Schüler wollen mehr Berufsorientierung in der Schule

  • 4. August 2020

Die Bundesschülerkonferenz hat auf ihrem Treffen in Berlin eine Positionierung zur Berufsorientierung in der Schule verabschiedet. Berufliche Bildung sei nicht weniger als das Fundament des weiteren Lebensweges und deshalb sehr wichtig. „Schüler aller Schularten in Deutschland sollten obligatorisch an verschiedenste Berufsfelder herangeführt werden“, deshalb seien die verpflichtenden Schülerbetriebspraktika sinnvoll.

Mehr Zeit für Schülerpraktika

Die Bundesschülerkonferenz sieht aber noch „Potenzial in der Verlängerung des Zeitraums für verpflichtende Schülerbetriebspraktika“, ohne dass der Umfang genau vorgeschrieben werden sollte – Hauptsache, man hat und nutzt die Möglichkeit, verschiedene Berufe und Berufsfelder kennenzulernen. Handlungsbedarf besteht offensichtlich auch bei der Evaluation der Praktika, wenn die Bundesschülerkonferenz eine Vor- und Nachbereitung sowie „eine Evaluation oder Reflexion der jeweiligen Praktika“ fordert, die eigentlich längst überall Realität sein sollten. „Schüler sollten die Gelegenheit zum Austausch der gesammelten Erfahrungen bekommen, um voneinander profitieren und lernen zu können.“ Auch das ist ein Effekt der Nachbereitung im Unterricht.

Damit die Berufliche Orientierung systematisch angegangen und umgesetzt wird, fordert die Bundesschülerkonferenz, „dass an weiterführenden Schulen in Deutschland die Funktionsstelle eines Koordinators für Berufliche Orientierung etabliert wird“. Dieser sollte zudem individuell auf die Jugendlichen eingehen und sie beraten. Berufsorientierung in Richtung Ausbildung halten die Schülervertretungen auch an den Schularten für angesagt, die zur Hochschulreife führen.

Gut, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema befassen und Forderungen stellen – schließlich geht es um sie und ihre Lebenschancen!

Gedämpf­ter Opti­mis­mus der Jugend­lichen in Corona-Zeiten

  • 30. Juli 2020

Wie blicken junge Menschen in Corona-Zeiten in ihre Zukunft, und was heißt das für die Berufs- und Studienorientierung? Jugendliche zeigen sich heute gedämpft-optimistisch, sie sind ernster und besorgter geworden. Das zeigt die aktuelle SINUS-Studie  „Wie ticken Jugendliche?“ im Juli 2020. Hedonismus mit „fun and action“ nimmt ab, Jugendliche brauchen viel Zeit für sich selbst und zum „Chillen“. Die Meisten wünschen sich eine „bürgerliche Normalbiografie“, wollen in der Mitte der Gesellschaft ankommen, sie sehen Halt, Orientierung, Zugehörigkeit positiv.

Im Blick auf die Berufswahl haben für die Mehrzahl von ihnen Freude an der Arbeit, Selbstverwirklichung, ein abwechslungsreicher Arbeitsalltag sowie ein positives Arbeitsumfeld hohe Priorität. Der spätere Beruf soll Spaß machen, aber auch gutes und sichere Lebensverhältnisse ermöglichen – das ist wichtiger als Status und Karriere. Nicht nur Weiterentwicklung und Sinnstiftung sind gefragt, sondern auch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben mit Familie und Freundeskreis sehr wichtig.

Bildungsferne junge Leute haben durchaus existentielle Sorgen, für sie ist der Übergang ins Arbeitsleben auch angstbesetzt. Teilweise sorgen sich auch bildungsnahe Jugendliche, weil sie hohen Leistungsdruck erwarten und Misserfolge fürchten. Leistungs- und Konkurrenzängste sind unter Jugendlichen weit verbreitet.

In der Schule ist die Berufsorientierung für viele junge Menschen – noch – kein Thema ernsthafter Beschäftigung, zumal wenn der Abschluss noch weit weg ist. Viele sind aber auch unsicher, was ihre Stärken und Interessen angeht, und wissen nicht, was zu ihnen passt. Zudem macht es die Vielfalt an beruflichen Möglichkeiten nicht immer einfach. Junge Menschen, die traditionell-bürgerlich orientiert sind, machen sich am frühesten Gedanken über ihre Zukunft. Sie schauen eher nach etablierten Berufen und lassen sich beraten. Jugendliche aus prekären Lebenswelten machen sich dagegen wenig Gedanken, haben keine Lust dazu und auch keine Vorstellung. Die kleine postmateriell eingestellte Gruppe hat zwar konkrete Vorstellungen einer sinnstiftenden Tätigkeit, mit der sie sich und die Gesellschaft weiter entwickeln wollen – gerade deshalb wird die Berufswahl aber als schwierig gesehen.

Wie sehen die Jugendliche die Schule? Sie fühlen sich im Allgemeinen dann wohl, wenn sie gut eingebunden sind, gute Beziehungen zu den Lehrkräften haben und sich aktiv beteiligen können. Sie vermissen Möglichkeiten der Mitbestimmung – Schule wird als eine statische, nicht gestaltbare Eirichtung wahrgenommen.

