Skip to content

Berufsorientierung mit Haltung: Was das Berufswahl-SIEGEL aus Sicht der Schulen wirklich bewirkt

Berufsorientierung ist mehr als ein weiteres Aufgabenfeld im Schulalltag. Für viele Lehrkräfte ist sie Herzenssache: Schülerinnen und Schüler dabei zu begleiten, ihren eigenen Weg nach der Schule zu finden, Selbstvertrauen zu entwickeln und realistische Perspektiven aufzubauen. Genau an diesem Punkt setzt das Berufswahl-SIEGEL an – und genau hier entfaltet es seine Wirkung.

Die Wirkungsanalyse des Berufswahl-SIEGELS BoriS in Baden‑Württemberg zeigt eindrucksvoll, warum sich so viele Schulen Jahr für Jahr erneut auf den aufwendigen Zertifizierungsprozess einlassen. Nicht, weil sie „müssen“, sondern weil sie den Mehrwert spüren. Viele berichten: Einmal SIEGEL – immer SIEGEL. Das Siegel wird nicht als Auszeichnung verstanden, die man einmal abhakt, sondern als ein Prozess, der Schule stärkt, zusammenführt und weiterbringt. So lautet ein zentrales Ergebnis der Wirkungsanalyse von Prof. Dr. Thorsten Bührmann und Femke Dumstrei, Hamburg, die sie 2025 im Auftrag der BoriS-Träger für Baden-Württemberg erstellt haben.

Das Landesteam des Berufswahl-SIEGELs Baden-Württemberg (BoriS)
Das Landesteam des Berufswahl-SIEGELs Baden-Württemberg (BoriS)

Wertschätzung für geleistete Arbeit

Was Lehrkräfte dabei besonders wahrnehmen, ist die Wertschätzung für das, was bereits von ihnen geleistet wird. Der Kriterienkatalog zwingt nicht in starre Vorgaben, sondern lädt dazu ein, konzentriert hinzuschauen: Was machen wir eigentlich alles schon in der Berufsorientierung? Was funktioniert gut? Wo haben wir vielleicht blinde Flecken? Für viele Schulen ist dieser Moment der Bestandsaufnahme ein Augenöffner – und zugleich eine Bestätigung. Denn plötzlich wird sichtbar, wie viel Engagement, Kreativität und Verantwortung bereits in der Arbeit steckt.

Strukturierung des Aufgabenfeldes

Gleichzeitig hilft der Zertifizierungsprozess, Struktur in ein sehr komplexes Feld zu bringen. Berufsorientierung wird planbarer, nachvollziehbarer und verbindlicher. Statt einzelner Projekte entsteht ein tragfähiges Gesamtkonzept, das von mehreren Schultern getragen wird. Viele Lehrkräfte erleben das als große Entlastung. Berufsorientierung ist dann nicht mehr das Thema weniger Einzelkämpfer, sondern eine gemeinsame Aufgabe des Kollegiums. Aufgaben lassen sich verteilen, Wissen bleibt erhalten, auch wenn Personen wechseln – und niemand hat mehr das Gefühl, allein „den Laden zusammenhalten“ zu müssen.

Jury = kritische Freunde

Besonders wichtig ist für viele Schulen die Rezertifizierung. Sie wirkt nicht als Kontrolle, sondern als ehrliche Einladung zur Reflexion. In den Gesprächen mit der Jury entsteht Raum, um innezuhalten, nachzuschärfen und neue Ideen zu entwickeln. Lehrkräfte beschreiben diesen Prozess als professionell, wertschätzend und ermutigend. Leitend ist die Frage: Was hilft unseren Schülerinnen und Schülern wirklich?

