruflichen Orientierung nahmen die jungen Leute überwiegend positiv wahr, vor allem im Sinne einer Unterstützung im Hintergrund – nicht im Sinne eines Lenkens oder Drängens in eine bestimmte Richtung. Der berufliche Bereich, in dem die Eltern tätig sind, kann erste Orientierung bieten, man müsse aber auch Mut zur ganz anderen Entscheidung haben. Wenn Eltern in der Schule ihre Berufe vorstellen, könne ein einseitiges Bild entstehen, sind doch oft ähnliche Berufe vertreten. Eltern sollten Interesse zeigen, auch Tipps geben, aber keinen Druck aufbauen, sondern ihre Kinder selbst entscheiden lassen. Sie sollten seine Interessen akzeptieren, auch wenn sie diese nicht verstehen. Für nicht-akademische Eltern sind akademische Berufswünsche oft nicht nachvollziehbar. Gespräche nützen allerdings nur bei einem guten Verhältnis zueinander.
  • Auch die „Peer Group“ der Jugendlichen hat Einfluss auf ihre Berufswahl. Die Auszubildenden wie die Studierenden beim Festival fanden es hilfreich, sich in der Gruppe besprechen und reflektieren zu können, auch Wünsche zu überprüfen. Auch wenn man sich anders entscheide, blieben Freunde dennoch Freunde. Man müsse auch über die „peer group“ hinaus schauen. Für Abiturienten sei die Berufsberatung der Arbeitsagenturen oft nicht die Anlaufstelle, die Studienberatung an den Hochschulen wird eher genutzt, aber als distanziert und unpersönlich empfunden.

Unter der Überschrift SCHULEWIRTSCHAFT innovativ wurden neu gestartete Beispiele aus dem Netzwerk vorgestellt: Young Teachers‘ Network aus Baden-Württemberg, thinkTECH aus Thüringen und Next Step Hochfranken aus Bayern.

Der bekannte Experte für Berufs­­orientie­rung Prof. Dr. Tim Brüggemann lobte aus Forschungsperspektive die neuen Projekte. Besonders wirksam seien Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, die sich immer lohnten, ein Follow-up sei dabei wertvoll. Praxiserfahrung erhöhe die Wirksamkeit der Berufsorientierung enorm, dabei vor allem individuelle und vorbereitete Praktika. Auch für Eltern sei eine Fortbildung zur Berufsorientierung sinnvoll.

Am Schluss entstand aus den vielen gesammelten Ideen der Gäste ein Feuerwerk, das dem Thema Berufliche Orientierung neue Dynamik mitgeben wird!

Zu Beginn des Festivals hatten Christina Ramb für die BDA und Kerstin Vorberg für IW Junior die Bedeutung von SCHULEWIRTSCHAFT für die Fachkräftesicherung betont. Aus Nord, Süd, Ost und West waren Alfred Lumpe (Hamburg), Josef Schelchshorn (Bayern), Angela Papenburg (Sachsen-Anhalt) sowie Nils Grützner und Stephanie Vogel (Saarland) zugeschaltet.

Warum eine SIEGEL-Akademie –
Interview mit Prof. Dr. Thorsten Bührmann

  • 8. November 2021

Warum hat das Netzwerk Berufswahl-SIEGEL eine Akademie ins Leben gerufen und was ist die Idee dahinter?

“Das Berufswahl-SIEGEL ist mehr als eine Auszeichnung. Dies möchten wir mit der Einrichtung der Akademie deutlich machen. Unser Anliegen ist es dabei, Schulen zu unterstützen, ihre Maßnahmen der Beruflichen Orientierung weiterzuentwickeln und dadurch auch neuen Anforderungen (z.B. Digitale BO, Veränderung der Arbeitswelt) gerecht zu werden. Dafür haben wir zahlreiche Materialien und Angebote zusammengestellt, die wir durch die Akademie bündeln, systematisieren und sichtbarer machen. Allen Angeboten der Akademie liegt das bewährte und bundesweit praktizierte SIEGEL-Qualitätsmodell für gelingende Berufliche Orientierung zugrunde. So können sich Schulen beispielsweise gezielt Angebote der Bereiche heraussuchen, in denen im SIEGEL-Audit Entwicklungsbedarfe festgestellt wurden.”

Welche Angebote gibt es und wer sind die Zielgruppen der Akademie?

