skip to Main Content

Schulleitungen setzen auf mehr Lebenskompetenzen Schulleitungsstudie 2022

  • 20. April 2022

Schulleitungen möchten sich liebend gerne mit den zentralen Aufgaben an ihrer Schule beschäftigen – mit der Schulentwicklung, mit der Förderung der Lehrkräfte, mit dem Ziel, die Schülerinnen und Schüler gut vorbereitet ins eigene Leben zu entlassen. Stattdessen sind sie im permanenten Kampf um kleinteilige Aufgaben der Verwaltung, der baulichen Ausstattung ihrer Schule und der Digitalisierung. Das ist von fast allen Schulleitungen im Gespräch zu hören – die neue Schulleitungsstudie des Cornelsen-Verlags unter Leitung des bekannten Professors Klaus Hurrelmann hat diese Sicht von Schulleitungen jetzt einmal zusammengetragen. Schulleitungen sollen Brücken schlagen, sitzen dann aber oft zwischen allen Stühlen, sie fühlen sich eher gebremst als unterstützt.

Mehr Verwaltung als Entwicklung
Die Schulleiterinnen und Schulleiter verbringen mit administrativen Tätigkeiten einen Großteil ihrer Arbeitszeit – bei 54 Prozent gehen damit wöchentlich sogar mehr als 10 Stunden drauf. Aktuell befassen sich Schulleitungen vor allem mit Fragen der digitalen Ausstattung (67 Prozent), mit Sanierungen, Um- oder Neubauten (62 Prozent), mit der Digitalisierung des Unterrichts (58 Prozent) und der Suche nach Lehrpersonal (54 Prozent). Zumal angesichts der herausfordernden Pandemie ist es nicht erstaunlich, dass zum Befragungszeitpunkt im Herbst 2021 72 Prozent der Schulleitungen unzufrieden auf das Jahr zurückblickten. Dennoch sehen 52 Prozent optimistisch in die weitere Zukunft!

Kompetenzen fürs Leben – auch für die Arbeitswelt
Die überwältigende Mehrheit von 93 Prozent der Schulleitungen wünschen sich, dass im Unterricht mehr Lebenskompetenzen vermittelt werden, um die jungen Menschen auf das Erwachsensein und die Arbeitswelt vorzubereiten. Eine der weiteren Aufgaben von Schule sehen Schulleitungen in der Berufsorientierung – sie steht wie die Lebenskompetenzen für ein erweitertes Verständnis von Bildung und Lernen in der Schule.

88% der Befragten bejahen die Frage, ob Schule eine Berufs- und Arbeitsmarktorientierung bieten solle. Einige Schulleitungen meinen, es sei nicht das Ziel, spätere Abbrüche in der Berufs- und Studienwahl zu vermeiden, und setzen ganz auf Persönlichkeitsentwicklung. „Festzuhalten ist, dass eine an Berufsorientierung ausgerichtete Schule andere Vorstellungen über das Curriculum von Schule entwickelt“ (S. 46).

Bei den gesellschaftlichen Themen sind den Leitungsverantwortlichen insbesondere „Digitale Bildung und Mündigkeit“ (92 Prozent), „Gesundheit und Ernährung“ (90 Prozent) und „Demokratie“ (88 Prozent) wichtig. Die Chancengleichheit aller Schülerinnen und Schüler verstehen 97 Prozent der Schulleitungen als eine elementare Aufgabe und setzen zu 92 Prozent dabei auf individuelle Förderung.

Schule der Zukunft
Für die Zukunft wünschen sich die befragten Schulleitungen vor allem eine stärkere fächerübergreifende Verflechtung von Unterrichtsinhalten, auch mehr projektorientiertes Lernen. 82 Prozent setzen auf die Ganztagsschule als Leitmodell, insbesondere als Faktor für Bildungschancen. Schulleitungen wollen mehr Autonomie und Gestaltungsfreiheit – eine umfassendere Entscheidungsbefugnis bei Personalauswahl, Mitteleinsatz und Schulentwicklung bei klaren, einheitlichen und verlässlichen Rahmensetzungen durch die Bildungspolitik.