Ein weiterer, oft unterschätzter Effekt ist die Anerkennung. Die Auszeichnung mit dem BoriS‑ Berufswahl-SIEGEL macht sichtbar, dass Berufsorientierung Arbeit ist – und zwar anspruchsvolle und erfolgreiche Arbeit. Die Plakette an der Schule, die Auszeichnungsveranstaltungen, das positive Feedback von Eltern, Betrieben und externen Partnern: Alles dies stärkt den Rücken. Viele Lehrkräfte berichten, dass Berufsorientierung dadurch an Gewicht gewinnt – im Kollegium, gegenüber der Schulleitung und auch nach außen. Sie wird vom Randthema zum Teil des schulischen Selbstverständnisses.

Auszeichnung öffnet Türen

Das Siegel öffnet zudem Türen. Schulen mit Zertifizierung profitieren von stabileren Kooperationen mit Betrieben, Kammern, Hochschulen und der Agentur für Arbeit. Die Zusammenarbeit wird verbindlicher, verlässlicher und zielgerichteter. Für Lehrkräfte heißt das: weniger Zufall, mehr Qualität. Für Schülerinnen und Schüler bedeutet es mehr Praxisnähe, bessere Praktika, mehr Begegnungen mit der Arbeitswelt – und damit mehr Motivation und Sicherheit in der Berufsentscheidung.

Besonders eindrücklich ist, wie klar die Schulen den Nutzen für die Jugendlichen benennen. Durch das SIEGEL gibt es mehr Gelegenheiten, Berufswelt wirklich zu erleben. Mehr Betriebsbesuche, mehr externe Expertinnen und Experten im Unterricht, besser begleitete Praktika. Schülerinnen und Schüler sind aktiver, neugieriger und reflektierter. Sie erleben, dass Schule sie ernst nimmt – auch in Fragen ihrer Zukunft.

SIEGEL als lernendes System

Gleichzeitig macht die Wirkungsanalyse deutlich: Das Berufswahl-SIEGEL ist ein lernendes System. Lehrkräfte bringen zahlreiche Impulse für die Weiterentwicklung ein – etwa eine stärkere Sichtbarkeit von Inklusion, mehr kontinuierliche Begleitung statt punktueller Belastung oder neue Formen der Vernetzung und Anerkennung. Dahinter steht der Wunsch, das Siegel noch besser an den schulischen Alltag anzupassen und Schulen langfristig zu stärken.

Am Ende bleibt ein klares Bild: Das SIEGEL gibt den Lehrkräften Rückenwind für die Berufsorientierung. Es schafft Struktur, bringt Wertschätzung und erinnert daran, warum Berufsorientierung so wichtig ist: Weil es um junge Menschen und ihre Zukunft geht.

BoriS Berufswahl-SIEGEL Baden-Württemberg 2026
BoriS Berufswahl-SIEGEL Baden-Württemberg 2026

Berufliche Orientierung der Zukunft – Was junge Menschen jetzt brauchen

Die berufliche Orientierung befindet sich im Wandel – und mit ihr die Anforderungen an Schulen, Lehrkräfte, Eltern und alle, die junge Menschen auf ihrem Weg begleiten. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Transformation der Arbeitswelt und ein wachsendes Bedürfnis nach Sinn und Selbstbestimmung verändern, wie Jugendliche heute über ihre Zukunft nachdenken. Doch bei aller Dynamik bleibt eines gleich: Berufliche Orientierung ist ein persönlicher, oft intimer Prozess.

Wer spricht schon gern über Stärken und Schwächen, über Träume, Unsicherheiten oder Schulnoten? Umso wichtiger ist eine Atmosphäre, in der junge Menschen Vertrauen fassen können. Erst wenn sie sich sicher und wertgeschätzt fühlen, sind sie bereit, offen und kreativ über ihren Lebensweg zu sprechen. Diese Grundhaltung bildet den Rahmen für jede gute berufliche Orientierung – heute und in Zukunft.