Der Count­down läuft – Bewerbungen für Arbeit­geber­preis und SCHULE­WIRT­SCHAFT-Preis enden im August

  • 20. Juli 2020

Noch bis zum 16. August 2020 können sich SIEGEL-Schulen für den Deutschen Arbeitgeberpreis für Bildung 2020 bewerben. Thema: „Geht nicht – gibt’s nicht! Bildungs­­einrich­tungen zeigen und fördern Problem­­löse­­kompetenz.“

In der Kategorie „Schulische Bildung“ haben zuletzt SIEGEL-Schulen das Rennen gemacht. Der Preis ist mit 10.000 € dotiert und wird am 26. November 2020 beim Deutschen Arbeitgebertag in Berlin feierlich verliehen.

Die Kompetenz, Herausforderungen aufgeschlossen und innovativ zu begegnen, ist für Unternehmen eine sehr gefragte Fähigkeit – gerade in der heutigen agilen Welt. Wer über Problemlösekompetenz verfügt, kann sich schnell auf neue Situationen einstellen, denkt kreativ und handelt zielorientiert. Um erfolgreich zu sein, müssen auch Bildungseinrichtungen Problemlösekompetenz beweisen – nicht zuletzt bspw. in der Corona-Krise. Davon profitieren auch die Lernenden. Zeigen Sie, wie Sie mit Problemen erfolgreich umgehen!

Alle Infos unter www.arbeitgeberpreis-fuer-bildung.de.
Die Auschreibungskriterien gibt es hier als PDF-Download.

Bis zum 31. August ist noch Zeit, sich für den SCHULEWIRTSCHAFT Preis 2020 zu bewerben.

Alle Infos unter www.schulewirtschaft-preis.de.

Gesucht sind herausragende Schulen, auch Unternehmen und Verlage, die für ihr Engagement an der Schnittschnelle Schule-Beruf prämiert werden sollen. Der Wettbewerb unter dem Motto „Das hat Potenzial!“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

SIEGEL-Schulen können sich gerne bewerben oder ihre Partnerunternehmen darauf aufmerksam machen:

  • SCHULEWIRTSCHAFT-Digitale Bildung: Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen, durch die Jugendliche Einblicke in die digitale Welt des 21. Jahrhunderts und die berufliche Orientierung in einer digitalen Gesellschaft erhalten.
  • SCHULEWIRTSCHAFT-Unternehmen & SCHULEWIRTSCHAFT-Starter: Unternehmen, die einen vorbildlichen Einsatz für die berufliche Orientierung junger Menschen zeigen. Auch Unternehmen, die nicht im Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT aktiv sind, sich aber für den Übergang Jugendlicher von der Schule in die Arbeitswelt engagieren, können sich bewerben.

Die Preisverleihung findet am 3. Dezember in Berlin statt. Eine Jury aus Bundeswirtschaftsministerium, Hochschule und Schule sowie Wirtschaft wählt die Preisträger aus.

Soziale Berufe werden bei Jugendlichen attraktiver

  • 8. Juli 2020

Jugendliche sind durch die Corona-Krise jetzt stärker an Berufen in der Pflege und der Kinderbetreuung interessiert. Diese systemrelevanten Berufsfelder sind in den Krisen-Monaten neu in den Blickpunkt gerückt. “Indem Berufe im Bereich Gesundheit und Soziales nun prominenter im öffentlichen Rampenlicht stehen, verschiebt sich das Bewertungsraster von Berufsfeldern, d.h. die Einschätzung, welche Berufsgruppen in der Gesellschaft hohe Anerkennung genießen“  und geraten „stärker in das Blickfeld von Jugendlichen, die sich bislang weniger mit diesem Feld auseinander gesetzt haben“. So stellt das renommierte SINUS-Institut in seiner aktuellen Studie „Kindertagesbetreuung und Pflege – attraktive Berufe?“ für das Bundesfamilienministerium am 7. Juli 2020 fest.

24 Prozent der über 1000 befragten Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren kann sich vorstellen, in der Kindertagesbetreuung zu arbeiten,, 21 Prozent in der Pflege. Alter von 14 bis 20 Jahren, repräsentativ für ganz Deutschland befragt. Jugendliche sind grundsätzlich motiviert und optimistisch: Sie wollen beruflich etwas bewirken und gestalten, dabei aber auch Perspektiven gewinnen und sich weiterentwickeln. Eine Karriere ist ihnen zwar wichtig, aber überhaupt kein Selbstzweck, sondern Mittel zur Verwirklichung. Bei der Berufswahl sind die Eltern die zentralen Ratgeber, aber auch Freunde sind wichtig als „Inspirations- und Informationsquelle sowie sozialer Spiegel“. Angesichts der aktuellen Lage sehen die Jugendlichen eine eher ungewisse Zukunft mit vielen Fragezeichen vor sich. Nicht zuletzt hat sich dadurch die Wahrnehmung von Berufsfeldern und ihrer Anerkennung in der Gesellschaft gewandelt. Der Bedarf an Fachkräften ist in der Kinderbetreuung wie in der Pflege enorm und wächst zurzeit weiter – also eine gute Chance in unsicheren Zeiten! Allerdings müssen dann auch Attraktivitätsfaktoren wie Wertschätzung und Entwicklungsmöglichkeiten im Beruf auch wirklich realisiert werden.

> PDF-Download der Befragung des SINUS Instituts

Grafik: SINUS-Institut