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Nachwuchs über gute Praktika gewinnen

61 Prozent der Unternehmen gewinnen ihre Auszubildenden über Praktika. Wer ein Praktikum anbietet und sich dabei als attraktiver Arbeitgeber zeigt, hat also gute Chancen auf Nachwuchs im Betrieb. Im Webinar am 18. Januar 2024 wurden besonders gelungene Praxisbeispiele von Unternehmen gezeigt und „Tipps und Tricks“ für Praktika präsentiert.

Authentisches Erleben im Team

Bianca Rosenhagen, Rosenhagen GmbH bei Hannover, zeigte eindrucksvoll, wie das Familienunternehmen im Metallbau die jungen Menschen ins Team einbindet und echtes Mitarbeiten erleben lässt. Eine junge Frau, die eigentlich zur Hochschule weiterziehen wollte, blieb stattdessen sogar in der Firma. Wichtig: Die Praktikanten müssen klare Aufgaben haben, werden persönlich begleitet und sind ins Team integriert. Ausbildung und Praktikum sind Chefsache. Die jungen Menschen erleben reale Arbeitsabläufe, arbeiten „hands on“ und erfahren dabei auch Verantwortung. Bei gutem Verhalten sind Experimente nach eigener Laune erlaubt. „Es muss Spaß machen – den Praktikanten wie dem Team!“, so Bianca Rosenhagen, die auch wirtschaftsseitige Vorsitzende von SCHULEWIRTSCHAFT Niedersachsen ist.

Verantwortung erfahren

Lehrerin und BO-Fachberaterin Christin Richter schilderte das intensive Vorbereiten und auch Nachbereiten der Betriebspraktika in der Kopernikus-Oberschule Berlin. Schon durch die Fristeinhaltung werden die Jugendlichen zur Verantwortung angehalten. Der anschließende Bericht wird benotet und zählt im Abschluss. Die Kinder seien durch die Vielfalt oft überfordert, aus Panik wählen sie daher bekannte Angebote. Sie appellierte an die Betriebe, die Jugendlichen so zu nehmen, wie sie sind – Kinder machen sich, wenn sie wissen, was sie tun sollen. Viele Praktika seien sinnvoll – mit klaren Aufträgen und Strukturen. Die Kopernikus-Oberschule ist eine Schule mit Berufswahl-SIEGEL.

Lehrkräfte einbinden

Angela Papenburg, GP Günter Papenburg AG und wirtschaftsseitige Vorsitzende von SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland, zeigte den Wert von Unternehmenspraktika auch für Lehrkräfte: Sie können mit eigenen praktischen Erfahrungen die Entwicklung der Arbeitswelt besser wahrnehmen und weitervermitteln. Sie lernen Ausbilder kennen und vertiefen Kontakte zu Unternehmen vor Ort.

Tipps & Tricks

Will ein Unternehmen Praktika anbieten und mit der Kooperation starten, findet es dazu praktische Handreichungen und Checklisten auf der SCHULEWIRTSCHAFT-Website. Yvonne Kohlmann stellte den neuen Praktikums-Knigge vor, der Unternehmen Orientierung gibt. Donate Kluxen-Pyta verwies auf die Checklisten von SW & Bundesagentur für Arbeit zum Schülerbetriebspraktikum für Jugendliche, Schulen, Betriebe und Eltern. Online Praktikumsbörsen bieten konkrete Angebote:  www.schulewirtschaft.de/schuelerbetriebspraktikum/.

Moderatorin Christina Ramb, BDA, hielt als Fazit fest: Zu guten Schülerpraktika gehört die Wertschätzung auf beiden Seiten, ebenso die zielorientierte Vor- und Nachbereitung. Feedback ist wichtig für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Unternehmen und ihr Angebot. Sie appellierte an die Betriebe, alle Schularten in den Blick zu nehmen.

Praktika sind Königsweg in Ausbildung

Unternehmen finden ihren Nachwuchs am zielsichersten über Praktika. Dieser Weg ist auch deutlich erfolgreicher als auf Social Media zu setzen. Das zeigt die neue Publikation des Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) „Viel hilft viel?!“.