Im Folgenden fünf zentrale Impulse, wie eine zeitgemäße und zukunftsfähige Berufsorientierung gelingen kann:

1. Digitale Kompetenzen frühzeitig fördern

Die Digitalisierung verändert nicht nur Berufe – sie ist längst selbst ein Berufsfeld. Jugendliche sind in der Regel offen und neugierig gegenüber allem Digitalen. Statt die Smartphone-Affinität kritisch zu problematisieren, können Schulen diese Neigung produktiv nutzen:

  • Grundlagen in IT und Medienkompetenz vermitteln
  • kreative Projekte mit digitalen Tools fördern
  • erste Einblicke in Programmiersprachen ermöglichen

So werden digitale Endgeräte nicht nur konsumiert, sondern aktiv gestaltet. Wer im jungen Alter erlebt, dass Technologie ein Werkzeug und keine Hürde ist, geht selbstbewusster in eine digital geprägte Arbeitswelt.

2. Zukunftsbranchen sichtbar machen

Viele Berufsbilder befinden sich aktuell im Wandel, neue entstehen – andere verschwinden. Gerade deshalb ist Orientierung wichtig. Zukunftssektoren wie:

  • erneuerbare Energien und Green Jobs
  • Technologie, KI und Cybersecurity
  • Gesundheit, Pflege und Bildungsberufe
  • Biotechnologie und nachhaltige Produktion

bieten enorme Chancen. Gleichzeitig bleibt auch das klassische Handwerk ein Bereich mit hoher Nachfrage und guten Perspektiven.

Hier können Berufsberaterinnen und Berufsberater der Arbeitsagenturen wichtige Expertise einbringen. Ebenso lässt sich Künstliche Intelligenz bereits heute sehr gezielt als Rechercheinstrument nutzen, um Jugendlichen aktuelle Einblicke in Berufstrends zu ermöglichen.

3. Soft Skills als Schlüsselkompetenzen stärken

Während Fachwissen schneller veraltet, bleiben Soft Skills beständig wertvoll. Kommunikation, Teamfähigkeit, Problemlösungskompetenz und Kreativität entscheiden immer häufiger über beruflichen Erfolg.

Jugendliche verfügen über weit mehr dieser Fähigkeiten, als ihnen bewusst ist. Projekte, Präsentationen oder praktische Übungen helfen dabei, diese Kompetenzen sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln. Eine moderne Berufsorientierung sollte daher nicht nur fachliche Leistungen betrachten, sondern auch persönliche Stärken anerkennen und fördern.

4. Praxiserfahrungen ermöglichen und begleiten

Nichts ersetzt echte Erfahrungen. Praktika, Ferienjobs, kurze Werkstatt-Tage oder Projektarbeiten bieten Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Interessen zu konkretisieren und erste berufliche Netzwerke aufzubauen. Sie lernen Arbeitsrealitäten kennen, können ausprobieren und besser entscheiden, was zu ihnen passt – und was nicht.

Begleitung ist dabei wichtig: Lehrkräfte und Beratende sollten bei der Suche nach passenden Angeboten unterstützen und die Erfahrungen der Jugendlichen reflektieren.

5. Flexibilität und lebenslanges Lernen positiv besetzen

Berufliche Orientierung endet nicht mit dem Schulabschluss. Die Arbeitswelt verändert sich rasant – und wer bereit ist, Neues zu lernen, bleibt anpassungsfähig und zukunftsfähig.

Viele Jugendliche fürchten jedoch nicht die Veränderung, sondern die Vorstellung, ein Leben lang „festgelegt“ zu sein. Hier braucht es eine neue Erzählweise: Lebenslanges Lernen ist keine Bedrohung, sondern eine Chance. Es eröffnet Gestaltungsspielräume, ermöglicht berufliche Entwicklung und schafft Sicherheit in einer Welt, die ständig im Wandel ist.

Fazit: Orientierung braucht Raum, Vertrauen – und Zukunftsblick

Berufliche Orientierung der Zukunft bedeutet nicht, Jugendliche möglichst früh auf einen Weg festzulegen. Sie bedeutet, ihnen den Raum zu geben, sich auszuprobieren, ihre Stärken zu erkennen und mutig eigene Entscheidungen zu treffen.