“Wir bieten in der Akademie Workshop- und Seminarangebote an, in denen wir vor allem solche Themen behandeln, die eine hohe Aktualität haben oder zentrale Zukunftsthemen betreffen. Dies sind z.B. Tools und Ansätze für digitale Formen der Beruflichen Orientierung, Tools zur Förderung von Zukunftskompetenzen bei Jugendlichen oder auch einen Blick in die Zukunft der Arbeitswelt. Wir möchten zudem die Einbeziehung von Nachhaltigkeit und Verantwortung als zentrale Werte beruflicher Entscheidungen fördern, sowie den Stellenwert von Unternehmergeist, Gestaltungs- und Innovationsfreude bei jungen Menschen. Zielgruppen sind dabei sowohl das Lehrpersonal der SIEGEL-Schulen als auch die Auditor*innen.
Außerdem werden über die Akademie Angebote zur Förderung und Begleitung der Schulentwicklung im Bereich Schulischer Berufsorientierung gebündelt. Dies geschieht beispielsweise durch den Aufbau einer „Good-Practice“-Datenbank mit exemplarischen guten Beispielen von berufsorientierenden Projekten der Schulen zur Inspiration für andere SIEGEL-Schulen. Dies geschieht auch mithilfe des Angebots von Wettbewerben für die Schulen, wie der SmartFilm Safari, der Durchführung von Netzwerktagen, dem SIEGEL-Day usw. Diese werden nun in der Akademie gebündelt.”

Welchen Stellenwert spielt bundesweite Vernetzung von SIEGEL-Schulen?

“Die bundesweite Vernetzung stellt die dritte Säule der Akademie dar. Deswegen sind die Angebote der Akademie grundsätzlich Bundesland- bzw. Regionenübergreifend. Es sollen sich hierbei nicht nur Schulvertreter*innen untereinander vernetzen, sondern auch die Auditor*innen. Diese stellen eine zweite wichtige Zielgruppe der Akademie dar. Wir bieten sowohl spezielle Angebote, die z.B. regional auch Teil der Auditorenschulung sein können, als auch Angebote, in denen Schulvertreter und Auditoren zielgerichtet in den Austausch kommen. Berufliche Orientierung ist ein komplexer Prozess, der von unterschiedlichen Akteuren gemeinsam gestaltet werden muss. Diesem besonderen Anspruch wollen wir mit unseren Akademie-Angeboten gerecht werden! „Gemeinsam – Zukunft – Gestalten“, so lautet unser zentrales Motto.”

Welche Perspektiven haben Sie für die Weiterentwicklung der Akademie im Blick?

“Wir befinden uns momentan in der Aufbauphase der Akademie. Wir möchten unsere Workshopangebote kontinuierlich ausbauen und benötigen dafür engagierte Partner, die Lust haben, sich mit konkreten Angeboten in die Akademie einzubringen. Zudem planen wir in Ergänzung zu unserem derzeit ausschließlich virtuellem Angebot in Zukunft auch Präsenz­veranstaltungen. Dafür steht uns derzeit schon der Harburger-Campus der MSH Medical School Hamburg zur Verfügung – eine ehemalige Seifenfabrik, die wir mit SIEGEL-Leben füllen wollen. Langfristig möchten wir bundesweit weitere Präsenzstandorte aufbauen. Denn, auch wenn Hamburg immer eine Reise wert ist, so wird die weite Anreise aus dem Saarland ggf. den einen oder anderen davon abhalten, ein Angebot wahrzunehmen.”

Herzliche Einladung zum SCHULEWIRTSCHAFT Festival am 18. November online

  • 1. November 2021

Am 18. November 2021, 14.00 bis 17.15 Uhr, findet das erste SCHULEWIRTSCHAFT-Festival statt – als Online-Event. Das Thema ist „Berufliche Orientierung neu denken und machen“.

Die Idee ist es, viele verschiedene Inputs einzubeziehen, neue Ideen zu entwickeln und für die weitere SCHULEWIRTSCHAFT Arbeit aufzugreifen.

Deshalb stehen die Zielgruppen diesmal im Vordergrund: Schülerinnen & Schüler, Studierende und Auszubildende diskutieren in eigenen Workshops, wie sie Berufliche Orientierung erlebt haben und wie sich eine gute Vorbereitung auf die Berufs- und Arbeitswelt vorstellen. Über das Diskussionsthema stimmen die Teilnehmenden ab: Wie sollte z.B. das Schülerbetriebspraktikum gestaltet werden, wie erleben sie die Kooperation Schule – Betrieb, nehmen die Eltern Anteil und welche Rolle spielt die peer group für die Berufs- und Studienwahl …?

