Unser SIEGEL-Blog

Berufsorientierung jetzt auch groß am Gymnasium? Interview mit Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing

  • 21. März 2019
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Susanne Lin-Klitzing ist Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), der die Lehrkräfte am Gymnasium vertritt. Sie hat selbst am Gymnasium unterrichtet und ist inzwischen an der Universität Marburg in der Lehrerbildung tätig. Wir haben ihr Fragen zur Beruflichen Orientierung am Gymnasium gestellt.

Foto: Monica Nedin – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, 69440233

Frage: Sie sagen, Aufgabe des Gymnasiums sei vor allem die „allgemeine Studierfähigkeit“. Was ist damit gemeint?
„Das Gymnasium als ein durchgängiger Bildungsgang ist geprägt von den – durch die KMK verabschiedeten – Zielen der Gymnasialen Oberstufe: vertiefte Allgemeinbildung, Wissenschaftspropädeutik und allgemeine Studierfähigkeit. Das sind auch nach Auffassung des Deutschen Philologenverbands die inhaltlichen Leitlinien des Gymnasiums…

Absolventinnen und Absolventen des Gymnasiums sollen in der Lage sein, an einer Hochschule mit Erfolg zu studieren. Gesellschaftlich ist jedoch eine Entwicklung festzustellen, die das Abitur nicht nur als Zugangsberechtigung für ein Hochschulstudium versteht, sondern vor allem als „multiples Eingangszertifikat“ für alle möglichen Berufswege“.

Frage: Wenn heute 40% der Kinder nach der Grundschule aufs Gymnasium gehen, werden diese nicht alle studieren. Muss es nicht auch auf die berufliche Bildung vorbereiten?
„Die Übergangsquote an das Gymnasium ist von 2006 bis 2016 von durchschnittlich 30 % auf 41 % angestiegen, in manchen Städten erreicht sie knapp 60 %. Das Abitur als Abschluss an verschiedenen Schularten wurde 2006 von 34 %, 2016 von 43 % erworben. Ein Studium wird aktuell von über 55 % der jungen Menschen aufgenommen.

Allerdings brechen mehr als 1 Drittel ihr Studium ab. Die nicht am Gymnasium erworbenen Hochschulzugangsberechtigungen ermöglichen genauso die direkte Aufnahme eines Hochschulstudiums wie das an einem Gymnasium erworbene Abitur, allerdings stammt der prozentual größte Anteil der Studienabbrecherinnen und -abbrecher aus der Gruppe der nicht-gymnasialen Hochschulzugangsberechtigten.

Aus meiner Sicht ist hier in allererster Linie eine frühere, konsequente und leistungsorientierte bildungspolitische Steuerung der Studien- und Berufsbedarfe auf der Basis einer Gleichwertigkeit, aber nicht Gleichartigkeit der beruflichen und allgemeinen Bildung nötig, die Hand in Hand mit einer Aufwertung der beruflichen Bildung geht.

Dazu gehört ein frühzeitiges und professionelles Informationsangebot über Schul- und spätere Berufsmöglichkeiten für die Eltern, die über die Beschulungs- und Berufswege ihrer Kinder (mit-) entscheiden.…

Frage: Gymnasien tun sich teilweise schwer mit der Berufsorientierung. Wie kann man es ihnen leichter machen?
„Jede/r soll das tun, was er kann: Gymnasiallehrkräfte sind keine Experten für Berufsvorbereitung und müssen es aus meiner Sicht auch nicht werden, eine schulartspezifische Studien- und Berufsorientierung gehört aber dazu… Wenn Sie mich fragen, was einer guten Studien- und Berufsorientierung dient, dann spreche ich mich für gute Kooperationskonzepte zwischen passenden schulischen und außerschulischen Partnern aus, in denen jeder genau das tut und vermittelt, was er am besten kann.

Frage: Würden Sie das Berufswahl-SIEGEL Ihren Kolleginnen und Kollegen weiterempfehlen?
Ja, auf jeden Fall – und das mit vielen guten Gründen! ….