Mit digitaler Kompetenz, Kenntnis über Zukunftsbranchen, gestärkten Soft Skills, echten Praxiserfahrungen und einem positiven Verständnis von lebenslangem Lernen sind junge Menschen gut gerüstet für eine Arbeitswelt, die sich ständig weiterentwickelt.

Text: André Kamphaus

Berufliche Orientierung der Zukunft Einblicke aus gemeinsamen Webinar von DPhV BDA SCHULEWIRTSCHAFT

Webinar Berufliche Orientierung der Zukunft

Wie können Schulen Jugendliche auf eine Zukunft vorbereiten, die sich schneller wandelt als je zuvor? Was bedeutet zeitgemäße Berufliche Orientierung (BO) im Jahr 2026 – und wie sieht sie in den kommenden Jahren idealerweise aus?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt des gemeinsamen Webinars von Deutschem Philologenverband (DPhV), BDA und SCHULEWIRTSCHAFT am 4. März. Rund 300 Teilnehmende folgten den Impulsen aus Schule, Wirtschaft und Berufsberatung und erhielten vielseitige Einblicke in innovative Praxisansätze.

Ein neuer Blick auf die Berufliche Orientierung

Die Arbeitswelt der Zukunft stellt Jugendliche vor große Herausforderungen. Sie müssen sich in komplexen Zusammenhängen orientieren, digitale Werkzeuge sicher einsetzen und selbstbewusste Entscheidungen treffen. Gerade Gymnasien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie begleiten junge Menschen auf einem anspruchsvollen Weg, fördern ihre individuellen Talente und eröffnen ihnen ein breites Spektrum an Studien- und Berufswegen.

Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands, begrüßte die Teilnehmenden und hob die engagierte Arbeit der Lehrkräfte in der BO hervor. Durch das Programm führte Yvonne Kohlmann, Geschäftsführerin von SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland, und griff die Fragen der Teilnehmenden geschickt auf.

Zukunftsorientierte BO: Was Gymnasien heute schon tun können

Konrad Schaller und Anne-Christin Zeng, sind BO-Lehrkräfte am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium Berlin (Preisträger des „Deutschen Lehrkräftepreises – Unterricht innovativ“ 2021). Sie stellten ihr eindrucksvolles Konzept dar. In Jahrgang 12 gibt es z.B. eine eigene Projektwoche zur Beruflichen Orientierung für die baldigen Abiturienten.  Auch ein eigener BO-Kurs ist wählbar. Das Programm KLUGentscheiden stärkt die Entscheidungskompetenz.

Statt eine Klausur zu schreiben, erstellen die Jugendlichen ein Portfolio, wobei KI einbezogen werden darf.  Im Berufe-Blog interviewen die Jugendlichen ihre „Traumberufe“ und gewinnen so authentische Einblicke, inklusive der Bewertung durch ihre Peers. Unternehmen kommen gerne in die Schule – so die Erfahrung der beiden Lehrkräfte – und unterstützen z.B. beim Vorbereiten eines Bewerbungsgesprächs.

Großen Wert legt das Gymnasium darauf, die Ausbildung als berufliche Option zu verdeutlichen: Studium und Ausbildung seien gleichberechtigte Zukunftschancen. Aus gutem Grund wurde die Schule wederholt mit dem Berufswahl-SIEGEL ausgezeichnet.

Berufs- und Studienorientierung am Carl Von Ossietzky Gymnasium Berlin

Ein virtueller Escape Room als Tür zur Arbeitswelt

Josephine Krüger und Christina Schöne von NTT DATA Business Solutions zeigten, wie ein virtueller Escape Room Jugendliche auf spielerische Weise an Berufsbilder und Unternehmensprozesse heranführen kann. In der Simulation bewegen sich die Jugendlichen durch digitale Abbildungen der echten Unternehmensräume und lösen Rätsel, um ein Lösungswort zu finden.