Unter der Überschrift SCHULEWIRTSCHAFT innovativ werden neu gestartete Beispiele aus dem Netzwerk in Pitches vorgestellt: Dazu zählen das Young Teachers‘ Network aus Baden-Württemberg,

thinkTECH aus Thüringen und Next Step Hochfranken aus Bayern. In der Diskussionsrunde zwischen den Speakers aus den Workshops der ersten Runde – Schülerin, Studierende und Azubis – und den Pitches der zweiten Runde geben sich die Beteiligten gegenseitig Feedback. Außerdem kommentiert der bekannte Experte für Berufs­­orientie­rung Prof. Dr. Tim Brüggemann die Ergebnisse aus wissenschaftlicher Perspektive.

Zum Charakter als Festival trägt natürlich auch gute Unterhaltung bei – auf dem Festival-Platz kann man sich am Kiosk über das Netzwerk informieren, im Shop ein Festival-Souvenir kaufen und in der Lounge entspannt mit Bekannten und Unbekannten plaudern. In der Fotobox lässt sich ein lustiges Bild machen, am Hotdog-Stand geht es mit dem SIEGEL-Spiel um die Wurst, beim „Hau den Lukas“ sagt man mal so richtig die Meinung und pinnt einen Post an die Social Wall. Schließlich steigen im Fanclub die Luftballons!

Am Schluss entsteht aus den vielen gesammelten Ideen und Impulsen ein regelrechtes Feuerwerk, das der SCHULEWIRTSCHAFT-Arbeit und dem Thema Berufliche Orientierung neue Dynamik mitgibt!

Seien Sie dabei, wirken Sie mit, bringen Sie Ihre Erfahrungen und Perspektiven ein.

42 SIEGEL-Schulen in Bayern ausgezeichnet

  • 27. Oktober 2021

Berufsorientierung – ausgezeichnet! 42 Schulen in Bayern – 8 in Unterfranken, 16 in Schwaben und 18 in Niederbayern – wurden gestern mit dem Berufswahl-SIEGEL des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft ausgezeichnet. Die Schulen sind in besonderem Maß engagiert, wenn es um die Berufliche Orientierung ihrer Schülerinnen und Schüler geht. Sie kooperieren mit Betrieben vor Ort, vermitteln Praktika, ermöglichen Einblicke in die Arbeitswelt und geben den Jugendlichen Tools an die Hand, um eine kluge Berufswahl zu treffen. Die Verleihung des SIEGELs fand im Rahmen einer Online-Veranstaltung statt.

Im Einführungsteil hob auch Kultusminister Michael Piazolo die SIEGEL-Schulen lobend hervor. Nette Idee: Der Minister hielt nicht das übliche Grußwort, sondern stellte Fragen und hörte zu. Warum sich Schülerinnen und Schüler schwer tun mit der Berufswahl war eine solche Frage.

Jürgen Hollatz, Leiter der Berufsbildung Süd von Siemens, hatte in seiner Antwort viel Verständnis dafür: Junge Menschen treffen beim Übergang Schule – Beruf zum ersten Mal eine eigene und sehr wichtige Entscheidung, die zudem langfristige Folgen hat – geradezu eine „Monsteraufgabe“. Außerdem ist das Angebot an beruflichen Möglichkeiten sehr groß – was einerseits gut ist, es andererseits aber auch schwer macht. Gute Berufsorientierung an der Schule biete zunächst einmal Informationen, sodann Unterstützung bei der Entscheidungsfindung und drittens die Vernetzung mit außerschulischen Partnern.

Der zweite Gesprächspartner des Ministers, Roland Biebl, Ausbildungsleiter bei ZF in Passau, bekam die Frage, ob denn die SIEGEL-Schulen das alles leisten – ja, meinte Biebl, bei diesen Schulen falle auf, dass sie die Berufliche Orientierung fest verankert haben und dass sie gelebt werde. In SIEGEL-Schulen ist die „Last auf viele Schultern verteilt“ und seien die Lehrkräfte darüber hinaus auch persönlich sehr engagiert und mit Herzblut dabei.

Kultusminister Piazolo ermunterte abschließend die Schülerinnen und Schüler, weniger „unter Druck“ als vielmehr mit Optimismus und Freude an die Berufswahl zu gehen.

Welche Schulen im Einzelnen das SIEGEL erhalten haben, findet sich in der >Pressemitteilung.