> Das Interview im vollen Wortlaut findet sich hier.

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Für gelungene berufliche Orientierung am Gymnasium gibt es viele gute Beispiele. SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland hat sie gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit zusammengestellt:

> Hier können Sie sich die Broschüre als PDF runterladen.

Eltern als „Herausforderung“ versus „Eltern erwünscht“

  • 18. März 2019

Nicht nur der Mangel an Personal und die Aufgabe der Inklusion, sondern auch die Zusammenarbeit mit den Eltern stellen für Lehrerinnen und Lehrer derzeit eine der „größten Herausforderungen“ im Arbeitsalltag dar. Auch das „Verhalten der Schülerinnen und Schüler“ gaben 23 Prozent der Lehrkräfte in der aktuellen Forsa-Umfrage als eine der größten Herausforderungen an, gefolgt von der Inklusion (22 Prozent), aber eben auch mit 21 Prozent die Kommunikation und Kooperation mit den Eltern.

Dies betrifft vor allem die Grundschulen: Ein Drittel der Lehrerinnen und Lehrer an der Grundschule sieht hier eine der größten Herausforderungen, an den weiterführenden Schulen der Sekundarstufe I ist es nur noch jede fünfte Lehrkraft. Anders als man meinen könnte, empfinden die Lehrkräfte am Gymnasium nur zu 15 Prozent die Eltern als derart herausfordernd.

Die repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung findet sich im „Deutschen Schulportal“ im Februar 2019. Bundesweit wurden 1.001 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen offen befragt.

> Hier gehts zur Umfrage.


Leitfaden „Eltern erwünscht!? Wie Zusammenarbeit in der Berufs- und Studienorientierung gelingen kann“
In der Berufs- und Studienorientierung haben gerade die Eltern eine maßgebliche Rolle als Ratgeber ihrer Kinder – oft sind sie sogar die wichtigsten und ausschlaggebenden Ratgeber.

Inzwischen werden sie denn auch mehr denn je in die Berufliche Orientierung einbezogen; sie werden in der Schule umfassend informiert und sogar zu Betriebsbesichtigungen mit eingeladen. Den Übergang Schule – Beruf können Eltern bei ihren Kindern in der Tat sehr wirksam unterstützen. Die Elternmitwirkung kann und soll dazu beitragen, dass Jugendliche beruflich erfolgreicher und zufriedener sind, dass sie seltener ihre Ausbildung bzw. ihr Studium abbrechen und am Ende auch die Unternehmen ihren Fachkräftebedarf sichern können.

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Eltern so anzusprechen, dass sie motiviert sind, sich aktiv in den Berufs- bzw. Studienwahlprozess ihrer Kinder einzubringen, ist allerdings keine leichte Aufgabe. Hilfestellung bietet der Leitfaden zur Elternarbeit von SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland und der Bundesagentur für Arbeit. Er wendet sich an engagierte Akteure wie Lehrkräfte, aber auch an Aktive in Beratung, Schulsozialpädagogik oder Berufseinstiegsbegleitung. Praxisbeispiele geben Anregungen, was Eltern bei der Berufs- und Studienwahl ihrer Kinder interessiert, wie sie angesprochen, für eine Unterstützung motiviert und wie ihnen Inhalte wirksam vermittelt werden können.

> Hier können Sie sich den “Leitfaden Elterarbeit” als PDF herunterladen.

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Auch die Checklisten „Schülerbetriebspraktikum“ von SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland und Bundesagentur für Arbeit bieten etwas für die Eltern – mit einer eigenen Checkliste, was Eltern im Schülerbetriebspraktikum tun können (Seite 23 bis 26).

> Hier können Sie sich die “Checklisten für ein erfolgreiches Schülerpraktikum” als PDF herunterladen.