Dieses Format sei wesentlich motivierender als jeder Vortrag: Die Jugendlichen erleben sich aktiv als Gruppe, entwickeln gemeinsame Strategien und erkennen, wie wertvoll Zusammenarbeit und logisches Denken sind. Gleichzeitig kann das Unternehmen beobachten, wie die Teilnehmenden vorgehen, kommunizieren und Probleme lösen – ganz ohne den Druck, „zu gewinnen“. Trotz des hohen Aufwands bei der Erstellung der Rätsel ist die Begeisterung der Jugendlichen ein deutlicher Beleg für die Wirksamkeit des Formats.

Escape Room zur Berufsorientierung

KI-Kompetenzen als Schlüssel für zukünftige Berufswelten

Jutta Schneider von Helliwood media & education betonte, wie entscheidend der kompetente Umgang mit Künstlicher Intelligenz für die Arbeitswelt der Zukunft sei. Es werde nicht die KI die Jobs übernehmen, sondern der Kollege und Kollegin, die KI gut einsetzen kann und kompetent ist. KI-Kompetenzen sind daher absolut wichtig.

KI kann helfen und unterstützen, macht das Arbeiten zügiger und effizienter. Dabei kommt es stets darauf an, dass Mensch und Maschine gut zusammenwirken – genau das muss gelernt werden. Jugendliche nutzen bereits intensiv KI – mehr als ihrer Lehrerinnen und Lehrer – , die Frage ist aber wie: Wird das gesamte Referat von der KI geschrieben oder lässt sich der Schüler von der KI Ideen für die erste Strukturierung geben? Gerade deswegen sei es notwendig, jungen Menschen Kompetenzen wie Prompt Engineering und kritische Mediennutzung beizubringen.

Über die Plattform www.it-fitness.de stehen Selbstlernangebote zur Verfügung, mit denen Jugendliche und Lehrkräfte sich eigenständig weiterbilden können.

Praxistipps für eine BO, die Jugendliche wirklich erreicht

Der Berufsberater Dr. André Kamphaus lenkte den Blick auf die Perspektive der Jugendlichen. Viele junge Menschen fürchten heute weniger Unsicherheit oder Veränderungen, sondern vielmehr die Vorstellung, sich ein Leben lang an einen einzigen Beruf zu binden. Ihre Bereitschaft, Neues auszuprobieren, sei hingegen groß.

Berufsorientierung sei etwas sehr Persönliches, geht es doch um Einblicke in die Persönlichkeit und was sie bewegt. Deshalb sei eine wertschätzende Atmosphäre wichtig. Jeder junge Mensch trage die Schlüsselkompetenzen in sich, es gelte nur sie ans Licht zu heben.

Besonders wichtig bleibe das schulische Praktikum, das Jugendlichen echte Einblicke in Arbeitswelten bietet. Für die Vor- und Nachbereitung empfiehlt er die gemeinsamen Checklisten von SCHULEWIRTSCHAFT und der Bundesagentur für Arbeit, die sowohl Schülern als auch Lehrkräften, Betrieben und Eltern Orientierung bieten.

Fazit

Das Webinar hat eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig und inspirierend moderne Berufsorientierung sein kann. Von projektorientiertem Lernen über spielerische digitale Formate bis hin zu KI-Kompetenzen und individueller Beratung – all diese Elemente tragen dazu bei, Jugendliche selbstbewusst und zukunftsfähig zu machen.

Für Schule und Berufsberatung bedeutet das vor allem, Mut zur Innovation zu haben und Jugendlichen zuzutrauen, ihren eigenen Weg aktiv und reflektiert zu gestalten.