Dafür wurden Angaben von 1.600 Ausbildungsbetrieben aus dem Jahr 2022 analysiert. Ein spannendes Ergebnis war dabei auch: Betriebe, die vor allem auf Praktika oder Veranstaltungen setzten, erhielten zwar weniger Bewerbungen, aber sie konnten die Ausbildungsplätze dann eher wirklich besetzen – es kam also zum richtigen Matching.

Laut der Studie nutzten die Unternehmen in der Regel fünf oder sechs verschiedene Möglichkeiten, um Nachwuchs für sich zu gewinnen. Drei Viertel der Unternehmen setzen auf die Anmeldung bei ihrer örtlichen Arbeits- oder Jugendagentur. 70 Prozent setzen auf das Betriebspraktikum, also nehmen den direkten Weg zum jungen Menschen. Zwei von fünf Unternehmen verließen sich auf indirekte Wege wie Anzeigen oder Werbung. Letztlich, so stellt die Untersuchung fest, ist das Praktikum oder auch die Veranstaltung erfolgversprechender, sprich führt zu einem Ausbildungsvertrag. Das wird mit dem entstandenen persönlichen Kontakt zusammenhängen, nimmt das Studienteam an. Denn so können Unternehmen und Jugendliche besser einschätzen, ob sie zueinander passen.

Die Veranstaltungen dürfen dabei auch digital sein, das ist für die „Generation Z“ ein ganz normales und akzeptables Angebot.

Das Matching ist das Hauptproblem beim Ausbildungsmarkt – und Praktika das beste Mittel, um es zu lösen. Der Studie zufolge blieben 73.400 Ausbildungsstellen (13,4%) unbesetzt, während 63.700 (11,5%) der Jugendlichen keinen Ausbildungsplatz finden konnten.

BIBB Report:
Viel hilft viel?! – Welche Wege Betriebe nutzen, um Ausbildungsplatzbewerber/-innen zu finden und wie erfolgreich sie damit sind
Margit Ebbinghaus, Christian Gerhards, Philipp Heyer, Sabine Mohr

Heute auf die Arbeitswelt von morgen vorbereiten
Digital Insights – Lehrkräfte-Lounge 2023

Welche Fähigkeiten brauchen wir in der Arbeitswelt von morgen? Unternehmen stehen zurzeit in einem tiefgreifenden Strukturwandel, KI ist in aller Munde. Wie können Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler so für den Übergang in den Beruf vorbereiten?

Die Antworten der Unternehmen in der Lehrkräfte-Lounge Digital Insights am 23. November 2023 mögen überraschen – Jörg Matern, SIEMENS, und Anja Wölfel, SAP, hoben nämlich die sozialen und emotionalen Kompetenzen als absolut entscheidend hervor.

Mit Kopf, Herz und Hand im Team

Jörg Matern unterstrich, dass zwar einzelne Kompetenzen, aber mehr noch grundsätzliche Orientierung gefragt sei. Wie finde ich einen Beruf, der zu mir passt? Der „Kompass“ von Siemens knüpft an Pestalozzis Lernen mit „Kopf, Herz und Hand“ an:
Was weiß ich – was will ich – was kann ich? Zu oft werde dabei die Hand, sprich das praktische Umsetzen, vergessen. Dabei gehören auch kommunikative und kooperative Kompetenzen zum Umsetzen und zur „Hand“. Der Siemens-Jobfinder biete hier Berufsberatung und werde rege genutzt.

Anja Wölfel betonte, dass bei SAP alles im Team erarbeitet werde. Deshalb seien Kollaboration, Kooperation, Gruppen- und Projektarbeit gefragt. Ideen entstehen gemeinsam, dabei ist auch der Perspektivwechsel wichtig. Ziel sei die bestmögliche Lösung für den Kunden. Im Team seien Eigeninitiative und -verantwortung ebenso wie Flexibilität und Anpassungsfähigkeit gefordert. Woran es zurzeit bei jungen Menschen oft fehle, seien allerdings Verlässlichkeit und Verbindlichkeit.

Jutta Schneider von Helliwood Media & Education war für Microsoft dabei und stellte die Erweiterung der Future Skills Box vor. Die Außenwelt der Schule wandle sich rasant, aber die Schule komme nicht mit. KI werde eher negativ diskutiert, dabei biete sie gute Chancen für alle. In der Box zeigen Karten neue Berufe mit KI für die Zukunft.

