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Digitale Schule – überfällig oder nur modischer Hype? Medienbegeisterte Ministerin diskutiert mit skeptischem Historiker

Schulen sollen digital werden. Muss das überhaupt sein – ist die Schule der Zukunft nur digital zu denken, oder ist die aktuelle Hektik bloß ein vorübergehender Hype? Auf einer Veranstaltung im Haus der Deutschen Wirtschaft diskutierten dazu Staatsministerin Dorothee Bär, Digitalisierungsbeauftragte der Bundesregierung, und der Historiker Prof. Dr. Andreas Rödder, Universität Mainz.

Dorothee Bär sah die Lage „ernst, aber nicht hoffnungslos“.  Sie mahnte, voran zu machen, loszulegen und lieber Fehler zu machen als gar nichts zu probieren. Es sei ungut, dass Angstmacher und Bedenkenträger so dominant seien.

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W-Lan ist das neue Asbest
Die Staatsministerin nahm weniger die Lehrkräfte als vielmehr die Eltern ins Visier: Für manche besorgten Eltern sei „W-Lan das neue Asbest“. Einige Schulen seien schon sehr weit und hätten Programmieren als Lerninhalt, andere machten noch gar nichts – die Kluft sei enorm. Neben Lesen, Schreiben, Rechnen werde Computational thinking die vierte Kulturtechnik auch in der Grundschule sein müssen. Nur wenn man in der Grundschule starte, könne man die Mädchen gewinnen, die Jahre später von Mathe und Technik nicht mehr viel wissen wollten. Zum DigitalPakt meinte die CSU-Staatsministerin als Mitglied der Bundesregierung ganz klar, wenn der Bund Gelder an die Länder gebe, müsse er auch über die Verwendung dieser Gelder mitreden können.

Andreas Rödder sah als Historiker eine lange Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert, in der stets über Beschleunigung und Kontrollverlust geklagt worden sei. Neu sei heute allerdings die Menge und Verknüpfung der Informationen, auch unser Denken ändere sich, die künstliche Intelligenz fordere uns heraus.

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Evolution oder Revolution
Der Historiker plädierte für „Evolution statt Revolution“, für eine behutsame Anpassung an die neuen Trends. Digitale Skills seien sicherlich notwendig, aber als Ergänzung zu analogen Kulturtechniken und nicht als Ersatz. Sie seien dann sinnvoll, wenn ihr Einsatz einen Mehrwert bedeute.  Handschrift, ja das Schönschreiben müssten im Fokus bleiben. Eine verbindliche Allgemeinbildung sei notwendig als Basis für die gemeinsame Verständigung in der Gesellschaft, forderte der Mainzer Professor. Lehrkräfte seien wichtige Bezugspersonen für die Kinder und nicht Lieferanten von Lernappps.

Urteilskraft stärken
Ziel der Bildung sei die eigenständige Persönlichkeit und vor allem ihre Urteilskraft. Rufe nach Schlüsselkompetenzen wie Teamfähigkeit, Problemlösefähigkeit blieben meistens zu ungenau und ließen die Schulen ratlos zurück, kritisierte Rödder, der auch schon als rheinland-pfälzischer Kultusminister im Gespräch war.

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