Hessen: Kultusminister ehrt SIEGEL-Botschafterschulen

  • 4. Mai 2022

Die Auszeichnung der SIEGEL-Botschafterschulen konnte beim Netzwerktag 2020 und 2021 nur virtuell stattfinden – aber viele Träger haben die persönliche Übergabe der Plaketten an die Schulen im kleinen Rahmen vor Ort vorgenommen. In Hessen übernahm nun sogar Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz die Übergabe und Auszeichnung der SIEGEL-Botschafterschulen in der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Lorz unterstrich dabei ausdrücklich die Bedeutung der Beruflichen Orientierung: „Bei der Fülle an Möglichkeiten, die Schülern auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht, ist eine frühzeitige berufliche Orientierung wichtiger denn je.“ Dafür stehe das Berufswahl-SIEGEL, das in Hessen auch Gütesiegel heißt: „Unser Gütesiegel macht ausgezeichnete Berufs- und Studienorientierung an Schulen sichtbar und steht für eine flächendeckend hohe Qualität der Beratung“, so der Minister. Dies sei auch ein Beitrag zur Fachkräftesicherung der Zukunft.

SIEGEL-Schulen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Berufs- und Studienorientierung als wesentlichen Bestandteil im Unterricht verankert haben und über ein umfangreiches Netzwerk aus Kooperationspartnern wie Unternehmen, Berufsberatung und anderen verfügen, so dass Schülerinnen und Schüler berufliche Erfahrungen sammeln. In Hessen tragen zurzeit 117 Schulen das Berufswahl-SIEGEL.

Botschafterschulen 2020 und 2021 sind:

Herzlichen Glückwunsch!

Internatsschule Schloss Hansenberg
Kultusminister Lorz zeichnet die Schule für erstklassige berufliche Orientierung aus.

Internatsschule Schloss Hansenberg (© HKM)

Gallus Schule Gruenberg Foes
Kultusminister Lorz zeichnet die Schule für erstklassige berufliche Orientierung aus.

Goethe-Schule Groß-Gerau (© HKM)

Goetheschule Gross Gerau Foes
Kultusminister Lorz zeichnet die Schule für erstklassige berufliche Orientierung aus.

Gallus-Schule Grünberg (© HKM)

Schule Am Mainbogen Frankfurt Fechenheim
Kultusminister Lorz zeichnet die Schule für erstklassige berufliche Orientierung aus.

Schule am Mainbogen Frankfurt a.M. (© HKM)

Super Chancen für junge Menschen im MINT-Bereich

  • 30. Mai 2022

Rekordzahlen: Die Arbeitskräftelücke in Deutschland hat in diesem Monat eine Höchststand erreicht – bundesweit konnten 319.500 offene Stellen im MINT-Bereich (M = Mathematik, I = Informatik, N = Naturwissenschaft, T = Technik) nicht besetzt werden. Und dies gilt für alle Anforderungsniveaus: Die größte Lücke klafft mit 150.000 fehlenden Arbeitskräften bei den MINT-Facharbeiterberufen, gefolgt von 136.000 Personalbedarf bei den MINT-Experten sowie immerhin noch 34.000 im Bereich der Spezialisten. Die eklatantesten Engpässe bestehen im Bereich Energie/Elektro, wo 82.500 Stellen leer stehen, und im IT-Bereich, in dem  60.600 Menschen fehlen.

Voraussichtlich wird die Nachfrage nach Arbeitskräften im MINT-Bereich noch weiter steigen, wenn wir an die wachsenden Aufgaben in der Digitalisierung und dem Klimaschutz denken. Genau in diesem Moment geht die Zahl der jungen Menschen ganz stark zurück, die sich für einen MINT-Beruf interessieren (könnten). Zum einen sind einfach weniger junge Menschen da – demographischer Knick – , zum anderen zögern die Jugendlichen in und nach der Corona-Pandemie aber auch, sich für eine Ausbildung – oder ein Studium – zu bewerben und bleiben lieber erst einmal in vertrauten schulischen Bahnen. Corona hat zudem auch noch „Lernlücken“ verursacht, die sich negativ auf die MINT-Kompetenzen der Schulabsolventinnen und -absolventen auswirken werden. Auf dem Ausbildungsmarkt wirkt sich der generelle Rückgang an Bewerberinnen und Bewerbern ebenfalls spürbar auf den MINT-Bereich aus,  und auch an den Hochschulen zeigt sich ein deutlicher Rückgang an MINT-Studierenden von 198.000 Erstsemestern im Jahr 2016/2017 auf zuletzt 172.000 Erstsemester.

Zudem wählen deutlich weniger junge Frauen als junge Männer einen MINT-Ausbildungsberuf oder ein MINT-Studium. Der Anteil der Frauen in MINT-Berufen hat sich im Schnitt in den letzten zehn Jahren von 13,8 % auf 15,6 % nur leicht erhöht. Der Frauenanteil liegt dabei in Westdeutschland mit 15,2 % etwas unter dem Bundesdurchschnitt und in Ostdeutschland mit 16,6 % darüber.

Was tun?