Berufliche Orientierung am Parler-Gymnasium

An Digital Insights hat Dr. Doris Pfleiderer mehrfach teilgenommen. Die engagierte Lehrerin ist am Parler-Gymnasium Schwäbisch Gmünd für Berufliche Orientierung verantwortlich. Sie zeigte eindrucksvoll, wie sie die Jugendlichen heute schon auf eine digitale Arbeitswelt vorbereitet. Über Praktika hinaus gibt es feste Kooperationen mit Firmen und finden Berufsorientierungstage statt, an denen Unternehmen in die Schule kommen. Das Lehrerkollegium plant auf ihre Initiative hin eine gemeinsame Fortbildung zu KI. Das Gymnasium wurde wiederholt mit dem Berufswahl-SIEGEL ausgezeichnet – mit der Zertifizierung werde die Berufliche Orientierung verbindlich und binde alle ein, konnte Frau Pfleiderer bestätigen.

Digital Insights ist ein gemeinsames Programm der Schulnetzwerke MINT-EC, SCHULEWIRTSCHAFT und Berufswahl-SIEGEL mit den Unternehmen Microsoft Deutschland, SAP und Siemens. 2024 geht das Programm weiter!

Neu: Praktische Checklisten zur Einschätzung von Berufsorientierungsangeboten

Die Erwartungen an die Schule, eine systematische und praxisnahe Berufliche Orientierung durchzuführen, sind in den letzten Jahren zunehmend gestiegen. Dabei werden den Schulen viele Berufsorientierungsangebote von externen Anbietern unterbreitet – oft zu viele und nicht immer mit klar erkennbarem Mehrwert. Welches Angebot ist aber wirklich eine gute Ergänzung der bisherigen Beruflichen Orientierung? Welches Angebot sollte aufgegriffen werden und welches nicht, welches vielleicht? Was hilft den Schülerinnen und Schüler zusätzlich beim Übergang Schule – Beruf?

Die neue Checkliste von SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland und Bundesagentur für Arbeit ist genau dafür da, um diese Fragen zügig und zielgenau zu beantworten. Anhand der Liste kann die Schule prüfen und beurteilen, ob ein externes Angebot gut zu ihrem bisherigen Programm passt und es sinnvoll ergänzen würde – sei es in der Phase der Orientierung, der Entscheidung oder der Umsetzung der Berufswahlkompetenzen. Sicherlich wird kein Angebot alle Kriterien gleichermaßen erfüllen – entscheidend ist, worauf es der Schule im konkreten Fall ankommt und was sie genau braucht.

Der Wert eines externen Angebots orientiert sich vor allem an der Passung zum Profil und Konzept der Beruflichen Orientierung einer Schule. Daneben spielt auch eine Rolle, welche Erfahrungen die Lehrkräfte bereits mit Kooperationen haben und welche aktuellen Themen sich für die Schule gerade besonders intensiv stellen. Nicht zuletzt sind die curricularen Vorschriften des Bundeslandes wichtig oder auch Vorgaben zur Projektmittelförderung und zu Vereinbarungen mit weiteren Partnern, aber auch die Ressourcen spielen natürlich eine Rolle.

Für die Unternehmen gibt es eine eigene Checkliste: Unternehmen können anhand dieser Liste ihre Angebote so ausrichten und so darstellen, dass die Schule die Frage nach der Passfähigkeit rasch beantworten kann. Für die Berufliche Orientierung der Schülerinnen und Schüler sind Praxiserfahrungen in und mit Betrieben absolut zentral. Die Betriebe erhalten mit Praxisangeboten ihrerseits die Möglichkeit, junge Menschen auf Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten bei sich aufmerksam zu machen und Nachwuchs zu gewinnen. Wenn sie die Checkliste nutzen, kann die Schule besser erkennen und entscheiden, ob das betriebliche Angebot passt und die Zusammenarbeit Erfolg verspricht.

Ziel ist es, dass die Zusammenarbeit von Schulen & Betrieben gut gelingt und die Berufsorientierung gemeinsam gefördert wird!

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