Herzlich Willkommen zum neuen Newsletter 2019

  • 14. März 2019
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Unser Newsletter vom März 2019 bietet wieder viele interessante Themen wie z.B. …

  • Berufsorientierung ganz groß jetzt auch am Gymnasium?
  • Nach dem Abi in Ausbildung oder Studium? Der Faktor X
  • PROFILehrkraft Berufsschule – neues Tool jetzt online!
  • HANDWERKSTATT– Schullandheim legt Hand an
  • und unseren aktuellen COMIC-Strip

Außerdem gibt es wieder aktuelle Termine rund um die Berufliche Orientierung und das Berufswahl-SIEGEL.
Einfach mal reinschauen!

> hier zur Webversion des Newsletters

Digitale Medien im Unterricht – es fehlt nicht am Willen, sondern an Technik

  • 14. März 2019

netzwerk-berufswahlsiegel-Blog-Digitale-Medien-im-UnterrichtIn der öffentlichen Debatte hört es sich oft so an, als wollten Lehrerinnen und Lehrer einfach nicht, seien zu wenig aufgeschlossen für Neuerungen wie die Digitalisierung. Das Gegenteil ist der Fall! Die Mehrheit der Lehrkräfte würde gerne – es fehlt aber an einer funktionierenden Ausstattung mit digitaler Technik an den Schulen.

Lehrkräfte vermissen zudem gute Angebote in der Aus- und Weiterbildung zum Thema Digitalisierung. Kein Wunder also, dass sie Deutschland bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich als „abgehängt“ wahrnehmen. So zeigt es die repräsentative Lehrerbefragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, die Bitkom auf seiner großen Konferenz am 12. März präsentierte.

Über die Hälfte der befragten Lehrkräfte möchte häufiger digitale Medien nutzen, allerdings mangelt es an Geräten. Wenn sie vorhanden sind, klappt aber oft die Technik nicht. In fast allen Schulen finden sich zwar Beamer, Notebook und PC, aber nur in einzelnen Fachräumen. Das gilt auch für interaktive Whiteboards. Rund 30 Prozent der Schulen verfügen inzwischen über Tablets. Das Smartphone spielt im Unterricht praktisch keine Rolle, es wird eher in Ausnahmefällen eingesetzt.

Mehrheitlich bewerten die Lehrerinnen und Lehrer die digitale Ausstattung ihrer Schule mit einem „befriedigend“, Note 3. Bei technischen Problemen sehen sich viele alleingelassen: Mit 74 Prozent vermisst ein hoher Anteil schnelle Abhilfe bei Bedarf.

Vorbereiten auf das Arbeiten in der digitalen Welt
Den Sinn und Zweck digitaler Medien im Unterricht bewerten die befragten 500 Lehrkräfte ambivalent: Einerseits seien die Schülerinnen und Schüler dadurch motivierter, Inhalte und Zusammenhänge werden anschaulicher, meinen 88 bzw. 87 Prozent in der Bitkom-Umfrage. „Schülerinnen und Schüler werden auf das Leben und Arbeiten in der digitalen Welt vorbereitet“, sagen 56 Prozent. Neue Chancen der individuellen Förderung sehen dagegen nicht viel mehr als die Hälfte der Lehrkräfte. Als Nachteile befürchten sie den Verlust der Schreibkompetenzen der Jugendlichen, die Versuchung zum schnellen Kopieren aus dem Internet und den Verlust konzentrierten Lernens.

Die Lehrerschaft ist weiterbildungsfreudig: Rund 80 Prozent haben im letzten Jahr an einer Weiterbildung teilgenommen. 85 Prozent hätten gerne eine Weiterbildung gezielt für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht, auch als Blended-Learning-Angebot. 78 Prozent meinen sogar, Fortbildungen zu digitalen Themen sollen verpflichtend sein. Drei Viertel fordern eine bessere Vorbereitung im Lehramtsstudium auf den Einsatz digitaler Medien.

 

> Hier geht es zur bitcom Presseinformation.