  • In der Beruflichen Orientierung sollten die Jugendlichen auf den MINT-Bereich und die guten Chancen – auf allen Qualifikationslevels – hingewiesen werden.
  • Mädchen und junge Frauen müssen mehr als bisher für die MINT-Themen begeistert und für MINT-Berufe gewonnen werden – dann schließt sich auch der „Gender Pay Gap“ weiter.
  • Zuwanderung ist notwendig – ohne ausländische Beschäftigte würden jetzt schon 312.000 Personen zusätzlich fehlen.

Der aktuelle MINT-Frühjahrsreport wird vom Institut der Deutschen Wirtschaft halbjährlich im Auftrag von BDA, Gesamtmetall und „MINT Zukunft schaffen“ erstellt und enthält alle aktuellen Entwicklungen und Analysen zu Angebot und Nachfrage auf dem MINT-Arbeitsmarkt.

Berufliche Orientierung – ein Leben lang

  • 14. Juni 2022
netzwerk-berufswahlsiegel-siegelakademie-torsten_buehrmann

Die Pandemie wirkt wie ein Katalysator, der bereits vorhandene Entwicklungen sichtbar verstärkt – so wirkt sich die Corona-Krise auch auf die Berufswahl aus. Jugendliche treffen lieber keine als eine falsche Entscheidung, zumal angesichts der Fülle von Möglichkeiten.

Auf der Bundestagung des Berufswahl-SIEGELs stellte Prof. Dr. Thorsten Bührmann die jüngsten Jugendstudien in ihrer Bedeutung für die Berufliche Orientierung vor.

Auf der Bundestagung des Berufswahl-SIEGELs

Ausbildung als Zwischenstation
Mehr als ein Drittel münden nach der Schule nicht direkt in Ausbildung und Studium ein, Jugendliche setzen vielmehr bewusst auf längere Suchphasen (Auslandsaufenthalt, Freiwilligendienste u. ä.). Um Wahloptionen zu aufrecht zu erhalten, machen sie Mehrfachausbildungen z.B. eine zweite Ausbildung oder ein Studium nach der ersten Ausbildung. Das Interesse an Ausbildung sei groß, so stellt es z.B. die Bertelsmann-Studie heraus – aber als Zwischenstation. Jugendliche haben eine eher pessimistische Einstellung zu den Realisierungschancen, so sind 55% unsicher einen Ausbildungsplatz zu finden. Sie überbrücken mit Jobs, verdienen Geld, nehmen sich aber nicht als Erwachsene wahr.

Lange Orientierungsphase
Mit 18 Jahren sehen sich 50% trotz Volljährigkeit weiterhin als Jugendliche, als Erwachsene empfinden sie sich erst langsam ansteigend mit ca. 21/22 Jahren. Die Zeit nach der Schule wird als eine lange Orientierungsphase wahrgenommen, auch eine Ausbildung gehört für sie zu dieser Phase und nicht zur Erwachsenen- und Erwerbstätigenwelt. Es mangelt ihnen nicht an Informationen, sondern an individueller Orientierung: 54% fällt es schwer sich zurecht zu finden. Eltern, Lehrkräfte und andere Unterstützer sind hilfreich. Die Berufsberater:innen sind genauso bedeutend wie die Peergruppe, wenn sie in der Schule sind und beraten. Bezugspunkt für junge Menschen ist die Frage, ob ein Beruf zum eigenen Ich passt – nicht umgekehrt, ob sie zum Berufsbild „passen“.

Konsequenzen für die Berufliche Orientierung
Was heißen diese Wahrnehmungen für die Berufliche Orientierung? Eine individuelle Begleitung in einem verlässlichen Rahmen ist gefordert. Es geht nicht um die „eine“ Entscheidung, sondern um die Kompetenz, Übergangsprozesse zu gestalten. Die Schule sollte daher z. B. den Berufsorientierungsprozess und seine Struktur für die Schüler:innen darstellen sowie Selbstständigkeit stärken, so dass sie mit kommenden Friktionen umgehen können, fordert Bührmann.

Das Berufswahl-SIEGEL bietet mit seinem Kriterienkatalog genau eine solche Struktur, schafft Verantwortungsgemeinschaften und kann auch dazu beitragen, dass sich Jugendliche zunehmend als Erwachsene erleben – BO endet nicht mehr mit dem Schulabschluss.

Jugendstudien

  • AID:A = Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten 2019
  • SINUS Jugendstudie 2020: „Wie ticken Jugendliche?“
  • SINUS-Elternstudie: Berufsorientierung und „Future Readiness“ Jugendlicher 2020
  • Bertelsmann Jugendstudie: Ausbildungsperspektiven im zweiten Corona-Jahr

Auf der Bundestagung des Berufswahl-SIEGELs

Back To Top