„Uns geht’s gut!?“ – Psychische Gesundheit trifft Berufsorientierung

Die Bundesschülerkonferenz (BSK) hat eine Kampagne gestartet, die den Nerv der Zeit trifft: Unter dem Titel „Uns geht’s gut!?“ stellte Generalsekretär Quentin Gärtner kürzlich diese neue Initiative vor. Sie will auf die psychischen Probleme von Schülerinnen und Schülern aufmerksam machen und Handlungsempfehlungen an die Politik ableiten.

Seit der Corona-Pandemie hat sich die mentale Verfassung junger Menschen nicht mehr wirklich erholt – im Gegenteil ist sie nachhaltig gefährdet, wie zahlreiche Studien belegen. Gemeinschaftserlebnisse fehlen, die Lebensqualität leidet: 27 % der Jugendlichen geben an, sich schlecht zu fühlen, Einsamkeit ist ein zentrales Thema. Auch die globale Lage belastet die jungen Menschen: 39 % sorgen sich vor Kriegen. Die direkten Kosten psychischer Störungen beliefen sich laut dem Institut der deutschen Wirtschaft allein im Jahr 2023 auf 63 Mrd. Euro.

Dabei mangelt es nicht an Leistungsbereitschaft. Die sogenannte „Schaffer“-Generation will gestalten – sie will anpacken. Sie braucht dafür aber auch Unterstützung. Lehrkräfte sind gefragt, sie brauchen aber ihrerseits Konzepte, um mit den Herausforderungen auf Schülerseite umzugehen.

Quentin Gärtner war mit der Kampagne zu Gast bei der Herbsttagung des Netzwerks SCHULEWIRTSCHAFT in Berlin. Denn auch die Berufliche Orientierung muss sich dem Thema stellen – mit der Berufsorientierung wird es genau dann ernst, wenn Jugendliche mit sich selbst ringen und eher skeptisch in die Zukunft schauen. Was heißt das für die schulische Berufsorientierung, wie muss sie reagieren? So waren die Meinungen:

  • Mehr Praktika in der Schulzeit: Praxiserfahrungen sind für junge Menschen entscheidend. Es sollten mehr Praktika in der Schulzeit vorgesehen sein, um diese Erfahrungen zu ermöglichen.
  • Netzwerke statt Einzelprogramme: Es geht nicht um neue Maßnahmen, sondern darum, bestehende Strukturen zu stärken und Akteure sinnvoll zu vernetzen.
  • Projekte kritisch prüfen: Nicht alles, was gut klingt, wirkt auch nachhaltig. Skalierung erfolgreicher Ansätze und das Streichen ineffektiver Maßnahmen sind notwendig.
  • Schüler:innen als Expert:innen: Ihre Kompetenzen im digitalen Raum, ihre Selbstregulationsfähigkeiten und ihr Umgang mit sozialen Medien sind wertvolle Ressourcen.
  • Zuständigkeiten neu denken: Statt sich in der Frage „Wer ist verantwortlich?“ zu verlieren, sollte der Fokus auf „Was kann ich tun?“ liegen.
  • Kooperation mit der Wirtschaft: Erfahrungen aus Niedersachsen zeigen, dass Schülervertretungen teils skeptisch gegenüber wirtschaftlichen Akteuren sind. Dennoch gibt es Interesse an verbindlichen Kooperationsvereinbarungen – vielleicht auch zwischen BSK und SCHULEWIRTSCHAFT?!
  • Gute Beispiele: In Stuttgart wird bereits eine Schulgesundheitsfachkraft in der Schule eingesetzt – ein Modell, das Schule als Lebensraum ernst nimmt.

Die Diskussion zeigt: Bildung ist eine Standortfrage. Wenn junge Menschen psychisch stabil und beruflich orientiert ins Leben starten sollen, müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die neue Kampagne der BSK ist ein wichtiger Impuls – und hoffentlich der Beginn einer breiten Bewegung.

Zur Kampagne „Uns geht`s gut!?“

Zur Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zur ökonmomischen Bedeutung der psychischen Gesundheit:

An den Anfang scrollen